Projekt mit Jugendlichen mit Migrationshintergrund
Den Wurzeln auf der Spur

Gronau -

Lara Schlüter hat selbst Wurzeln im Ausland. Ihre Mutter ist Deutsche, der Vater aber stammt aus Sri Lanka. Deshalb interessiert es sie, was Jugendliche in ähnlicher Situation eigentlich über ihre zweite „Heimat“ wissen. Mit Anne-Frank-Schülern macht sie sich derzeit auf Spurensuche.

Montag, 21.05.2012, 14:05 Uhr

Projekt mit Jugendlichen mit Migrationshintergrund : Den Wurzeln auf der Spur
Sieben der insgesamt zwölf Teilnehmer arbeiten beim zweiten Treffen an Collagen über ihre jeweiligen Herkunftsländer. Herauskommen soll am Ende des Projektes ein Film. Mit diesem Konzept stieß Lara Schlüter (hinten Mitte) bei Jupp Ferling (l.) und Ulli Fuhrmann (r.) auf offene Ohren. Foto: mfk

Lara Schlüter hat Wurzeln im Ausland, einen „ Migrationshintergrund “. Ihre Mutter ist Deutsche, der Vater aber stammt aus Sri Lanka . „Ich bin selbst zwischen zwei Kulturen aufgewachsen“, erklärt die junge Frau. Deshalb interessiert es sie, was Jugendliche in ähnlicher Situation eigentlich über ihre zweite „Heimat“ wissen. Mit zwölf Anne-Frank-Schülern macht sich Schlüter im Rahmen eines Projektes derzeit auf Spurensuche.

Das Projekt hat sie für die Zeit eines Praktikums entwickelt. Lara Schlüter studiert Sozialpädagogik in Enschede, wo sie auch ein Zimmer hat. Derzeit aber schnuppert sie beim Jugendmigrationsdienst Gronau der Evangelischen Jugendhilfe Münsterland in die praktische Arbeit hinein. „Ich wollte gerne ein eigenes Projekt auf die Beine stellen“, erzählt sie. Schon öfter sei ihr aufgefallen, dass zwar viele Jugendliche mit ausländischen Wurzeln behaupten, stolz auf ihr Heimatland zu sein. „Wenn man nachhakt, können sie aber oft zu den Gründen keine Antworten geben.“

Das will sie mit ihrem Projekt ändern. „Das Wissen über die Wurzeln der Jugendlichen ist wichtig für die individuelle Entwicklung, die sie hier in Deutschland durchleben“, so Schlüter. Zugleich will sie mit dem Projekt die Toleranz gegenüber anderen Kulturen fördern. Mit diesem Konzept rannte sie bei Jupp Ferling, dem kommissarischen Leiter der Anne-Frank-Schule, und bei Ulrich Fuhrmann von der Beratungsstelle Ausländer und Aussiedler an der Schule offene Türen ein. „Viele kennen ihre Heimat gar nicht mehr“, weiß Fuhrmann. „Das ist der Punkt: Dann kommen Floskeln auf.“

„Das Leben in zwei Kulturen“ hat Schlüter ihr Projekt getauft, bei dem sich die Teilnehmer auf Spurensuche nach ihren Wurzeln begeben und Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten zu und mit Deutschland herausarbeiten sollen. Herauskommen soll am Ende ein Film, der als Grundlage im Schulunterricht dienen und via Internet auch einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden soll.

Alle zwölf Jugendlichen sind freiwillig mit dabei. Bei der Auswahl der Jungen und Mädchen der Klassen acht bis zehn indes haben Jupp Ferling und Ulrich Fuhrmann auf eine möglichst große kulturelle Spanne geachtet. Die ersten Treffen sind bereits über die Bühne gegangen. Beim ersten stand das Erzählen im Mittelpunkt: Die Schüler sollten über ihre Biografie berichten, die Herkunft ihrer Eltern oder auch Großeltern.

Beim zweiten Mal fertigten sie eine individuelle Collage über ihre zweite „Heimat“. Da erfährt der Betrachter beispielsweise, wie in Russland ein typischer Zug und folkloristische Frauenkleider aussehen, dass bevorzugt Pilmeni und Borsch auf die Teller kommen und die Sommer zwar wärmer sind wegen des kontinentalen Klimas, die Winter aber deutlich kälter als hierzulande.

„Die Schüler sollen ganz kreativ werden“, sagt Lara Schlüter. Und Kamera-scheu sollten sie auch nicht gerade sein: Beim dritten und vierten Treffen geht es an die Dreharbeiten für den Film, Interviews mit den Jugendlichen inklusive.

Mitte Juni wird das Werk voraussichtlich fertig sein. Interessierte werden ihn dann auf der Homepage des Jugendmigrationsdienstes Gronau (www.ev-jugendhilfe.de/jmd-gronau/) ansehen können.

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