Mai-Kundgebung in Gronau:
„Menschen wieder in den Mittelpunkt stellen“

Gronau -

Für Robert Brandt wäre dieser 1. Mai eigentlich statt des „Tages der Arbeit“ der „Tag der Rente“ gewesen: Sein erster Tag im Rentnerleben.

Donnerstag, 01.05.2014, 13:05 Uhr

Für Robert Brandt wäre dieser 1. Mai eigentlich statt des „Tages der Arbeit“ der „Tag der Rente“ gewesen: Sein erster Tag im Rentnerleben . Dass die Verschiebung des Renteneintrittsalters einen Strich durch diese Rechnung machte, nahm der DGB-Ortsverbandsvorsitzende – nicht nur wegen der eigenen Vita – zum Anlass, eine Lanze für die Rente mit 63 zu brechen. Knapp 70 Funktionäre und Gäste, darunter auch der CDU-Landtagsabgeordnete Bernhard Tenhumberg , folgten am Donnerstag der DGB-Einladung zur Kundgebung auf dem Heuss-Platz, die in diesem Jahr unter dem Motto „Gute Arbeit, Soziales Europa “ stand.

Was es bedeutet, den Arbeitsplatz zu verlieren, machte Mai-Redner Martin Sterneberg deutlich. Am Ende seiner Ausführungen kam der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende der Firma Enrichment Technology Company (ETC) Gronau auf die Entlassung von Mitarbeitern im eigenen Unternehmen und die Schließung des Standortes Gronau zu sprechen. ETC ist ein Gemeinschaftsunternehmen der Konzerne Urenco und Areva und baut Anlagen für die Urananreicherung. „In unserem Geschäftsbereich ist sozusagen die Luft raus“, so Sterneberg unter Hinweis auf schlechte Marktlage und wegbrechende Aufträge, die unter anderem durch die Ereignisse in Fukushima und die Energiewende bedingt seien. Die Folge: „Der ETC-Standort Gronau wird spätestens im März 2015 geschlossen werden.“ Von gut 300 Arbeitsplätzen in 2012 werde es Mitte 2015 keinen mehr geben. Wie bitter das – trotz Sozialplan – für die betroffenen Kollegen sein wird, musste Sterneberg den Teilnehmern der Mai-Kundgebung nicht erklären. Seine Enttäuschung über die unternehmerische Entscheidung verhehlte er nicht: „Alles aus und vorbei. Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen.“

Zuvor hatte Sterneberg in seiner Rede die Begriffe „gute Arbeit“ und „soziales Europa“ beleuchtet. Dabei bezog der Betriebsrat klare Positionen zu Stichworten wie Mindestlohn, Leiharbeit, Werkverträge, Minijobs, Familienpolitik, Stress am Arbeitsplatz, Ausbildung und Rente. „Die Gewerkschaften sind und bleiben das Stärkste, was die Schwachen haben“, rief er der Versammlung zu, unterstrich damit die Bedeutung des Mai-Feiertages und machte sich eine alte Forderung zu eigen: „Die Menschen wieder in den Mittelpunkt der Politik zu stellen.“

Bürgermeisterin Sonja Jürgens betonte in einem Grußwort, dass das, was Arbeitnehmer und Gewerkschaften umtreibe, auch die Kommunen bewege. „Die Frage nach sozialer Gerechtigkeit, nach guter Arbeit und einem sicheren Auskommen für alle, nach einem lebenswerten Umfeld – sie ist zentral für jede Gesellschaft.“ In diesem Kontext seien auch die auf den Weg gebrachten Veränderungen in der Schullandschaft zu sehen, weil Bildung Perspektiven für die Zukunft eröffne. Neben der Entwicklung der Innenstadt ging Jürgens auch auf die Ereignisse im Amtsvenn ein. Musikalisch gestaltet wurde die Veranstaltung vom Duo „Cuppatea“ mit alten und neuen Liedern aus der Arbeiterbewegung.

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