Vortrags- und Lesereihe „Willkommen in Gronau“ offenbarte überraschende Erkenntnisse
Sprache ist das Wichtigste

Gronau -

„Willkommen in Gronau“ lautet der Titel einer drei Abende umfassenden Vortrags- und Lesereihe des interkulturellen Vereins „Austausch und Integration“. Ein intensiver Meinungsaustausch kam dabei vor allem an einem Lesungsabend zustande. Dabei standen aber nicht die Gedichte und Kurzgeschichten des Autors Bahattin Gemici im Fokus, sondern seine persönlichen Erlebnisse in seiner neuen Heimat im Ruhrrevier.

Dienstag, 21.01.2014, 12:01 Uhr

„Die Besucher erfuhren von Vorkommnissen, die in der Bildungs- und Begegnungslandschaft der Grenzstadt niemals vorkamen und auch undenkbar sind“, heißt es in einem Bericht zu der Veranstaltung. Engagiert äußerten sich die Diskussionsteilnehmer (mit Migrationshintergrund) zu ihrem positiv erlebten „Willkommen in Gronau “, das diametral zu den Schilderungen des türkischen Lehrers aus dem Ruhrrevier stand.

Vertreter von Kitas und allen Schulsystemen und der VHS waren als kompetente „Zeitzeugen“ in der Stadtbücherei vertreten. „Sie alle wunderten sich, wieso in Gronau alles viel besser ist“, heißt es weiter. Undenkbar, dass wegen sprachlicher Belange und dem konstruktiven Engagement eines türkischen Vaters als Antwort des Schulleiters ein Hausverbot ausgesprochen wird.

In Erinnerung gerufen wurde – weil ein Gast gerade auf diese Zeit einging –, dass städtische VHS-Kurse speziell für türkische Textilarbeiter in Kooperation mit Betriebsräten bei Eilermark, BSG und van Delden in den frühen 70er-Jahren bereits selbstverständlich waren.

Heute sind sich alle einig: Sprache ist das Wichtigste. Das könnte als eine grundlegende Erkenntnis zu den ersten beiden Veranstaltungen der Reihe bemerkt werden. Nachdem Deutschland Einwanderungsland wurde, unterstützt die Bundesregierung sogar Vorintegrationsprojekte an über 20 Orten in der Türkei. Sozialarbeiter und Berater informieren über Deutschland, erfuhren die Besucher vom Projektleiter Dogan Sengül . In Deutschland ist nach wie vor die Meinung verbreitet, dass Ausländer weder ein Interesse daran haben, Deutsch zu lernen, noch sich hier ins gesellschaftliche Leben einzubringen. Mit den Vorintegrationsprojekten passiere genau das Gegenteil: Die Migranten wünschten sich dezidiert Kontakt zu Deutschen außerhalb ihrer Familie.

Die interkulturelle Kompetenz im Gesundheitswesen belegte Dr. Ali Kemal Gün anhand von Zahlen: Danach tragen die Lebensbedingungen von Migranten dazu bei, dass die relativen Krankheitsraten wesentlich höher als bei Einheimischen ausfallen. Auch dort hängt es – wie in allen Lebensbereichen – von einer sachgerechten Kommunikation ab.

Um dies zu erreichen, kooperierten für die Veranstaltungsreihe „Austausch und Integration“, der Integrationsbeauftragte der Stadt, das Begegnungszentrum GroW und die Stadtbücherei.

Der Informations- und Erfahrungsaustausch soll auch in Zukunft fortgesetzt werden.

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