350 Teilnehmer beim Ostermarsch-Auftakt in Gronau
„Wir mischen uns ein“

Gronau -

Mitten in der Ansprache von Stefan Kubel fiel das Mikrofon aus. Dem Generator, der die Verstärkeranlage antrieb, war der Sprit ausgegangen. Der Gronauer reagierte schlagfertig: „Tja, Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen ist auch problematisch.“ Problematisch wie die Kernkraft, gegen deren Nutzung sich Kubel beim Auftakt des Ostermarsches Rhein-Ruhr am Freitag in Gronau aussprach. Etwa 350 Teilnehmer nahmen an den Kundgebungen und dem Marsch um die Urananreicherungsanlage (UAA) teil. Viele bunte Fahnen – auch zahlreicher politischer Parteien – wehten.

Freitag, 18.04.2014, 16:04 Uhr

Warum sie sich – teils schon seit Jahrzehnten – gegen die Atomkraft engagieren? Da ist einmal die Gefahr für die Gesundheit, die von den radioaktiven und chemisch giftigen Stoffen ausgeht. Doch beim Ostermarsch liegt traditionsgemäß der Schwerpunkt auf dem Thema atomare Abrüstung . Und in der Zentrifugentechnik, mit deren Hilfe das Uran für die Verwendung in Brennstäben angereichert wird, ist auch die weitere Anreicherung möglich, machten mehrere Sprecher deutlich. Eine Anreicherung bis zu einem Wert, der für eine Verwendung in Atomwaffen notwendig ist. „Die UAA gehört damit zu den brisanten, militärischen Atomanlagen, mit der die Bundesrepublik ihren Status als potenzielle Atommacht unterstreicht“, meinte Dirk Seifert ( Robin Wood ).

Sorgen wegen des geplanten Abbaus von Natururan in seinem Heimatland macht sich Anthony Lyamunda. Der Mann aus Tansania gehört zu den Kritikern seiner Regierung, die den Uranabbau zulassen wird – den Umwelt- und Gesundheitsgefahren für die dortige Bevölkerung zum Trotz.

Hannelore Tölken ( Deutsche Friedensgesellschaft ) und Angelika Claussen (Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs) sehen Bundes- und Landesregierung in der Pflicht, die Urananreicherungsanlage rechtssicher stillzulegen.

Thema war auch der mögliche Verkauf der Urenco-Anteile, die derzeit in den Händen des niederländischen und britischen Staats sowie zu je einem Sechstel Eon und der RWE gehören. Durch einen Verkauf drohe das Wissen um die Urananreicherungstechnik noch weiter verbreitet zu werden. Dass Pakistan die Atombombe besitze, sei schließlich durch Betriebsspionage bei der Urenco ermöglicht worden, erinnerte Knubel.

Darüber hinaus sei der Prozess der Urananreicherung – von der Gewinnung über den Transport bis zur Lagerung – mit Risiken verbunden. Abgereichertes Uranhexafluorid und Uranoxid lagere quasi ungeschützt in Fässern an der Anlage. „Offiziell ist es ein Wertstoff, weil das Material vielleicht noch weiterverwendet werden kann. Das ist wie bei uns zu Hause mit der gelben und der grauen Mülltonne . . .“ Man solle endlich diesen Atommüll auch als solchen deklarieren.

Den politischen Druck will die Bewegung aufrechterhalten. „Wir können die Zukunft beeinflussen. Wir mischen uns ein“, sagte Claussen. Und das klang nach einem festen Versprechen.

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