Cassy Carrington
Gute Miene zum praktischen Präsent

Gronau -

„Herr Cosler, jetzt machen wir es uns richtig gemütlich.“ Gesagt, getan: In kuscheligem Rentierpulli schlappt Pianist Cosler am Samstagabend auf die Bühne in der Studio-Lounge der „Brücke“. Im Schlepptau tänzelt Kollegin Cassy Carrington auf hohen Silberpumps in das dekorative Wohnzimmerambiente mit Plüschsessel und Beistelltischchen.

Montag, 01.12.2014, 14:12 Uhr

Cassy Carrington und Herr Cosler sorgten für vorweihnachtliche Feststimmung.
Cassy Carrington und Herr Cosler sorgten für vorweihnachtliche Feststimmung. Foto: Sitte

Nach einem Schlückchen Eierlikör startet das Duo die angesagte Advents-Show „Im Zweifel mehr Lametta“ mit einer frivol-frechen Adaption auf den bekannten Weihnachtsklassiker „Leise rieselt der Schnee“. Mit lasziver Geste streicht sich Cassy (Travestiekünstler Ralf Rotterdam ) eine Haarsträhne aus dem Gesicht und präsentiert augenzwinkernd ihre Sicht auf das Fest der Liebe und das Leben. Mit einer Mischung aus alten und brandneuen Songs aus eigener Feder begeistern die beiden Künstler das Gronauer Publikum. Cassy-typisch steigt die Diva von der Bühne herab und begibt sich wortwörtlich auf Tuchfühlung mit den Gästen im Saal. Ein nettes Wortgeplänkel, ein schüchterner Augenaufschlag – die Singlefrau Cassy flirtet mit den Herren und fragt die Damen nach dem Geheimnis einer langen Ehe.

Im humorvollen Schlagabtausch mit wortgewandten Gästen zeigt sich, dass Cassy Carrington auch aus dem Stegreif witzig und charmant agiert. „Spontan“ schreibt sie ein Liebesgedicht und widmet es einem männlichen Fan im Saal.

Dass hinter der Kunstfigur Cassy aber noch mehr steckt, verraten ihre Chansons, wenn sie singt: „. . .auf meiner eigenen Bühne im schillernd bunten Licht, steh’ ich stolz und aufrichtig, denn lügen muss ich nicht.“ Ganz anders – aufmüpfig und divenhaft – präsentiert sie sich mit dem „Pärchenlied“ und outet sich als allergisch gegen die traute Zweisamkeit fremden Glücks oder als „Die Nörglerin“. Cassy Carrington weiß um die Selbstzweifel des Alleinseins, wünscht sich „Mehr ist mehr“ und möchte letzten Endes doch nur endlich wieder „Leben spüren“. Dass aus der trauten Kuschel-Atmosphäre auch ein wenig mehr vorweihnachtliche Feststimmung entstehen kann, beweisen Cassy und Herr Cosler nach der Pause: Der Pianist hat den roten Strickpulli gegen einen schicken Anzug eingetauscht und die Lady entlockt im (sehr) kleinen Schwarzen dem Publikum ein anerkennendes Raunen.

So gekleidet schreiten die beiden zur Tat: In einem ausgefallenen Weihnachtsquiz rätseln sich drei Probanden auf der Bühne durch Schätzfragen und Klavierakkorde. In einer vorgezogenen Bescherung tauscht das Künstlerpaar die ersten Geschenke aus, um unter großem Beifall des Publikums gute Miene zum praktischen Präsent zu zeigen: rosafarbene Hausschläppchen für Cassys absatzmüde Füße und eine füllige Haarpracht für Herrn Cosler. Traditionell zum Festakt zückt die Diva eine Blockflöte und piepst sich tapfer durch die Melodie.

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