Öko-Ansatz schafft „Feuchtgebiet“
Land unter auf Grafschafter Ring: Anwohner fordern im Ausschuss Endausbau

Gronau -

Boot gefahren ist Karl Heinrich Wielage noch nicht vor seiner Haustür. Aber er könnte – vorausgesetzt, es regnet einige Zeit. „Dann steht das Wasser hier zwei, drei Tage bis zu 20 Zentimeter hoch auf der Straße“, sagte der Anwohner des Grafschafter Rings. Eine unhaltbare Situation sei das – und eine, die seit seinem Einzug in den Neubau vor sechs Jahren unverändert für Verärgerung in der Nachbarschaft sorge. Als Sprecher der Anwohner forderte Wielage am Mittwochabend im Haupt- und Finanzausschuss, dass endlich der Endausbau angegangen wird.

Donnerstag, 10.11.2011, 18:11 Uhr

„Wir leben nicht in einer Straße, wir leben an einem Kanal“, sagte Wielage . Er habe sogar schon einen Besucher mit seinem zu dessen Wagen ein paar Meter weiter gefahren, damit er dort trockenen Fußes ankommt. Eine Reihe von Bildern hatte er der Verwaltung bereits im Vorfeld der Sitzung mit seinem Antrag zur Verfügung gestellt, die die Fluten dokumentieren.
Finanziell dürfte der Ausbau eigentlich kein Problem sein, sagte der Anwohner-Sprecher: „Wir haben für unsere Grundstücke ordentliche Preise gezahlt.“ Darin enthalten seien auch rund 500 000 Euro Erschließungskosten – mehr, als nach seiner Information der Endausbau kosten soll (rund 250 000 bis 300 000 Euro). Zudem habe die Verwaltung beim Grundstückskauf zugesagt, dass der Endausbau anstehe, wenn rund 80 bis 90 Prozent der Areale bebaut seien. „Heute sind es zirka 95 Prozent. Es gibt also keinen Grund, die Straße nicht endauszubauen“, sagte Wielage. Wozu er auch den Spielplatz zählt, auf dem immer wieder faustgroße Steine herumlägen, die von einer angrenzenden Schotterfläche stammen.
Stadtbaurat Frank Vetter bestätigte die Ausführungen: „Die Situation stellt sich derzeit leider so dar.“ Das sei einer Besonderheit des Baugebiets geschuldet: dem besonderen ökologischen Ansatz. „Der Ansatz ist, dass sämtliches Regenwasser versickern soll“, sagte Vetter.
Das gelte auch für die Straße, die laut Plan im Endzustand über eine Versickerungsschicht verfügt. Noch aber befinde sich sie sich im Zustand einer Baustraße, die kein Tröpfchen Wasser durchlässt. Zwar seien bereits zusätzliche Drainagestränge verlegt worden. Aber: „Diese Übergangslösung funktioniert nicht, das muss man klar sagen“, bestätigte der Stadtbaurat.
Auch für die Tatsache, dass sich die grobe und die feine Kiesschicht am Spielplatz – gedacht als zusätzliche Versickerungsfläche – nach einiger Zeit vermischen, zeichne sich noch keine Lösung ab, so Vetter. In puncto Straße müsse mit dem Ingenieurbüro überlegt werden, ob eine Sanierung des Zwischenzustandes – den Wielage aber ablehnte – denkbar sei oder alternativ der Endausbau in der Straßenendausbau-Prioritätenliste von Platz 97 weiter nach vorne gezogen werden könne.
Dass die Situation im Grafschafter Ring so nicht bleiben kann, darüber herrschte bei den Ausschussmitgliedern Einigkeit. Zweifel aber äußerte mancher Politiker daran, dass ein Endausbau in naher Zukunft erfolgen könne. Denn grundsätzlich gelte dafür ja gerade die Prioritätenliste. „Es wird keine andere Lösung als eine Zwischenlösung geben“, prophezeite schon Erich Schwartze ( FDP ). Denn genau die Finanzierung sei das eigentliche Problem – was im Übrigen nicht nur den Grafschafter Ring betreffe: „Andere haben schon vor viel längeren Zeiten gezahlt und sind noch nicht dran“, sagte Schwartze mit Blick auf ähnliche Forderungen aus der Bürgerschaft. Rund 110 Straßen warten nach Angaben der Verwaltung auf den Endausbau. Schwartze: „Ob die Bürger das mit der Prioritätenliste auf Dauer akzeptieren, weiß ich nicht . . .“ Da müsse die Sachlage vielleicht einmal insgesamt aufgearbeitet werden, meinte der Liberale.
Das Thema Grafschafter Ring soll nach einstimmigem Beschluss des Hauptausschusses im Fach-, sprich: dem Bauausschuss weiter beraten werden. Inklusive haftungsrechtlicher Fragen und jener, ob das ökologische Endausbau-Konzept angesichts der heutigen Probleme überhaupt tragfähig ist.

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