„Asylbewerberinnen brauchen Frau als Ansprechpartnerin“
Arbeitskreis Asyl besucht Unterkünfte

Gronau -

Für eine gewisse Übergangszeit lässt es sich in den Unterkünften für Asylbewerber durchaus leben. Doch Maria aus Angola, die mit ihrem kleinen Sohn seit einem Jahr in einem Zimmer wohnt, würde sich inzwischen schon ein wenig mehr Privatsphäre wünschen. Sie teilt sich die Wohnung an der Waagestraße mit zwei Frauen. Küche und Bad nutzen alle gemeinsam. Es ist wahrlich kein Luxus, der sich den Augen der Besucher vom Arbeitskreis Asyl bietet, die am Samstag die Bewohner zweier Wohnungen privat besuchten.

Montag, 22.10.2012, 09:10 Uhr

„Asylbewerberinnen brauchen Frau als Ansprechpartnerin“ : Arbeitskreis Asyl besucht Unterkünfte
Mitglieder des Arbeitskreises Asyl besuchten Flüchtlinge in der Unterkunft an der Waagestraße. Foto: Martin Borck

Valance aus Kongo-Brazzaville sowie eine Mutter mit ihrer jugendlichen Tochter, die aus Afghanistan geflüchtet sind, teilen sich eine der Wohnungen . „Oh, die Küche ist gestrichen worden“, freut sich Marlies Imping über die Verbesserung seit ihrem letzten Besuch. In dem Raum stehen Elektroherde, ein paar abgenutzte Tische und Stühle, Spülen zum Abwasch. In dem Zimmer, das sich Mutter und Tochter teilen, befinden sich zwei Bettgestelle mit Matratzen, Bettdecken, Kissen, ein Schrank, eine Kommode, ein kleiner Kühlschrank und ein Fernseher. Eine Gardine gibt es nicht, im Prinzip könnten Bewohner von gegenüber ins Zimmer blicken. Das Bad – zwei Waschbecken mit Kaltwasseranschluss, Dusche, Toiletten – kann nicht abgeschlossen werden. Wenn eine der Frauen duscht, können andere Personen hereinkommen. Auch ein Mann, wenn beispielsweise eine andere Bewohnerin Besuch hat. Die beiden afghanischen Frauen sind auf der Flucht vor den Taliban vom Rest ihrer Familie getrennt worden, erzählt AK-Asyl-Mitglied Claudine Hölscher. Die Mutter arbeitete am Parlament, was sie zur Zielscheibe von Taliban machte. Eine Verwandte war schon umgebracht worden. Ihr Mann und die Zwillingsschwester ihrer Tochter sowie ihr Sohn wurden auf der Flucht gefasst und wieder nach Afghanistan zurückgeschickt. Mutter und Tochter machen sich große Sorgen. „Viele der Frauen, die hier Asyl suchen, sind traumatisiert“, sagt Marlies Imping. „Deshalb wäre es für sie ganz wichtig, in der Stadtverwaltung eine feste Ansprechpartnerin zu haben, eine einfühlsame Frau.“ Jemand, die auch Tipps zur Selbsthilfe gibt. Die ihnen zum Beispiel verrät, dass sie zur ,Tafel‘ gehen können. Sie mit den grundlegenden Geschäftspraktiken vertraut macht. Sonst kann es passieren, dass die Stadtwerke den Strom bei Flüchtlingen abstellen – und die wissen gar nicht, warum das geschieht. Die Asylbewerberinnen sind einerseits dankbar, dass sie hier sein können. Allerdings erhoffen sie sich – und ist das nicht durch und durch menschlich? – eine Perspektive. Kleine Verbesserungen. Privatsphäre, die Sicherheit, dass nicht jeden Moment irgendjemand im Zimmer steht. Von den großen Wünschen ganz zu schweigen: Bleiberecht, die Möglichkeit zu arbeiten und selbst Geld zu verdienen für sich und die Kinder. Die Einrichtung der Unterkünfte ist weiterhin karg. Für Einheimische selbstverständliche Dinge gibt es nicht. „Ich habe ja noch ein Fahrrad, das ich zur Verfügung stellen kann“, fällt der Besucherin Anni Friemel plötzlich ein. Aber auch Porzellan und Bettwäsche werden benötigt. Mehr als eine Tasse und ein Teller haben die Bewohner nicht. Das Bundesverfassungsgericht hat zwar im Juli dieses Jahres beschlossen, das die (seit 1993 unveränderten Leistungen für Asylbewerber angehoben werden müssen); doch auch danach sind es nicht mehr als 336 Euro monatlich (davon 130 Euro in bar), die einem Erwachsenen zur Verfügung stehen. Marlies Imping, die auch nach ihrer offiziellen Verabschiedung als Flüchtlingsberaterin der Caritas tätig ist, kann kontaktiert werden, wenn jemand gut erhaltenen Hausrat, Fahrräder und ähnliches zur Verfügung stellen möchte. Sie ist donnerstags von 11 bis 13 Uhr im Elisabeth-Haus an der Laubstiege erreichbar (' 02562/ 817345, E-Mail m.imping@caritas-gronau.de) erreichbar.

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