Vortrag
Mit drei in den Steinbruch – und mit 30 dann am Ende

Gronau -

Allein 76 Mal ist Benjamin Pütter in Indien gewesen um vor Ort Missstände aufzudecken, zu dokumentieren und – soweit möglich – Hilfe zu leisten. Jetzt referierte er in der Bücherei zum Thema Kinderarbeit.

Mittwoch, 24.09.2014, 17:09 Uhr

„Ist das fair?“ lautete die Frage, die Misereor-Mitarbeiter und Kinderarbeitsexperte Benjamin Pütter seinem Publikum stellte, nachdem er die ersten ergreifenden Bilder von Kindern in unterschiedlichen Arbeitssituationen gezeigt hatte. Die Antwort verstand sich von selbst: Herstellung von Billigprodukten auf Kosten der Schwächsten und Jüngsten dieser Welt kann niemand befürworten.

Allein 76 Mal ist Pütter in Indien gewesen um vor Ort Missstände aufzudecken, zu dokumentieren und – soweit möglich – Hilfe zu leisten. So folgten den einführenden Dokumenten noch viele weitere vom Referenten aufgenommene Bilder und Schilderungen seiner Beobachtungen: Bereits Neugeborene werden in den Siedlungen am Rand der Steinbrüche Indiens dem krank machenden Staub ausgesetzt. Kinder lernen, kaum dass sie sich auf den Beinen halten können, den Umgang mit dem schweren Hammer.

Nicht ausgeheilte Verletzungen durch Arbeitsgeräte, freigesetzte Giftstoffe, die zu tödlich verlaufenden Krankheiten führen, Misshandlungen durch Arbeitgeber, Hilflosigkeit in einer Umgebung, die oft mehr als tausend Kilometer von der Familie entfernt liegt – allesamt dokumentierte Tatsachen aus verschiedenen Ländern, die das Publikum erschütterten. Doch es gab auch positive Nachrichten und Bilder von glücklichen jungen Menschen: von denjenigen, die mit Hilfe der Projekte des Hilfswerkes Misereor aus der Sklaverei befreit, und gerettet wurden und die bis zum erwachsenen Alter betreut werden und so den Teufelskreis von Bildungsarmut und Schwerstarbeit durchbrechen konnten

„Was können wir hier tun?“, lautete die Frage an diesem Vortragsabend, zu dem die Euregio-Volkshochschule gemeinsam mit der Steuerungsgruppe der Fairtrade-Stadt Gronau anlässlich der bundesweiten Fairen Woche eingeladen hatte. Aufklären, informieren, spenden, Produkte bewusst auswählen und auf Siegel achten – so die Handlungsempfehlungen Pütters. Hilfen hierzu bietet zum Beispiel das Informationsmaterial, das über die Steuerungsgruppe zu erhalten ist sowie Hinweise auf der Homepage der Stadt Gronau. Auch Ratgeber wie das Buch „Fair einkaufen – aber wie“, dessen Mitautor Frank Herrmann in der vergangenen Woche ebenfalls in der Stadtbücherei referierte, können dem Einzelnen helfen, einen Beitrag für eine fairere Welt zu leisten.

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