Blickpunkt der Woche
Gleiche Chancen – gleiche Pflichten

Mit einem bunten Programm ist am Montag in der Dinkelstadt die „Kulturelle Woche“ gestartet. Das Engagement verdient Lob. Aber: Solange es solcher Veranstaltungen und eines Integrationsbeauftragten bedarf, ist die Situation noch nicht optimal.

Samstag, 28.09.2013, 09:18 Uhr
Veröffentlicht: Samstag, 28.09.2013, 09:18 Uhr

Mit einem bunten Programm ist am Montag in der Dinkelstadt die „Kulturelle Woche“ gestartet. Engagiert haben sich federführend Ahmet Sezer (Integrationsbeauftragter der Stadt), Annette Bretall (Diakonie) und Semra Mestan (Jugendmigrationsdienst) darum gekümmert. Dafür haben sie ein großes Lob verdient.

Klar ist aber auch: Solange es solcher Veranstaltungen und eines Integrationsbeauftragten bedarf, ist die Situation noch nicht optimal. Erst wenn das Mitein­ander verschiedener Kulturen selbstverständlich ist, hat Ahmet Sezer seine Mission erfüllt.

Dass Gronau in Sachen Integration auf einem guten Weg ist, wurde bei der Podiumsdiskussion im Stadtteilzentrum „GroW“ deutlich. Salim Cakmak vom Verein Austausch & Integration sagte sogar, seiner Meinung nach gebe es in der Stadt alles, was für eine gelingende Integration nötig sei. Auch herrschte mehrheitlich die Meinung vor, dass bei allem Respekt und bei aller Toleranz Grenzen für alle gelten müssen. Egal ob Christ oder Moslem – über allen heiligen Büchern steht in Deutschland das Grundgesetz. So bekommt die Vielfalt einen verbindlichen Rahmen, an dem sich alle orientieren können. Ein gutes Signal aus einer Gruppe von Gronauern, in der zahlreiche Nationalitäten vertreten waren.

Doch neben positiven Beispielen kamen auch Probleme auf den Tisch: Auch in Gronau gebe es Fälle von Zwangsehen, berichtete eine Dame aus dem Auditorium. Und das Festhalten an der Gutscheinpraxis (die bekommen Asylbewerber statt Bargeld) sei alles andere als ein Willkommenssignal der Stadt, beklagte Flüchtlingsberaterin Marlies Imping. Zwei exemplarische Beispiele, die den weiteren Weg weisen: Einerseits müssen die Poahlbürger einsehen, dass Deutschland – und mithin ihre Stadt – längst ein Einwanderungsland ist. Alle Versuche der Abschottung und Abgrenzung sind daher von vornherein zum Scheitern verurteilt. Wer sich einigelt, schafft damit eher neue Probleme, statt bestehende zu lösen. Hier setzt auch das Motto der „Interkulturellen Woche“ an: „Wer offen ist, kann mehr erleben.“

Andererseits sind auch die Migranten gefordert: Sie müssen auch Teil dieser deutschen Gesellschaft werden wollen. Dazu gehört vor allem, Deutsch zu lernen – denn die Sprache ist der Schlüssel zur Integration. Überhaupt, das wurde auch in der Diskussion deutlich, kann Bildung helfen. Aber gerade in diesem Bereich hat Deutschland und hat Gronau noch eine Menge zu tun. Eine Reihe von Gesprächsteilnehmern konnten von eigenen bitteren Erfahrungen berichten, dass ihre Schulabschlüsse, die sie aus dem Ausland mitbrachten, in Deutschland nicht anerkannt wurden. Und umgekehrt beklagte Ulrich Fuhrmann, der sich lange in der Beratung ausländischer Schüler und ihrer Eltern engagiert hat, dass jene Schüler aufgrund mangelnder Sprachförderung regelrecht von höherer Schulbildung abgeschnitten werden.

Fazit: Wer aus einem anderen Land nach Deutschland kommt und hier leben will, ist in der Pflicht, Angebote und Chancen zu ergreifen, die ihm bei der Integration helfen. Aber die aufnehmende Gesellschaft muss ihnen diese Chancen auch geben und auf Restriktionen und Stigmatisierungen verzichten.

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