Stadtwerke verzeichnen rapiden Anstieg
Herausforderung Ökostrom

Gronau -

Die Solarstrom-Erzeugung in Deutschland wächst und gedeiht. Auch in Gronau geht der Ausbau der regenerativen Energien in großen Sprüngen voran. Sonne, Wind und Biomasse erzeugen mittlerweile 20 Prozent des in Gronau abgesetzten Stroms, sagt Thomas Kortbus von den Stadtwerken.

Donnerstag, 12.04.2012, 10:04 Uhr

Die Solarstrom-Erzeugung in Deutschland wächst und gedeiht: Insgesamt 3,9 Milliarden Kilowattstunden erzeugten Fotovoltaikanlagen im ersten Quartal 2012. Das entspricht dem Stromverbrauch von rund vier Millionen Haushalten, berichtete jetzt der Bundesverband Solarwirtschaft. Auch in Gronau geht der Ausbau der regenerativen Energien in großen Sprüngen voran.

Sonne, Wind und Biomasse erzeugen mittlerweile 20 Prozent des in Gronau abgesetzten Stroms, sagt Thomas Kortbus von den Stadtwerken . 2011 produzierten die heimischen Kraftanlagen 65,5 MWh Strom, abgesetzt wurden im selben Zeitraum 324 MWh. „Mit 20 Prozent liegen wir im Bundesdurchschnitt“, stellt der neue Geschäftsführer der Stadtwerke, Dr. Wilhelm Drepper , fest.

21 Windanlagen mit einer Leistung von über 20 MW sind derzeit am Netz – die erste (mit einer Leistung von 80 kW) wurde 1992 im Kottiger Hook errichtet. Neun Biogasanlagen sind derzeit für rund 2,2 MW gut. Vor sieben Jahren waren die ersten beiden ans Netz gegangen. Die größten Sprünge gab es im Bereich der Fotovoltaik: 930 Anlagen mit einer Nennleistung von 15,22 MW sind auf Dächern in Gronau und Epe installiert. Die erste war 1995/96 in Epe errichtet worden. Vor allem in den vergangenen drei Jahren gab es erhebliche Zuwächse (► Grafik).

Die Stadtwerke sind verpflichtet, den privat erzeugten Strom abzunehmen – und das hat Folgen. Denn auch im örtlichen Stromnetz kann es zu Engpässen kommen. Kortbus nennt als Beispiel Gewerbegebiete: Unter der Woche – wenn die Maschinen laufen – wird dort erzeugter Fotovoltaikstrom meist vor Ort verbraucht. Das Stromnetz wird kaum belastet. Anders an Feiertagen und Wochenenden, wenn nicht gearbeitet und demzufolge kaum Strom verbraucht wird. Die Anlagen produzieren aber weiter – und wenn die Sonne kräftig scheint, kann es eng werden im Netz. „Es muss aber stabil sein, es darf nicht zu Überspannung kommen“, so Drepper. Kortbus ergänzt: „Darum haben wir 230 000 Euro in den Netzausbau investiert.“

Die Stadtwerke sind zu derartigen Investitionen verpflichtet – es sei denn, sie stünden in einem völlig schiefen Verhältnis zu den Anlagekosten. „Bislang haben wir aber nur zwei Anlagewünsche in Außenbereichen ablehnen müssen.“

Die Kosten für Netzausbau, stärker aber noch die für die Erneuerbare-Energien-Umlage belasten letztendlich den Kunden. Allerdings gibt es durch den sogenannten Merit-Order-Effekt Ersparnisse.

Erneuerbare Energien und Strompreise

Der Preis für Strom wird an der Strombörse durch das jeweils teuerste Kraftwerk bestimmt, das noch benötigt wird, um die Stromnachfrage zu decken. Im Tagesverlauf ist die Stromnachfrage mittags am höchsten. Scheint dann die Sonne stark, verdrängt der Strom aus Fotovoltaikanlagen den aus teuren Öl- oder Gaskraftwerken. Durch diesen „Merit-Order-Effekt“ fällt der Strompreis. Auch Strom aus Windkraftanlagen hat diesen Effekt, der allerdings etwas verpufft, wenn der Strom zu nachfragearmen Zeiten (nachts) erzeugt wird. Dennoch: Die starke Windkraftproduktion in Deutschland war Ursache dafür, dass die Spotmarktpreise an der Strombörse EPEX im Dezember 2011 auf den niedrigsten Stand des Jahres fielen. Das schreibt das Internationale Wirtschaftsforum Regenerative Energien (IWR) in Münster auf der Internetseite www.stromtarife.de.

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Wie sich die Entgelte, die die Anlagenbetreiber für den erzeugten Strom erhalten, in Zukunft darstellen, steht noch in den Sternen. Die Verträge zwischen Strom-Einspeisern und Stadtwerken, in denen die Vergütungen festgelegt sind, laufen 20 Jahre. Und danach? „Das hängt davon ab, wie sich der Markt entwickelt“, schätzt Drepper. Eine Möglichkeit: Es entsteht ein eigener Markt für regenerativ erzeugten Strom.

Da zu erwarten ist, dass die Kosten für konventionell erzeugte Energie weiter steigen und die für regenerative Energien sinken, dürfte auch der Eigenverbrauch des erzeugten Stroms finanziell attraktiv für die Anbieter sein. Allerdings ergibt sich dabei das Problem der Speicherung. Denn bei guten Bedingungen erzeugen selbst kleinere Fotovoltaik-Anlagen gerade mittags mehr Strom als der Haushalt gerade verbraucht. Den Strom zu speichern, wäre eine Möglichkeit. Sinnvoller im Sinne des Gesamtsystems jedoch findet Drepper intelligente Netze: „Dezentralität und Transparenz sind zwei weitere Stichworte. Es wird auch für uns spannend, welche Rolle wir als Stadtwerke dabei einnehmen.“

Ein Schritt in Richtung intelligente Netze war das „Smartmeter“-Projekt. „Wir haben 50 Geräte zu vergünstigten Preisen herausgegeben“, erinnert Stadtwerke-Pressesprecher Stefan Busch. „Das Experiment lief gut; aber eine flächendeckende Versorgung lässt sich derzeit nicht zu einem Preis anbieten, der sich rentiert.“ Zumal die Geräte nicht – wie einige Kunden irrtümlich meinten – Strom sparen. Vielmehr geben die Smartmeter Hinweise auf das eigene Verbrauchsverhalten – und damit auf Möglichkeiten, steuernd einzugreifen. „Ein notwendiges Utensil“, meint Drepper, „aber kein hinreichendes.“

Es muss also noch an einigen Stellschrauben gedreht werden, um den Anteil der regenerativen Energien weiter steigern zu können. Ob Platz für neue Windkraftanlagen vorhanden ist, hängt von den Vorrangzonen ab, über deren Liberalisierung gerade diskutiert wird. „Der Trend geht mehr in Richtung Repowering“, sagt Drepper. Statt neuer Anlagen werden größere und effizientere errichtet, mit denen der Ertrag vervielfacht werden kann. Auch die Fotovoltaik dürfte ihm zufolge weiteres Potenzial haben. Schließlich gibt es noch viele geeignete Dächer, auf denen Anlagen installiert werden könnten.

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