Beratung bei Migrationshintergrund
Schüler bleiben auf der Strecke

Gronau -

Bürgermeisterin Sonja Jürgens und Semra Mestan vom Jugendmigrationsdienst (JMD) haben die Beratungsstelle für Schüler mit Migrationshintergrund, deren Eltern und Lehrkräfte an der Anne-Frank-Schule besucht. Bei dem Gespräch wurden schnell zwei Aspekte deutlich, die den Lehrern in der Beratungsstelle besonders auf den Nägeln brennen.

Donnerstag, 20.06.2013, 09:06 Uhr

Es ist heiß an diesem Nachmittag. Da tut ein Glas kaltes Mineralwasser gut. Das kann Ulrich Fuhrmann allerdings nur anbieten, weil er es von zu Hause mitgebracht hat. „Unsere Beratungsstelle hat nämlich leider überhaupt keinen Etat“, erklärt Birgit Blass.

Gemeint ist die Beratungsstelle für Schüler mit Migrationshintergrund , deren Eltern und Lehrkräfte an der Anne-Frank-Schule. Dort ist Blass (Viktoriaschule) mit ihrem Kollegen Norbert Lüttmann (Fridtjof-Nansen-Realschule) engagiert; Ulrich Fuhrmann (pensionierter Lehrer der Anne-Frank-Schule) war hier Lüttmanns Vorgänger und als Gast an seiner alten Wirkungsstätte.

Die drei Lehrer, denen die Integration von Schülern mit Migrationshintergrund eine Herzensangelegenheit ist, hatten am Dienstag Besuch in der Beratungsstelle: Bürgermeisterin Sonja Jürgens und Semra Mestan vom Jugendmigrationsdienst (JMD).

Bei dem Gespräch wurden schnell zwei Aspekte deutlich, die den Lehrern in der Beratungsstelle besonders auf den Nägeln brennen: die Einrichtung eines Kommunalen Integrationszentrums im Kreis Borken und die traurige Tatsache, dass viele Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund in Gronau nicht ihrem Leistungsniveau entsprechend beschult werden.

Damit Schüler mit geringen oder gar keinen Deutschkenntnissen in einer deutschen Schule klarkommen, brauchen sie zusätzliche Sprachförderung. Die könnten sie von Lehrern bekommen, die Deutsch als Zweitsprache unterrichten und bei den Schulen im Rahmen sogenannter Inte­grationsstellen beschäftigt werden. Aber: „Eine Reihe von Schulen im Zuständigkeitsbereich der Beratungsstelle beantragen keine Integrationsstellen“, sagt Norbert Lüttmann. So sei zum Beispiel das Gymnasium in Gronau für Schüler mit unzureichenden Deutschkenntnissen keine Option, weil sie dort nicht entsprechend gefördert werden könnten. „Und die einzige Grundschule in Gronau, die zurzeit Kinder aufnimmt, die noch überhaupt kein Deutsch sprechen, ist die Wilhelmschule“, berichtete Birgit Blass.

Diese Information stimmte Bürgermeisterin Sonja Jürgens sichtlich nachdenklich: „Mit Blick auf Themen wie demografischer Wandel und Fachkräftemangel heißt das ja auch, dass wir uns wichtige Ressourcen durch die Finger rieseln lassen.“

Semra Mestan bestätigte, dass sich auch bei vielen Migranten schon rumgesprochen habe, dass eine optimale Beschulung ihrer Kinder in Deutschland keineswegs selbstverständlich sei. „Einige überlegen sogar, ob sie ihre Kinder hierher holen sollen, weil sie Sorge haben, dass die automatisch auf die Hauptschule kommen.“

Um dieser Problematik beizukommen, wünschen sich die Beratungslehrer mehr Engagement aller Gronauer Schulen und die Gründung eines Integrationszentrums im Kreis Borken. Norbert Lüttmann bat die Bürgermeisterin, sich für diese Anliegen stark zu machen, „auch in der Runde der Bürgermeister im Kreis Borken“.

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