Ausstellung junger Migranten
Provokante Plakate als Blickfänge

Gronau -

„Man stellt Ausländer immer als Problem oder etwas Negatives dar“, sagte ein Junge aus Brasilien. Um das zu ändern, machte er beim Projekt „ExpertenInnen in eigener Sache“ mit. Die Ergebnisse sind im Rathaus zu sehen.

Samstag, 28.01.2012, 07:01 Uhr

Ausstellung junger Migranten : Provokante Plakate als Blickfänge
Waren bei der Ausstellungseröffnung dabei (v.r.): Franziska Lengers (Jugendmigrationsdienst Gronau), der stellvertretende Bürgermeister Rainer Doetkotte, Carmen Wessels vom JMD Bocholt und die Mitglieder des Integrations- sowie des Jugendhilfeausschusses, Chris Breuer und Sonja Jürgens. Foto: mfk

„Man stellt Ausländer immer als Problem oder etwas Negatives dar“, sagte ein Junge aus Brasilien . Um das zu ändern, machte er beim Projekt „ExpertenInnen in eigener Sache“ mit: Als einer von 23 Jugendlichen stellte sich der junge Brasilianer als Fotomodel für eine Plakatserie zur Verfügung. Die Ergebnisse sind seit Donnerstag im Rathaus zu sehen. Franziska Lengers und Carmen Wessels von den Jugendmigrationsdiensten (JMD) Gronau und Bocholt hatten das Projekt initiiert. Sie eröffneten mit dem stellvertretenden Bürgermeister Rainer Doetkotte die Präsentation.

Für diese sei „ein toller Rahmen geschaffen“, befand Doetkotte. Die Ausstellung demonstrierte ein Stück weit, „dass uns Integration in der Stadt interessiert“. Die Plakate selbst seien Blickfänge und teils ein wenig provokant, so der stellvertretende Bürgermeister. Aber das sollten sie auch sein, sollten sie doch dafür sorgen, dass das Thema Aufmerksamkeit bekommt, und die Betrachter zum Nachdenken anregen.

Ziel sei es, mehr positive Öffentlichkeit für jugendliche Migranten in der Region zu erlangen, erklärte Lengers. Daraus entwickelte sich die Idee, ein Plakatprojekt aus der Taufe zu heben. Die Designerin Olga Kudrjaezewa aus Gronau erarbeitete das Thema Integration mit Jugendlichen aus der Akademie Klausenhof. Zu Beginn des Projektes haben sie persönliche Gefühle, Erlebnisse und Ereignisse ausgetauscht und festgehalten, erzählte die Leiterin des JMD Gronau.

Durch außergewöhnliches Design und Slogans wie „Welche Farbe hat dein Herz?“ sollen die Plakate darauf aufmerksam machen, worum es den teilnehmenden Migranten geht. Das Besondere an dieser Plakatreihe sei, dass die Jugendlichen sich sehr offen und auch schutzlos dem Betrachter zeigen. Lengers Ansicht nach sind die Ergebnisse expressiv und provozierend und gerade dadurch auffällig.

Von einigen Ideen aber mussten die Jugendlichen Franziska Lengers erst überzeugen – zum Beispiel von den Bildern, die die jungen Männer mit nacktem Oberkörper zeigen. „Kann man das in einer ländlichen Region zeigen?“, habe sie sich erst gefragt, erzählte die JMD-Leiterin. Gerade das Argument der Offenheit aber habe sie schließlich umgestimmt.

Als Wunsch nannte sie, auch mit Jugendlichen aus Gronau ein solches Projekt durchführen zu wollen. Sie gab den Gästen ein Zitat einer jungen Frau aus Uganda mit auf den Weg durch die Ausstellung: „Integration ist, seine Ideale einzuordnen, die Gesetze zu akzeptieren und zu respektieren, sich mit der Gesellschaft zu identifizieren. Witze zu verstehen, Gedichte aufzusagen, den Herzrhythmus der Gesellschaft zu spüren.“

 

| www.ev-jugendhilfe.de/

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