Phänomenaler Fund im Geomuseum der WWU
Saurier schlummerte hundert Jahre in einer Schublade

Gronau/Berlin -

Hundert Jahre lang schlummerte er in der Schublade, jetzt hat ihn der Berlinder Paläontologe Oliver Hampe entdeckt und zum (wissenschaftlichen) Leben erweckt. Der Gronausaurus wegneri ist eine neue Saurierart, entdeckt wurde das Fossil 1914 in der Schieferkuhle (damals Ziegeleigrube Gerdemann) in Gronau.

Dienstag, 21.05.2013, 11:05 Uhr

Der Paläontologe Oliver Hampe mit Fossil und digitaler Rekonstruktion des Gronausaurus wegneri aus der Schieferkuhle. Das Fossil wurde im Jahre 1912 – nach einem weiteren Saurierfund – in Gronau entdeckt.
Der Paläontologe Oliver Hampe mit Fossil und digitaler Rekonstruktion des Gronausaurus wegneri aus der Schieferkuhle. Das Fossil wurde im Jahre 1912 – nach einem weiteren Saurierfund – in Gronau entdeckt. Foto: Naturkundemuseum Berlin

Phänomenaler Fund in der Schublade: Oliver Hampe vom Museum für Naturkunde Berlin hat bewiesen, dass auch in alten wissenschaftlichen Sammlungen außergewöhnliche Funde auf ihre Entdeckung warten: Im Geomuseum der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster identifizierte er ein vor 101 Jahren entdecktes Fossil als neuen Saurier. Es handelt sich um das weltweit einzige Exemplar von Gronausaurus wegneri, einem drei Meter langem Plesiosaurier, der durch die kreidezeitlichen Meere und Flussdeltas jagte und für damalige Verhältnisse ein kleiner Vertreter dieser Meeresreptilien war.

Der neue Saurier

Während eines Forschungsaufenthaltes in Münster konnte der Wirbeltierpaläontologe Oliver Hampe ein Fossil als neuen Saurier identifizieren. Es handelt sich nach Angaben des Naturkundemuseums Berlin um das bislang weltweit einzige Exemplar seiner Art. Der sogenannte Holotypus besteht aus einem Skelett, dem leider einige Schädelelemente, Halswirbel sowie Fuß- und Fingerglieder der Paddel fehlen. Einzigartig für Gronausaurus wegneri sind die sich unterhalb der Querfortsätze der Brust- und vorderen Rückenwirbel befindlichen ausgeprägten Gruben, die wahrscheinlich eine höhere Stabilität gegen Zugkräfte der Rückenmuskulatur am lebenden Tier gewährleisteten. Als evolutiver Vorteil wäre eine verbesserte Manövrierfähigkeit dieser Art von Plesiosaurier anzunehmen.

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Neu entdeckter Plesiosaurier

Gronausaurus wegneri ist ein neu entdeckter Plesiosaurier, der in der frühen Kreidezeit vor rund 137 Millionen Jahren im küstennahen Meer und in Flussdeltas schwamm. Es handelt sich um ein – für diese Urzeit – recht kleines Meeresreptil von etwa drei Meter bis maximal 3,50 Meter Länge. Entdeckt wurden die Knochen bereits im Jahre 1912 in einer Tongrube der ehemaligen Ziegelei Gerdemann in Gronau, die bereits damals für zahlreiche Fossilfunde bekannt war. So wurden dort schon Haizähne, Fischfossilien, Schildkrötenreste, ein Krokodilzahn sowie Fischsaurier- und andere Plesiosaurierknochen gefunden.

Neuer Fund in alten Schubladen

Die erste Erwähnung des Skeletts erfolgte im Jahre 1914, heißt es in einer Mitteilung des Naturkundemuseums Berlin weiter. Damals schrieb der Paläontologe Theodor Wegner, dass das Skelett verschieden von dem damals neu beschriebenen Brancasaurus, einem anderen Plesiosaurier, den Wegener zuvor in der Grube gefunden hatte sei. Eine wissenschaftliche Bearbeitung des zweiten Fundes erfolgte jedoch nie. Das Fossil liegt seit seiner Entdeckung im Geologisch-Paläontologischen Museum in Münster (heute: Geomuseum der Westfälischen Wilhelms-Universität).

Und so kam es wieder einmal zu einem neuem Fund in alten Schubladen: Oliver Hampe vom Museum für Naturkunde Berlin zeigte, dass auch in alten wissenschaftlichen Sammlungen außergewöhnliche Funde auf ihre Entdeckung warten. „Im Prinzip stellt jedes Fossil ein Unikat dar, aber die Überreste einer neuen Art in den Händen zu halten ist gehört schon zu den besonderen Momenten“, so Oliver Hampe von Naturkundemuseum Berlin.

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