Fukushima kostet Arbeitsplätze
Zentrifugen-Hersteller baut in Gronau mehr als Hundert Stellen ab

Gronau -

An den Produkten liegt es nicht: Die Zentrifugen-Kaskaden der Enrichment Technology Company Ltd. (ETC) sind weltweit in Urananreicherungsanlagen im Einsatz und arbeiten über viele Jahre praktisch wartungsfrei. Und doch werden in den kommenden drei Jahren mehrere Hundert Mitarbeiter des Unternehmens – davon mehr als Hundert allein am Standort Gronau – ihren Arbeitsplatz verlieren. Der Grund dafür heißt Fukushima.

Donnerstag, 07.03.2013, 07:03 Uhr

In diesem Gebäude auf dem Gelände der Gronauer Urananreicherungsanlage produziert die ETC die Verrohrung (rechts) für Zentrifugen-Kaskaden, die in Urananreicherungsanlagen zum Einsatz kommen..
In diesem Gebäude auf dem Gelände der Gronauer Urananreicherungsanlage produziert die ETC die Verrohrung (rechts) für Zentrifugen-Kaskaden, die in Urananreicherungsanlagen zum Einsatz kommen.. Foto: ETC

Die Katastrophe im japanischen Kernkraftwerk hat für einen Einbruch der Nachfrage nach kerntechnischen Anlagen gesorgt. Die Folge: Es werden auch weniger Urananreicherungskapazitäten und die dafür notwendige „Hardware“ – nämlich Zentrifugen-Kaskaden – benötigt. Ein langsamer Rückgang der ETC-Aktivitäten sei in den Marktprognosen immer erkennbar gewesen. „Wir hatten deshalb geplant, unsere Kapazitäten in den Jahren ab 2016 zurückzufahren. Aber der Prozess des Rückgangs kommt nach Fukushima viel schneller als geplant“, sagt Roy Ketting Olivier, Chef der deutschen ETC-Standorte.

Gronau – hier produziert ETC auf dem Gelände der Urananreicherungsanlage der Urenco Deutschland die Rohrsysteme für die Kaskaden – wird in der Folge „mehr als 100 Arbeitsplätze verlieren“, weltweit werden es „mehrere Hundert der insgesamt rund 2000 Mitarbeiter sein“, so Ketting Olivier. Die exakte Zahl stehe noch nicht fest. Die Zahl der Beschäftigten in Gronau werde schon in diesem Jahr sinken, weil zeitlich befristete Stellen nicht wieder besetzt werden.

Die Mitarbeiter seien bereits im vergangenen Jahr informiert worden, „weil wir offen und ehrlich mit ihnen umgehen, auch wenn wir noch nicht alles im Detail erklären können“, so Roy Ketting Olivier. Auch Gespräche mit den Betriebsräten in Gronau und Jülich gebe es bereits, Ergebnisse aber noch nicht.

Ketting Olivier betont, dass daran gearbeitet werde, neue Geschäftsfelder aufzubauen, um das Know-How der Mitarbeiter im Hochtechnologiebereich – etwa bei speziellen Schweißverfahren – für andere Branchen zu nutzen. Aber: Er warnt zugleich vor überzogenem Optimismus: „Diese Aktivitäten werden nicht die komplette Reduzierung der Belegschaft auffangen können, es ist unvermeidbar, dass Arbeitsplätze verloren gehen.“

Am Standort Gronau wird es vor allem Mitarbeiter aus dem Bereich Metallverarbeitung (Zerspanungstechniker, Schlosser, Industriemechaniker etc.) treffen. Die Belegschaft vor Ort besteht aus älteren Kollegen, aber auch aus jungen Mitarbeitern, die zum Teil Zeitverträge haben oder als Leiharbeiter tätig sind.

An eine komplette Auflösung des Unternehmens sei indes nicht gedacht, macht Ketting Olivier deutlich. Vielmehr gehe es darum, das Hauptgeschäft auf ein Maß zu reduzieren, das der künftig zu erwartenden Kundennachfrage entspricht.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/1547105?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F103%2F150%2F1779513%2F1779523%2F
Land: 200 Millionen Euro für Batterieforschung in Münster
Modernste Robotik unterstützt das Wissenschaftler-Team des MEET bei der Elektrolyt-Forschung.
Nachrichten-Ticker