Bloß nicht in die Tiefe schauen
108 Meter über Epe:_Windkraftanlage von Josef Krefter ist ein wahrer Koloss 

Gronau -

Die Tür, die sich heute öffnet, steht im Kottiger Hook und führt in luftige Höhe. Genauer: zur E-82/2 MW von Josef Krefter. Mit einer Nabenhöhe von 108 Metern ist die schlanke Windkraftanlage (WKA) schon von Weitem gut zu sehen. Ehrerbietig ragt der Stahl- und Fertigteilbetonturm, der im Sockelbereich immerhin einen Durchmesser von 17 Metern aufweist, in die Höhe. Schnell ziehen weiße Wolken am blauen Himmel über ihn hinweg. Ganz sachte kreisen die drei, je 41 Meter langen Rotorblätter – mit Blattspitzen ähnlich denen von Flugzeugen – durch die Luft und lassen von unten nicht erahnen, welche Kraft in ihnen steckt.

Dienstag, 13.12.2011, 11:12 Uhr

Seit 2010 ist der Eper Landwirt Besitzer dieser 2,8 Millionen teuren „ Enercon “-Anlage, die speziell für mittlere Windstärken konzipiert wurde und aufgrund ihres großen Rotordurchmessers insbesondere im Binnenland optimale Ertragswerte in der 2-MW-Klasse garantiert. „Optisch unterscheiden sich „Enercon“-Anlagen leicht von den Anlagen anderer Hersteller, da der Turm über dem Fundament farblich abgestufte, grüne Ringe trägt, die von unten nach oben immer heller werden. Diese NCS-Abstufung (NCS = Natural-Color-Scheme) soll die Anlagentürme besser in den Horizont integrieren“, erklärt Josef Krefter .

Eine schwere Eisentür führt in das geräumige Innere. Leises Knistern macht sich breit, denn durch die dicken, schwarzen Kabel, die von oben herunter an der Innenwand vorbeiführen, hört man förmlich den Strom fließen. Auf der rechten Seite befindet sich eine riesige Steuerungseinheit, die dem Betreiber das Abschalten des Kolosses ermöglicht.

Josef Krefter dreht zwei Schalter um, und binnen 30 Sekunden kommen die Rotorblätter zum Stehen. Nach dem Anlegen des Sicherheitsgurts nebst Helm beginnt der Aufstieg in das tropfenförmige Maschinenhaus (Gondel), an dem die Rotorblätter befestigt sind. „90 Prozent des Weges kann man in einem Zwei- Personen-Auf­­­­­­zug zurücklegen, der Rest muss geklettert werden“, sagt Krefter und erklärt dann die Sicherheitsmechanismen zum An- und Abseilen.

Rund fünf Minuten lang rattert der Käfig in dem immer enger werdenden Turm nach oben. An den Innenwänden sind deutlich die Schnittstellen zu sehen, an denen die Fertigteilbeton-Elemente zusammengeschweißt wurden. Hinter dem Aufzug führen rund ein Meter dicke Schläuche die Wände herunter. „Das sind Kühlschläuche, denn im Sommer wird es hier richtig warm drin“, so Krefter.

Auf der obersten Sohle angekommen, folgt nun der sportliche Teil. Einhaken in eine Sicherheitsschiene, nicht in die Tiefe schauen und die letzten zehn Meter an Klettersprossen weiter nach oben kraxeln.

In der Gondel präsentiert sich das Herzstück des Bauwerkes in Form eines Generators, der bei entsprechenden Tourenzahlen der Rotorblätter den erzeugten Strom (rund 3,5 Millionen KW pro Jahr) über die schwarzen Kabel ins Netz der Stadtwerke Gronau einspeist.

Josef Krefter öffnet eine Luke und ein vorsichtiger Blick endet 108 Meter unterhalb auf dem benachbarten Acker. Anschließend macht er sich an einer anderen Öffnung zu schaffen, die über drei Leitersprossen zu erreichen ist. Ein traumhafter Ausblick weit ins Land hinein entschädigt für die Kletterpartie bis hier her. Gewaltig bäumen sich die 41 Meter langen und acht Tonnen schweren Rotorblätter vor dem Betrachter auf, die immer noch langsam ihre Bahnen ziehen.

„Überwacht werden sämtliche Prozesse der Anlage über eine Datenleitung von der „Enercon“-Zentrale in Aurich. Störungen werden dort unmittelbar aufgezeichnet und unverzüglich durch Monteure vor Ort beziehungsweise per Datenleitung behoben“, lobt Josef Krefter die unkomplizierte Handhabung der WKA. Er selbst könne sich zwar auf einem Display die aktuellen Leistungsdaten anschauen, jedoch nicht in den Prozess der Anlage eingreifen.

Doch wie kommt ein Landwirt mit einem Hähnchenmastbetrieb nun zur Windkraft? „Der Spaß an alternativen Energien und die Ausnutzung der Kraft der Natur liegt bei uns einfach in der Familie“, so Josef Krefter, dessen Großvater Josef Krefter Rottmann sich bereits damit beschäftigte, ob er die Kraft des Wassers mithilfe seiner Mühle nicht in Energie umwandeln könne. „Auch mein Vater Wilhelm hatte einen Faible dafür und verwirklichte sich 1992 einen Traum mit der Inbetriebnahme unserer ersten Windkraftanlage , einer TW 80. Windenergie ist umweltfreundlich und sicher eine Energie der Zukunft, die gut in den Energiemix passt. Der TW 80 folgte 1998 eine E-40 mit einer Nabenhöhe von 64 Metern sowie einer Leistung von 500 KW und schließlich letztes Jahr die E-82 mit einer Leistung von 2000 KW“, berichtet Josef Krefter weiter.

Er sieht die Investition in Windkraftanlagen aber auch als zusätzliches Standbein und würde sich freuen, wenn auch in der Region die Windkraft weiter gefördert würde.

Mehr Bilder zum Thema

in den Fotogalerien auf

www.wn.de

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/348448?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F103%2F150%2F696929%2F696930%2F
Preußen kassieren gegen Zwickau dritte Pleite am Stück
Fußball: 3. Liga: Preußen kassieren gegen Zwickau dritte Pleite am Stück
Nachrichten-Ticker