Ein Lob auf die deutsche Sprache
Über Sinn und Unsinn von Fremdwörtern

Gronau -

Hätten Sie Probleme, beim Einkaufsbummel in Enschede die Wörtchen „uitverkoop“ oder „aanbieding“ zu verstehen? Vor allem, wenn sie in dicken Buchstaben an der Schaufensterscheibe stünden und von zahlreichen ebenso großen Prozentzeichen umrankt wären? Wahrscheinlich wüssten sie sofort, dass es dort Schnäppchen im Angebot gibt. Aber genauso, wie in Holland „uitverkoop“ langsam auszusterben scheint, verhält es sich hierzulande: Statt „Schlussverkauf“, „Ausverkauf“ oder „WSV“ heißt es hüben wie drüben immer wieder in dicken Buchstaben: „SALE“. Oder ganz aktuell „Wintersale“.

Samstag, 19.01.2013, 10:01 Uhr

Bei so viel Englisch steht manch einer vor dem Geschäft und weiß gar nicht, was eigentlich verkauft wird
Bei so viel Englisch steht manch einer vor dem Geschäft und weiß gar nicht, was eigentlich verkauft wird Foto: Heinrich Schwarze-Blanke

Vermutlich wollen sich die betreffenden Geschäfte mit dem englischen Ausdruck einen internationalen und ganz modernen Anstrich (Touch) verpassen. Es kann aber gut sein, dass dieses Bemühen ein Schuss in den Ofen ist. Denn im Allgemeinen überschätzen Geschäftsleute die Fähigkeit der Deutschen, die englische Sprache zu verstehen. Manchmal übersetzen sie zwar mit erfrischender Vorstellungskraft – aber mit dem eigentlich Gemeinten hat das dann nichts mehr zu tun. Ich komme gleich darauf zurück.

Tun die betreffenden Geschäfte vielleicht den niederländischen Kunden – von denen es in Gronau ja wahrlich viele gibt – einen Gefallen, wenn sie englische statt deutsche Begriffe verwenden? Ich glaube eher, dass auch die Holländer wahrscheinlich mit vielen deutschen Wörtern weniger Mühe hätten als mit ihren englischen Entsprechungen. Zumal die Betreuung der Kunden von jenseits der Grenze sprachlich ja immer besser wird: In zahlreichen hiesigen Fachgeschäften und bei Banken gibt es Verkäufer und Berater, die ihnen auf Niederländisch Rede und Antwort stehen. Der Zusammenschluss der Gronauer Kaufmannschaft (wieso heißt der eigentlich „Cityring“?) organisiert sogar extra einen Niederländisch-Sprachkursus für Verkaufspersonal. Klasse!

Eigentlich ist es seltsam, ja sogar schade, dass sich immer mehr englische Begriffe einschleichen. Zumal die deutsche Sprache oft so kernig, so treffend, so passend Dinge und Zustände beschreibt, wie es keine andere Sprache kann. „Schnäppchen“ passt doch – wenn man‘s genau betrachtet – wie die Faust aufs Auge. Es lässt einen sofort an „Zugreifen“ denken. „Sale“ dagegen finde ich – bei allem Respekt vor der englischen Sprache – langweilig.

Manche große Unternehmen haben gemerkt, dass sie sich mit englischer Werbung in die Nesseln gesetzt haben. „Come in and find out“ – so der Spruch einer Parfümeriekette – wurde bekanntlich von der Mehrzahl der deutschen Kunden mit „Komm rein und du wirst auch wieder rausfinden“ übersetzt. Die eigentliche Botschaft sollte lauten „Komm rein und entdecke“. Dass das Unternehmen seinen Werbespruch („Slogan“) geändert hat, lässt sprachlich hoffen.

Was man sich jedoch unter einem „Flat-Tarif featuring Music-Flat“ vorstellen muss, den ein deutsches Telekommunikationsunternehmen auch in Gronau anbietet – viele, gerade ältere Menschen werden es nur erahnen können. Wenn überhaupt . . .

Beim Schaufensterbummel durch die Gronauer Innenstadt fallen zum Glück auch immer noch die Hinweise auf den guten alten WSV auf. Vielleicht verfangen ja doch so langsam die Bemühungen der Liebhaber (Fans) der deutschen Sprache? Der Sprache, die so wunderschöne Wörter hervorgebracht hat wie Fingerspitzengefühl, Sehnsucht, Augenblick oder – um es mal ein wenig erdiger zu machen – von mir aus auch Bratkartoffel oder Rhabarbermarmelade.

Nochmals: Grundsätzlich ist nichts gegen Fremdwörter einzuwenden – aber man sollte sie nur dort einsetzen, wo sie sinnvoll sind.

Andererseits sollte der Spaß an der deutschen Sprache nicht davon abhalten, Fremdsprachen zu lernen. Denn durch sie eröffnen sich neue Gedankenwelten.

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