Zufahrten zur UAA blockiert
Aktivisten eines Anti-Atom-Camps in Metelen demonstrieren in Gronau

Gronau -

Gekommen sind vor der Morgendämmerung – und haben sich inzwischen häuslich eingerichtet. „Wir wollen schließlich länger bleiben“, sagt Cecile, auch „Eichhörnchen“ genannt und bringt in drei Meter Höhe an einem hölzernen Dreibein einen weiteren Sonnenschutz an. Am zweiten Dreibein hängen“Waschbär“ und Moritz. Auch sie sehen so aus, als wollten sie länger oben bleiben.

Montag, 22.07.2013, 12:07 Uhr

Seit 4.30 Uhr am Montag ist die Hauptzufahrt der Gronauer Urananreicherungsanlage durch Atomkraftgegner des Metelener Anti-Atomkraft-Camps blockiert. Gegen zehn Uhr halten sich hier rund 20 Atomkraftgegner auf. Seit sieben Uhr blockieren weitere 20 Demonstranten eine Feuerwehrzufahrt zum Urenco-Gelände an der Kaiserstiege.

Von weitem schon ist hier, unweit der Marienkapelle, das laute Trommeln zu hören. Im Kreis stehen die Musiker – fantasievoll kostümiert – auf der Feuerwehrzufahrt und schlagen ihre Instrumente. Andere sitzen oder liegen auf dem Weg. Beamte von Bundes- und Landespolizei beobachten das Geschehen. Sie haben die Demonstranten inzwischen zum Räumen der Feuerwehrtzufahrt aufgefordert, geben ihnen aber noch Zeit zur Beratung. Ein echter Dialog zwischen Atomkraftgegnern und Polizei findet nicht statt – immer wenn der Einsatzführer zum Gespräch ansetzt, werden die Trommeln geschlagen.

Auch vor der Hauptzufahrt beobachten Polizisten das Geschehen, greifen aber nicht ein, weil sich die Demonstranten hier auf Privatgelände des Unternehmens befinden. Mitarbeiter von Urenco haben – wegen der Blockade der Hauptzufahrt – am frühen Morgen nach Schichtende das Firmengelände zunächst über die Feuerwehrzufahrt verlassen. Bis die Demonstranten auch hier blockiert haben.

Vom Anti-Atom-Camp in Metelen haben sich die Aktionsgruppen aufgemacht, um gegen die fortlaufende Urananreicherung zu protestieren. „Die Urananreicherungsanlage der Firma Urenco ist nämlich vom angekündigten angeblichen Atomausstieg ausgenommen“, erklärt Sim aus Münster ihre Aktion. „Es geht uns darum, den Atomkreislauf weltweit zu unterbrechen“ fährt die Aktivistin fort. Denn die Firma Urenco produziert ein Viertel des weltweiten Bedarfs an angereichertem Uran.

Das Uran, das in Gronau verarbeitet wird, werde meist unter menschenunwürdigen Bedingungen gewonnen, zum Beispiel in Australien und verschiedenen afrikanischen Ländern. Erst kürzlich habe ein Aktivist aus dem Kongo von beobachteten Missbildungshäufungen bei Neugeborenen von Minenarbeitern berichtet, die selber auffallend oft chronisch krank sind.

Außerdem sei die Lagerung des Atommülls, insbesondere des jährlich in Gronau in großen Mengen anfallenden abgereicherten Urans völlig ungeklärt. So liegen in Gronau Zehntausende Tonnen teilweise unter freiem Himmel. „Das ist gefährlich und absolut unverantwortlich. Deswegen gehen wir entschlossen gegen diese Anlage mit vielen verschiedenen Mitteln vor,“ kommentiert Uli.

Die Firma Urenco betonte in einer Stellungnahme, dass der sichere Betrieb der Anlage trotz der Aktion zu jeder Zeit gewährleistet sei. „Intern sind weitere Sicherheitsvorkehrungen getroffen, und die Werkfeuerwehr ist zu jeder Zeit in der Lage, selbstständig auf dem Betriebsgelände zu handeln. Im Moment besteht seitens der Urenco kein Handlungsbedarf.“

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