13. Gronauer Erbrechtstage: Ehegattentestament am ersten Abend im Fokus
„Selten zu früh, oft aber zu spät“

Gronau -

Im 13. Jahr gibt es inzwischen die „Gronauer Erbrechtstage“ – und sie haben von ihrer Anziehungskraft offenbar nichts eingebüßt: Mehr als 100 Zuhörer hieß Sparkassen-Vorstandsvorsitzender Wilfried Hammans am Dienstagabend im Foyer der Sparkasse zum ersten Vortrag willkommen. „Ist das Berliner Testament noch zeitgemäß?“ hatte Dr. Gabriele Müller ihren Vortrag überschrieben.

Donnerstag, 07.11.2013, 10:11 Uhr

Anschaulich, informativ, praxisnah und dabei durchaus kurzweilig bahnte die Rechtsanwältin und Referatsleiterin am Deutschen Notarinstitut Würzburg in einem rund 60-minütigen Vortrag den Gästen einen Pfad durch den Dschungel des Erbrechts.

Warum überhaupt ein Testament errichten? Was haben Ehegatten zu berücksichtigen, wenn sie ihre Erbfolge regeln wollen? Welche Formen und welche Gestaltungsmöglichkeiten eines Testamentes gibt es? Fragen wie diese, aber auch Stichworte wie „Pflichtteilsrecht“ oder steuerliche Aspekte standen im Mittelpunkt.

Das privatschriftliche Testament stelle zwar, so Müller , eine schnelle und auf den ersten Blick unkomplizierte Lösung ohne Kosten und mit jederzeitiger Möglichkeit der Veränderung dar. Es berge aber auch viele Fallstricke – von der Nichtigkeit aufgrund von Formfehlern über die Gefahr einer zu weitreichenden Bindung bis hin zu Verlust oder der Möglichkeit zur Fälschung. Zudem sei im Fall eines solchen Testaments zur Nachlassabwicklung später ein Erbschein erforderlich, der auch mit Kosten verbunden sei.

Demgegenüber biete eine notarielle Beurkundung viele Vorteile – von der umfassenden Beratung über die Hilfe bei juristisch exakten Formulierungen bis hin zur Prüfung und Feststellung der Testierfähigkeit der Erblasser. Auch die Gefahr einer Fälschung oder Unterdrückung (Verschwindenlassen) des Testaments sei hier ausgeschlossen. Was sich wie eine Werbung für Notare anhöre, sei die Erfahrung aus der Praxis, die in Form komplizierter Erb-Fälle aus den Kanzleien von Kollegen täglich auf ihrem Schreibtisch landeten, so Müller.

Das „Berliner Testament“, in dem sich Ehegatten gegenseitig als Erben einsetzen, sei aktuell die häufigste Form, die Hinterlassenschaft zu regeln. Für „kleine und mittlere Vermögen“ von Ehepartnern und Partnern sei das durchaus eine gute Lösung, bei der aber auch manches zu bedenken sei: Die Frage etwa, ob auch schon eine Erbregelung für den Fall des Todes des zuletzt hinterbliebenen Partners getroffen werden soll. An die seien beide Partner dann gebunden, auch auf die Gefahr hin, dass der überlebende Partner später – aus gutem Grund – eine andere Regelung für sinnvoller halte. Müller nannte als Beispiel den Fall, dass alle Kinder gleichberechtigt als Erben eingesetzt worden seien, sich dann aber ein Kind besonders aufopferungsvoll um den zuletzt lebenden Elternteil kümmere. „Sie wissen nicht, wie sich Abkömmlinge entwickeln – da reicht schon eine falsche Schwiegertochter oder ein falscher Schwiegersohn“, so Müllers lebensnahe Feststellung. Deshalb sei es sinnvoll, dem überlebenden Partner im Testament noch Bewegungsspielraum zu lassen.

Auch habe das „Berliner Testament“ unter Umständen steuerliche Nachteile: „So etwa aber einer Millionen Euro“ (Müller), sei es sinnvoll, mit Rechtsanwalt und/oder Steuerberater über besondere Aspekte und Regelungen zu sprechen, weil ansonsten Freibeträge möglicherweise verschenkt würden und Hinterlassenschaften unter Umständen sogar mehrfach versteuert werden müssten.

Müller streifte in ihrem Vortrag auch komplizierte Testaments-Variationen wie die Trennungslösung, bei der es etwa darum gehe, die eigenen Kinder aus einer ersten Partnerschaft auch für den Fall zu bedenken, dass Erblasser beispielsweise noch im fortgeschrittenen Alter eine neue Partnerschaft eingehen. Der neue Partner werde dann „Vorerbe“, die Kinder zu „Endbedachten“. „Ein sehr kompliziertes Modell“, so Müller, von dem bis auf wenige spezielle Fälle abzuraten sei.

Und schließlich gebe es noch das sogenannte Nießbrauchvermächtnis. Hier habe der überlebende Partner einer Gemeinschaft nur ein Nießbrauchsrecht, könne aber nicht über das Vermögen verfügen, das vielmehr den Kindern zukomme.

„Eigentlich müsste man. . .“, sei ein Satz, den sie in der Folge der Erbrechtstage häufig höre, betonte Rechtsanwältin und Notarin Felizita Söbbeke , die mit der Sparkasse die Erbrechtstage initiiert hat. „Wir wollen Impulsgeber sein, sich mit dem eigenen Ende auseinanderzusetzen“, so Söbbeke, wohlwissend, dass das ein unangenehmes Thema sei.

Sich mit dem Testament zu beschäftigen, geschehe „selten zu früh, oft aber zu spät“, wie Petra Raad, Vorsitzende des Verwaltungsrates der Sparkasse deutlich machte. Denn, so Raad weiter: „Jeder Tag ist ein Tag, der von unserem Lebenszeitkonto abgebucht wird. Und keiner weiß, wie das Guthaben auf diesem Konto noch aussieht.“

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