30 Jahre Aramäer-Gemeinde in Gronau
Zuhause in der neuen Heimat

Gronau -

Sie haben ihr Zuhause in der neuen Heimat gefunden: Seit 30 Jahren leben aramäische Familien in Gronau, die aufgrund von Verfolgung ihre angestammte Heimat verlassen mussten. An diesem Wochenende feiert die aramäische Gemeinde das 30-jährige Bestehen in Gronau – mit einem dreitägigen Fest, einer Jubiläumsausstellung, einem Festgottesdienst und einem Kulturabend.

Freitag, 31.10.2014, 07:10 Uhr

Vorbereitungen für das Jubiläum: Im Gemeindesaal wurden in den zurückliegenden Tagen eine Jubiläumsausstellung und eine Kunstausstellung mit Werken von Thekla Kampelmann aufgebaut.
Vorbereitungen für das Jubiläum: Im Gemeindesaal wurden in den zurückliegenden Tagen eine Jubiläumsausstellung und eine Kunstausstellung mit Werken von Thekla Kampelmann aufgebaut. Foto: Klaus Wiedau

als Asylbewerber nach Gronau . 14 Familien wurden damals von der Bevölkerung herzlich aufgenommen und von verschiedenen Institutionen und Patenfamilien tatkräftig im neuen Umfeld unterstützt, wie es in einem geschichtlichen Abriss der Gemeinde heißt.

Dekan Lando Özkaya , damals noch als Pfarrer tätig, kam 1985 in die Stadt und ist bis heute Dekan der syrisch-orthodoxen St. Jesaja-Kirchengemeinde. Zwei Jahre später lebten bereits 42 aramäische Familien in Gronau – die Stadt wurde durch die Nähe zum syrisch-orthodoxen Kloster in Glane zu einem Anziehungspunkt auf deutscher Seite. 1987 entstand der Aramäische Kulturverein „Turo d‘Izlo Suryoye Gronau e.V.“. Ziel der Vereinsarbeit war und ist die Integration, die Pflege von Kultur, Religion und der aramäischen Sprache. In der Folge beteiligten sich die Aramäer an verschiedenen Aktivitäten in Gronau — so zum Beispiel regelmäßig am Tag des Flüchtlings, am Stadtfest und bei sportlichen Veranstaltungen.

Ibrahim Savci zeigt ein Dokument, das im Rahmen der Ausstellung gezeigt wird.

Ibrahim Savci zeigt ein Dokument, das im Rahmen der Ausstellung gezeigt wird. Foto: Klaus Wiedau

Im Jahr 1992, inzwischen war die Gemeinde auf 67 aramäische Familien angewachsen, wurde die Gründung eines Kirchenrats beschlossen, um den Neubau einer Kirche und eines Kulturzentrums zu realisieren. Der Kirchenrat organisiert und koordiniert bis heute ehrenamtlich die Schulung von Messdienern, die Arbeit des Kirchenchores, Gesangwettbewerbe und kulturelle Veranstaltungen.

1994 konnte – nach dem Kauf eines Grundstückes an der Zollstraße – mit der Errichtung des Gemeindesaals begonnen werden, der bis heute für Hochzeits- und Trauerfeiern, Taufen, kulturelle Veranstaltungen und vieles mehr genutzt wird. Nach der Fertigstellung (1995) nahmen die Gemeindemitglieder den Kirchenneubau in Angriff: Am 28. April 1996 weihte seine Eminenz Mor Julius Jeshu Cicek die Kirche St. Jesaja vor mehr als 2000 Gästen aus ganz Europa ein. Im Jahr 2011 schließlich wurde das Kinder- und Jugendzentrum an der Zollstraße fertig gestellt und eröffnet.

Pfarrer Lando Özkaya (Bildmitte, hier der Weihe zum Dekan), kam 1985 in die Stadt.

Pfarrer Lando Özkaya (Bildmitte, hier der Weihe zum Dekan), kam 1985 in die Stadt. Foto: Klaus Wiedau

Heute leben rund 400 aramäische Familien mit etwa 1500 Mitgliedern in Gronau. Durch die schwierige Situation im Nahen Osten ist künftig mit weiterem Zuwachs zu rechnen. Aus Anlass des 30-jährigen Bestehens kann die aramäische Gemeinschaft in Gronau auf zahlreiche Aktivitäten zurückblicken. In den Räumen des Kulturvereins ist neben den kirchlichen Aufgaben auch Raum für Sprach- und Religionsunterricht, um Kindern und Jugendlichen das aramäische Erbe zu vermitteln. Seit 2013 gibt es ein interkulturelles Seniorencafé für Gronauer ab 60 Jahren. Besucherführungen und Informationsabende sorgen für einen regen Austausch mit verschiedenen Bevölkerungsgruppen. So kommen Besuchergruppen aus Gronau und Umgebung, um die syrisch-orthodoxe Kirche zu besichtigen. 2012 fand der Weltgebetstag der Frauen, der in Gronau regelmäßig von verschiedenen Gemeinden zusammen organisiert wird, in der Kirche St. Jesaja statt. Über 400 Gäste vermittelten ein besonderes Gemeinschaftsgefühl.

In den zurückliegenden drei Jahrzehnten hat ein großer Teil der Aramäer die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen. Rund 60 kleine und große Unternehmen wurden durch aramäische Gronauer gegründet und sind bis heute erfolgreich.

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