Logopäden aus der Region
„Es geht um adäquate Versorgung“

Ahaus/Kreis Borken -

Die adäquate Versorgung der Patienten und die angemessene Vergütung der eigenen Arbeit standen im Mittelpunkt eines Gesprächs, zu dem sich jetzt Logopädinnen und Logopäden aus dem Kreis Borken, aus Münster und dem Sauerland mit dem CDU-Bundestagsabgeordneten und gesundheitspolitischen Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Jens Spahn, in Ahaus trafen.

Donnerstag, 18.09.2014, 13:09 Uhr

Logopäden aus der Region trafen sich jetzt im Ahaus mit dem CDU-Gesundheitsexperten Jens Spahn (MdB). Im Fokus standen dabei Fragen der Patientenversorgung und der Vergütung logopädischer Leistungen.
Logopäden aus der Region trafen sich jetzt im Ahaus mit dem CDU-Gesundheitsexperten Jens Spahn (MdB). Im Fokus standen dabei Fragen der Patientenversorgung und der Vergütung logopädischer Leistungen. Foto: Klaus Wiedau

Die Logopäden machten dabei deutlich, dass nach ihren Erfahrungen Patienten vielfach noch eine logopädische Behandlung vorenthalten werde, weil Ärzte nach wie vor Regressansprüche infolge von Budget-Überschreitungen bei Verordnungen fürchten. Vor allem Kinder kämen – weil sie Sprachförderung statt Sprachtherapie erhalten – häufig nicht zu der eigentlich für sie adäquaten Behandlungsmethode.

Fehlende Sprach- und Sprachverstehenskompetenz erhöhe jedoch das Risiko, dass die Betroffenen später keinen Beitrag zum Erwerbsleben leisten könnten und auf Sozialversicherungssysteme zurückgreifen müssten. „Können wir uns das leisten?“, fragte Diethild Remmert , Landesverbandsvorsitzende NRW ( WL ) des Deutschen Bundesverbandes für Logopädie.

„Der Regress ist gesetzgeberisch kein Thema mehr“, machte Spahn – er ist Vorsitzender der CDU /CSU-Arbeitsgruppe Gesundheit – deutlich, sagte aber zugleich zu, in dieser Frage erneut Kontakt zur Kassenärztlichen Vereinigung zu suchen.

Weiterer Themenkomplex des Gesprächs war die finanzielle Situation von Logopäden in freien Praxen in Deutschland. Insbesondere kämpfen die Logopäden hier für die bisher in ihrem Fachbereich noch bestehende Bindung von Gebührenerhöhungen an die Grundlohnsumme. Eine Regelung, die vor Jahren eingeführt wurde, um die Kosten im Gesundheitssystem zu deckeln.

Der Berufsstand der Logopäden – der das breite Spektrum der Behandlung von Kleinkindern mit Schluckbeschwerden bis hin zur Arbeit mit betagten Schlaganfall-Patienten abdecke, habe in den letzten zehn Jahren eine Reallohnverlust von fast 30 Prozent hinnehmen müssen, wie Diethild Remmert und ihre Kollegen deutlich machten.

Neben der Therapiezeit am Patienten (45 Minuten) seien inzwischen eine Reihe von vertragsgemäßen Verpflichtungen zu erfüllen – von der inhaltlichen Vor- und Nachbereitung der Therapie bis zum Erstellen von Arztberichten. All das werde aber finanziell nicht berücksichtigt.

Zudem gebe es keine kostendeckende Vergütung bei Hausbesuchen. Und auch die – politisch gewollte – Versorgung von Inklusions- und Integrativkindern in Tageseinrichtungen werde nicht vergütet. Remmert: „Langfristig droht deshalb aufgrund unzureichender Wirtschaftlichkeit eine mangelhafte logopädische Versorgung insbesondere in ländlichen Gegenden.“

Jens Spahn machte deutlich, dass er diesen Punkt in die zurückliegenden Koalitionsverhandlungen eingebracht habe – aber ohne Erfolg. „Lassen sie es uns mit vereinten Kräften jetzt neu versuchen“, sagte er den Logopäden Unterstützung auch in dieser Frage zu.

Die Logopäden gingen am Ende mit Hoffnungen aus dem Gespräch. Den CDU-Gesundheitsexperten erlebten sie dabei, so Diethild Remmert, als „superoffen und für die Themen zugänglich“. Dass er seine Unterstützung in wichtigen Bereichen zugesagt habe, sei erfreulich. Das Engagement der Logopäden in diesen Bereichen sei aber auch kein Selbstzweck. Remmert: „Es geht um die adäquate Versorgung der Patienten.“

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/2749176?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F103%2F150%2F2577582%2F4848779%2F
Greta Thunberg vom „Time Magazine“ zur Person des Jahres gekürt
Klimaaktivistin: Greta Thunberg vom „Time Magazine“ zur Person des Jahres gekürt
Nachrichten-Ticker