Vergabe von Straßennamen
Bewohner in Prozess einbeziehen

Gronau -

Ein Leitfaden soll künftig Orientierung bei der Benennung und Änderung von Straßen, Wegen und Plätzen in Gronau und Epe bieten. Der Fachausschuss hat das Papier verabschiedet, jetzt muss nur noch der Rat zustimmen.

Donnerstag, 06.03.2014, 18:03 Uhr

Auslöser, die Regeln in eine schriftliche Form zu gießen, war der Streit um die Agnes-Miegel-Straße sowie den Hindenburgring und die Hindenburgstraße. Sowohl Miegel als auch Hindenburg gelten als politisch umstritten. Für nach Hindenburg benannten Straßen liegen aktuell noch Umbenennungsanträge vor. Erste Konsequenz aus dem Leitfaden wird sein, die Anlieger dieser Straßen an dem Prozess zu beteiligen. Sie sollen befragt werden. Das Ergebnis der Abstimmung wird dem Ausschuss vorgelegt, der über das weitere Vorgehen abstimmt. Das letzte Wort hat in jedem Fall der Rat.

Stadtarchivar Gerhard Lippert hatte im Zuge der Diskussion alle Gronauer Straßennamen auf Personen überprüft, die möglicherweise einen nationalsozialistischen Hintergrund haben. „In Frage kommen zunächst jene Persönlichkeiten, deren Biografie zeitlich in die NS-Zeit herein- oder darüber hinausreicht.“ Darunter befänden sich neben Agnes Miegel und Paul von Hindenburg auch August von Mackensen (strittig), aber auch Clemens August Kardinal Graf von Galen (unstrittig) und Irma Sperling (als Opfer), so Lippert. Aus Gronau stammen die Namen Rektor Bremer und Dr. Hendrik van Delden. „Hinsichtlich dieser beiden Personen gibt es nach dem derzeitigen Stand der Erkenntnis keine Belege oder konkrete Hinweise auf eine aktive Teilhabe am Nationalsozialismus (NS-Organisation) oder eine Mitwirkung an diesem zuzuschreibenden Verbrechen, obgleich beide in dieser Zeit beruflich und darüber hinaus Erfolg und Anerkennung auch seitens des NS-Systems verzeichneten“, schreibt Lippert.

Der Leitfaden sieht in seiner Präambel vor, die Straßenbenennung möglichst von der Örtlichkeit, ihrem historischen Hintergrund, von Ereignissen und Personen herzuleiten und die Geschichte, Kultur und die lokalen Eigenheiten der Stadt Gronau zu berücksichtigen.

Bürger und Vereine können Vorschläge unterbreiten. Stadtarchiv und Heimatvereine sollen in das Namensverfahren eingebunden werden.

Eine Benennung nach Personen soll künftig grundsätzlich und in angemessener Frist nach dem Tod des Namensgebers erfolgen. Die historische Bewertung der Persönlichkeit soll geklärt sein. Die Benennung nach Personen, deren Ziele, Handlungen oder Wertvorstellung dem Grundgesetz zuwiderlaufen oder in anderer Weise dem Ansehen der Stadt schaden, ist unzulässig.

Straßennamen sollen möglichst nicht geändert werden, da das für die betroffenen Anwohner eine Belastung darstelle, aber auch für die Verwaltung mit Aufwand verbunden ist. Personenbezogene Umbenennungen können erfolgen, wenn die Benennung einer Persönlichkeit im Nachhinein allgemein schwerwiegende Bedenken auslöst, weil die Person Ziele und Wertvorstellungen verkörpert, die im massiven Widerspruch zu den Grundsätzen sowohl der in ihrer Zeit geltenden Verfassung und Gesetze als auch der heutigen Menschenrechte bzw. der demokratischen Grundordnung steht oder aktiv an Verbrechen bzw. an schwerwiegenden, zur Ehrung eindeutig im Widerspruch stehenden Verfehlungen aktiv beteiligt war. 

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