Sprachförderung für clevere Kinder
Beratungsstelle für ausländische Schüler vermittelt Deutsch-Maßnahmen - Wechsel zum Schuljahresende

Gronau -

Kürzlich hatte Ulrich Fuhrmann eine Flüchtlingsfamilie aus dem Iran in der Sprechstunde. Fuhrmann spricht kein Persisch – und die Iraner konnten kein Wort Deutsch. „Eine Familienangehörige in Köln hat schließlich gedolmetscht“, erzählt Fuhrmann. „Per Handy.“ Eines von zahllosen Erlebnissen aus der Beratungsstelle für ausländische und ausgesiedelte Schülerinnen und Schüler und deren Eltern. Ob seine „Klienten“ nun aus China kommen oder aus Sri Lanka, aus Polen oder Afrika – dem Lehrer der Gronauer Anne-Frank-Schule ist die Integration vor allem der jungen Leute ein Herzensanliegen. Er betreut die Beratungsstelle seit ihren Anfängen 1994. Ende des Schuljahrs wird er in die Freizeitphase der Altersteilzeit gehen. Voraussichtlich wird dann Norbert Lüttmann, Lehrer an der Fridtjof-Nansen-Realschule, die Aufgabe übernehmen und gemeinsam mit Birgit Blass (Viktoriaschule) beraten, die seit fast vier Jahren dabei ist.

Donnerstag, 21.06.2012, 11:06 Uhr

Sprachförderung für clevere Kinder : Beratungsstelle für ausländische Schüler vermittelt Deutsch-Maßnahmen - Wechsel zum Schuljahresende
Vertreter mehrerer Schulen trafen sich in der Beratungsstelle, um die Zusammenarbeit zu verbessern. Ulrich Fuhrmann (2. v. l.) und Birgit Blass (3. v. l.) erläuterten die Arbeit der Beratungsstelle. Nachfolger Fuhrmanns, der Ende des Schuljahrs aufhört, wird voraussichtlich Norbert Lüttmann (l.). Foto: Martin Borck

Aufgabe der Beratungsstelle ist es, den sprachlichen Förderbedarf von Kindern und Jugendlichen festzustellen (siehe Infokasten). Außerdem gibt es Rat zur Schullaufbahn – und zwar in allen Schulformen. „Viele der Kinder und Jugendlichen sind clever, haben Super-Zeugnisse in ihren Herkunftsländern erworben“, sagt Birgit Blass. „Das wären künftige Fachkräfte für die Wirtschaft“, meint Uli Fuhrmann . Das einzige Manko: die fehlenden oder mangelhaften Deutsch-Kenntnisse. Viele der jungen Leute landen nur deswegen auf der Hauptschule, obwohl sie von ihren Fähigkeiten her auf der Realschule oder gar dem Gymnasium besser untergebracht wären. „Gerade diejenigen, die trotz der Sprachdefizite den Hauptschulalltag gut meistern, bräuchten eigentlich eine zusätzliche Förderung“, sagt Fuhrmann. Die Beratungsstelle ist in der Anne-Frank-Schule untergebracht. In dem Raum kleben Zettel: „Die Tür“, „das Regalbrett“, „links“, „rechts“ – denn dort wird nicht nur beraten, sondern auch gebüffelt. Einmal in der Woche finden die Sprechstunden statt. Finanzielle Mittel stehen nicht zur Verfügung. Ehrenamtliches Engagement ist angesagt. Und Fingerspitzengefühl für die Bedürfnisse der jungen Menschen. Grundschüler mit Deutsch-Defiziten werden zur Erstförderung in die Wilhelmschule vermittelt. „Und das mit Erfolg“, resümiert Schulleiterin Marion Wehmeyer. „Ein polnisches Mädchen hatte nach kurzer Förderung den Rückstand völlig abgebaut“, sagt sie. Klar: Nicht jedes Kind ist gleich ein derartiger Überflieger; doch auch in der Anne-Frank-Schule kommt es immer wieder zu Erfolgserlebnissen: „Zum Beispiel, dass Schüler, die zuerst kein Deutsch sprachen, nach zwei Jahren bei uns auf die Realschule wechseln konnten,“ sagt der kommissarische Leiter Jupp Ferlemann. Probleme sieht Fuhrmann momentan in Epe . Dort erhalten Grundschulkinder zwar auch Deutsch als Zweitsprache; doch die Erstförderung erfolgt nur in der Wilhelmschule. „Viele Eltern scheuen sich, ihre kleinen Kinder allein mit dem Bus nach Gronau fahren zu lassen. Insofern wäre auch in Epe die Erstförderung wünschenswert“, so Fuhrmann. Schwierig stellt sich auch die Lage für einige Jugendliche dar. Wenn sie nicht mehr schulpflichtig sind, lassen sie sich schwer unterbringen. Andere haben nicht das Mindestalter, um sich am Driland-Kolleg einzuschreiben und dort Deutsch zu lernen. Eine engere Kooperation mit den Schulen in Gronau und Epe wäre in Fuhrmanns Augen wünschenswert. Daher hatte er die Leiter aller Schulen aus Gronau und Epe zu einem Treffen eingeladen. „Leider sind nicht alle gekommen", bedauerte er. Dabei ist er sicher, dass sich die Notwendigkeit, sich mit dem Thema Integration auseinanderzusetzen, für alle Schulformen vergrößern wird. „Auch fürs Gymnasium.“

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