Die Mutter aller Sorten und ihr Jahrestag
Und täglich schmeckt das Vanilleeis

Gronau -

Warum der in den USA ausgerufene „Tag des Vanilleeis“ ausgerechnet auf den 23. Juli fällt, ist nicht bekannt. Sicher aber ist, dass er kaum besser liegen könnte – jedenfalls in diesem Jahr und in diesen Breitengraden. Die Gronauer Eisdielen haben Hochkonjunktur, auch wenn hier noch niemand den Vanilleeis-Tag kennt.

Mittwoch, 24.07.2013, 11:07 Uhr

Bei der Gelateria Italiana am Theodor-Heuss-Platz bilden sich spätestens zur Mittagszeit lange Schlangen an der Eistheke. Arbeitssprache hinterm Tresen ist Portugiesisch, auch wenn das Eis nach italienischem Rezept hergestellt wird.

Daniel Ferreira muss es wissen – er bedient die Maschine. „Ich mache gerade Amarenaeis“, erklärt er entschuldigend. Die Maschine ruft ihn laut pfeifend zur Arbeit. „ Vanilleeis geht immer“, meint er dann. „Es kommt sowieso in jeden Becher.“ Etwa sieben Kilo speisefertiges Eis fasst eine der Wannen, die in der Kühltheke nebeneinander im Eiswasser liegen. An Wochentagen gehen davon sieben bis acht über die Theke, sonntags auch schon einmal zehn bis zwölf. Im Durchschnitt also 56 Kilo Vanilleeis täglich. Auch beim Waffel- und Becherverkauf liege Vanille ganz vorne in der Gunst der Schleckermäuler, nickt Ferreiras Kollege, bevor er mit dem nächsten Becher Spaghetti-Eis in Richtung der Bistro-Tische vor der Tür verschwindet. Hauptbestandteil – man ahnt es: Vanilleeis.

Tatsächlich ist Vanilleeis so etwas wie die Mutter aller Eissorten. Schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde es in Deutschland gehandelt. Etwa 20 Prozent aller Deutschen nennen es unter ihren Lieblingseissorten, womit es die „Hot List“ der Eissorten hierzulande deutlich anführt.

„Das erste Bällchen ist immer Vanille“, vermutet Paolo Toscani als Ursache der allgemeinen Vanilleeis-Vorliebe. „Wenn Eltern oder Großeltern den Kindern das erste Eis kaufen, ist es immer das, auch wenn andere Sorten vielleicht genauso gesund sind.“ Tatsächlich werden der Vanille gesundheitsfördernde Wirkungen nachgesagt: Sie soll beruhigend auf die Nerven einwirken und gut sein gegen Abgeschlagenheit.

Wie viel Vanilleeis täglich in Toscanis Eisdiele Cortina in Epe über den Tresen geht, weiß er nicht. „Das kann ich nicht abschätzen, weil ich nicht in der Produktion bin.“

Toscani verkauft und serviert das original italienische Eis aus eigener Produktion. „Vier mal Vanille und einmal Schokolade“, bestellt ein Kunde. Immer wieder muss Toscani das Gespräch unterbrechen, um die hereinströmenden Kunden zu bedienen.

„Vanilleeis ist eines der beliebtesten überhaupt“, lautet sein Fazit. Aber das hänge „auch davon ab, wie das Wetter ist.“ Bei der aktuellen Hitze etwa werde mehr Fruchteis gegessen. Überhaupt, das Wetter: Schleppend habe die Saison begonnen. „Aber dann ging es los, und es waren schon einige schöne Sonntage dabei, die haben geholfen.“

Wenn es zu heiß sei, kämen die Leute auch nicht. „Dann gehen sie ins Freibad oder bleiben zuhause.“ Schön seien 24 Grad und Sonne, erklärt er. „Aber man klagt hier auf hohem Niveau“, lacht er dann. Schlecht fürs Geschäft sei ein jähes Ende einer Schönwetterperiode. „Dann geht es von Hundert auf Null.“

Während Toscani die nächste Bestellung herrichtet: zwei Bananensplit und ein Spaghetti-Eis (alle jeweils mit Vanilleeis natürlich), wird deutlich, warum Toscani so viel über das Eisgeschäft zu erzählen weiß: An der Wand hängen alte Fotografien – schon in vierter Generation bereitet und verkauft seine Familie echt italienisches Eis. Sogar Günter Grass habe bei seinen Großeltern Eis gegessen, damals in Danzig. Das sei belegt in „Hundejahre“, auch wenn der Literat den Namen der Toscanis fälschlicherweise mit „k“ geschrieben habe. „Aber“, meint Toscani leutselig, „niemand ist perfekt.“ Und er bietet eine Kugel zur Kostprobe an – Vanilleeis.

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