„Interkulturelle Woche“
Von der Vielfalt und ihren Grenzen

Gronau -

Am Ende standen drei Erkenntnisse: Bildung ist fast immer der Schlüssel zur Problemlösung. Die Politik ist in der Pflicht, für gute Rahmenbedingungen zu sorgen. Und Migranten in Gronau müssen Chancen, die ihnen in der Stadt geboten werden, auch nutzen.

Donnerstag, 26.09.2013, 09:09 Uhr

Begonnen hatte die Diskussion, die zu diesem Fazit führte, rund zwei Stunden zuvor mit der Frage: „Was ist an der Vielfalt in Gronau positiv und wo kommt sie an ihre Grenzen?“

Gestellt hatte diese Frage Christiane Nitsche. Die Journalistin moderierte die Diskussionsrunde im Stadtteilzentrum „GroW“, zu der die Initiatoren der „Interkulturellen Woche“ eingeladen hatten. Auf dem „Podium“ diskutieren mit: Suat Dal (Kurdische Elterninitiative Gronau), Futrus Bisso (aramäische Gruppe), Marlies Imping (Flüchtlingsberatung des Caritasverbandes), Annegret Lemken (Migrationsberatung des Caritasverbandes), Mümtaz Simsek (Türkischer Arbeitnehmer Kulturverein), Ulrich Fuhrmann (Beratungsstelle für ausländische Schüler und Eltern) und Salim Cakmak (Verein Austausch und Integration).

Doch auch das bunt gemischte, vielköpfige Auditorium schaltete sich schon bald in die Debatte ein, sodass es ein lebhafter Abend wurde. Positive Beispiele für die Integration von Migranten trugen die Mitglieder der Runde flugs zusammen: Suat Dal erwähnte etwa, dass jüngst bei einem Elternsprechtag die Ausländer in der Mehrheit gewesen seien, obwohl es das Vorurteil gäbe, sie brächten sich in den Schulen ihrer Kinder zu wenig ein.

Und Bürgermeisterin Sonja Jürgens, die die Debatte mit einem Grußwort eröffnet hatte, erzählte von Besuchen bei Unternehmern: „Da wird zunehmend deutlich, dass junge Leute mit Migrationsgeschichte und entsprechender Sprachkompetenz gefragte Mitarbeiter sind.“

Doch bald kamen auch problembehaftete Themen zur Sprache: Aus dem Auditorium berichtete zum Beispiel eine Frau von jungen Migrantinnen in Gronau, deren schulische Ausbildung aufgrund einer Zwangsheirat abgebrochen worden sei. Und Marlies Imping beklagte, dass die Stadt Gronau immer noch an der Praxis festhalte, an Asylbewerber kein Bargeld auszugeben, sondern Gutscheine.

Wohlfeile Stammtisch-Lösungen wurden aber nicht in den Raum gestellt. Mal kristallisierten sich die Wurzeln für Probleme bei der deutschen Gesellschaft heraus, mal wurden die Migranten selbst in die Verantwortung genommen. So berichtete Futrus Bisso zum Beispiel von der negativen Erfahrung, dass in Deutschland sein Abitur nicht anerkannt wurde, als er mit 17 als Flüchtling ins Land kam. Und Ulrich Fuhrmann beklagte, dass Kinder, die als sogenannte Quereinsteiger nach Deutschland kommen, in Gronau oft nicht adäquat beschult werden. Annegret Lemken pflichtete ihm lebhaft bei.

Mümtaz Simsek attestierte „seinen Leuten“ wiederum, dass ihnen oft der „lange Atem“ fehle, um ihre Kinder ausreichend zu fördern. Und Salim Cakmak konstatierte schließlich, es fehle für eine Integration in Gronau an nichts, die Angebote müssten nur besser genutzt werden.

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