Serie: Macherinnen – Frauen und Positionen
Stark ohne Quote: Petra Raad

Gronau -

Frauenquote, Herdprämie, Equal Pay Day – noch immer knacken die Kinder und Kindeskinder der Emanzipationsbewegung an ihren Hausaufgaben. Dabei gibt es längst Frauen in ganz unterschiedlichen Bereichen der Gesellschaft, die einfach das tun, was letztlich zu Veränderungen führt: Sie machen. In loser Folge stellen wir Ihnen Frauen aus Gronau und Umgebung vor, die in Politik, Kultur, Wirtschaft und Gesellschaft Entscheidungen treffen – häufig auch für Männer.

Mittwoch, 27.03.2013, 09:03 Uhr

In Gronau fand Petra Raad eine neue Heimat. Auch politisch: In Mutterstadt war sie Ortsverbandsvorsitzende der CDU gewesen. Seit 2004 sitzt sie für die Gronauer FDP im Rat.
In Gronau fand Petra Raad eine neue Heimat. Auch politisch: In Mutterstadt war sie Ortsverbandsvorsitzende der CDU gewesen. Seit 2004 sitzt sie für die Gronauer FDP im Rat. Foto: Christiane Nitsche

Petra Raad war längst eine gestandene Frau, als sie mit Mann und Kind nach Gronau kam. Als Fachanwältin für Familienrecht hatte sie sich eine Einzelkanzlei in Ludwigshafen-Oggersheim aufgebaut. Politisch ihre Heimat in der CDU ausgemacht. Im Ortsverband Mutterstadt war sie Vorsitzende.

Mit dem durch den Ehemann beruflich motivierten Umzug vom Rhein ins Westmünsterland änderten sich sämtliche Vorzeichen im Leben der heute 54-Jährigen: Sie gab ihren Beruf auf, um für die damals neunjährige Tochter da zu sein und wechselte nach ersten Erfahrungen mit der ortsansässigen CDU und längeren Gesprächen mit dem inzwischen verstorbenen Liberalen Hermann Schulte das Parteibuch.

Sie habe sich eigentlich nie Gedanken darüber gemacht, ob ihr Frausein entscheidend für Beruf und politische Karriere bedeutsam gewesen sei. „Ich kann nicht sagen, dass ich je aufgrund der Tatsache, dass ich eine Frau bin, Nachteile erlebt habe.“ Allerdings habe sie auch nie „die Karte Frau gezogen“. Sie sei grundsätzlich gegen eine Frauenquote , weil sie überzeugt sei, dass sie Frauen eher diskriminiere, als dass sie ihnen helfe. „Da wird doch dann ganz schnell gesagt: ‚Die hat den Job nur wegen der Quote gekriegt.‘“ Sie halte das eher für ein Handicap.

Bei der Frage nach gleicher Bezahlung für gleiche Arbeit gibt sie sich indes kompromisslos. „Nach wie vor ist es so, dass Frauen bei gleicher Arbeit oft schlechter bezahlt werden. Das gehört ganz schnell abgeschafft.“

Aus dem Kreis früherer Kommilitoninnen und alter Freundinnen habe sie den Eindruck gewonnen, dass die meisten ihren Weg so genommen hätten, wie sie es sich vorgestellt hatten – ganz ähnlich wie bei ihr selbst. Die Entscheidung, wegen ihrer Tochter zuhause zu bleiben, habe sie ganz bewusst getroffen. „Ich kann aber nicht gut beurteilen, wie es in anderen Betätigungsfeldern ist“, gesteht sie ein. „Das mag ich mir nicht anmaßen.“ Über die Rolle von Frauen in Migrationskulturen etwa mache sie sich Gedanken, da werde sie im Integrationsausschuss immer wieder drauf aufmerksam. Hier sei der beste Weg sicher, bei den Kindern anzusetzen und durch gute Ausbildung für ein gutes Selbstbewusstsein zu sorgen.

Raad selbst hat gewonnene Ressourcen an Zeit und Energie nach ihrem großen Umbruch vor allem in die politische Arbeit gesteckt. Nachdem sie 2003 das Parteibuch gewechselt hatte, zog sie bereits 2004 in den Rat ein, wo sie stellvertretende Fraktionsvorsitzende ihrer Partei wurde. Seit 2009 ist sie Vorsitzende des Verwaltungsrats der Sparkasse, im gleichen Jahr kandidierte sie für das Amt des Bürgermeisters – mit bemerkenswertem zweistelligem Ergebnis. Aktuell ist sie dritte stellvertretende Bürgermeisterin.

Dass in Bälde mit Sonja Jürgens zum ersten Mal eine Frau das Amt innehat, spielt für sie erst in zweiter Linie eine Rolle. „Frauen führen anders, das ist unbestritten. Sie haben eher Empathie, das wird sich sicher zeigen.“ Aber in der Stadt gebe es genügend Probleme, wo ihr diese Stärke allein nicht helfen werde. „Da wird anderes Handwerkszeug benötigt und das wird sie zeigen müssen.“ Auch werde die Zusammenarbeit mit dem Rat der Stadt spannend zu beobachten sein, wobei sie überzeugt sei, dass die aktuelle Konstellation der Stadt Vorteile gebracht habe. „Es müssen überzeugende Sachargumente gebracht werden.“

Leider herrsche in der Öffentlichkeit ein großes Informationsdefizit vor, was die Arbeit im Rat betreffe. „Viel zu wenig Leute lesen die Zeitung. Das Interesse liegt eher bei den Sensationen“, bedauert sie. Auch die öffentlichen Sitzungen würden nur wenig besucht.

Raads Tochter ist inzwischen 23 Jahre alt, Politikstudentin, Berufssoldatin bei der Marine und damit sicher ein Prototyp eines modernen Frauenbildes. „Ich habe mir bei ihrer Geburt zum Ziel gesetzt, dass ich sie zu einer selbstbewussten, jungen Frau erziehen möchte“, sagt sie. Und auch, wenn sie sich als Mutter mitunter Sorgen macht, ist sie doch erkennbar stolz. „Ich glaube, das ist gelungen.“

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