Betrieb in Gronau will nach Unfall in Almelo „Arbeitssicherheit reflektieren“
Auszeit bei Urenco-Tochter ETC

Gronau -

Nach dem tödlichen Betriebsunfall bei der Enrichment Technology Company (ETC) im niederländischen Almelo ist die Produktion auch in den deutschen Betriebsstätten in Gronau und Jülich gestoppt worden. Entsprechende Hinweise von Atomkraftgegnern hat Tobias Gottwald, Sprecher der ETC, am Donnerstag bestätigt. Bei dem Unglück waren zwei Menschen ums Leben gekommen.

Donnerstag, 04.04.2013, 18:04 Uhr

Ein Mitarbeiter der „Enrichment Technology Company“ (ETC) in Gronau baut an einer Maschine für Urananreicherungsanlagen.
Ein Mitarbeiter der „Enrichment Technology Company“ (ETC) in Gronau baut an einer Maschine für Urananreicherungsanlagen. Foto: ETC

„Die Unternehmensleitung hat daraufhin beschlossen, die Produktion vorübergehend anzuhalten“, sagte Gottwald . Man habe nicht einfach zur Tagesordnung übergehen wollen. „Wir wollen die Zeit nutzen, um das Thema Arbeitssicherheit mit unseren Mitarbeitern nochmals intensiv zu reflektieren.“ Gottwald betonte, dass der Produktionsstopp eine interne Entscheidung sei, nicht etwa von Behörden angeordnet. Wie lange die Auszeit dauern werde, konnte er nicht sagen. „Wir nehmen uns die Zeit, die wir brauchen.“ An den Standorten in Frankreich und Großbritannien sei die Produktion wieder aufgenommen worden.

Zu dem genauen Hergang des Unglücks am Karfreitag in Almelo machte Gottwald keine Angaben. Man wolle den Abschlussbericht der Untersuchung abwarten. Das kann einige Wochen dauern. Unbestätigten Medienberichten zufolge war das Edelgas Argon durch ein Leck in einem Zylinder ausgetreten. Das 44-jährige Opfer soll beim Säubern eines Kessels wegen Sauerstoffmangels zunächst ohnmächtig geworden sein. Sein 54-jähriger Kollege wollte ihm helfen, bekam aber selbst keine Luft mehr. Auch er erstickte.

Bei ETC in Almelo hatten sich in den vergangenen fünf Jahren zwei weitere Unfälle ereignet, bei denen ein Mitarbeiter zu Tode kam.

Atomkraftgegner forderten indessen, dass sich die Atomaufsicht mit Fragen auseinandersetzt, die sich aus dem Unfall ergeben: „Liegt dem tödlichen Unfall ein tiefergehendes Sicherheitsproblem bei ETC zugrunde? Gibt es Hinweise auf fahrlässiges Verhalten oder mangelnde Sicherheitsvorkehrungen, die auch an anderen Firmenstandorten zu Problemen führen könnten?“

Almelo ist der größte Produktionsstandort von ETC. Auch in Gronau werden auf dem Gelände der Urananreicherungsanlage Gaszentrifugen zur Urananreicherung hergestellt. ETC deckt mit seiner Technologie nach eigenen Angaben 45 Prozent des Weltmarktes ab. Allerdings steht das Unternehmen unter Druck: Nach Fukushima ist die Nachfrage nach kerntechnischen Anlagen eingebrochen. Mehrere Hundert der insgesamt 2000 Mitarbeiter sollen entlassen werden, auch in Gronau und Almelo.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/1589158?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F103%2F150%2F1779513%2F1779520%2F
Nachrichten-Ticker