Trafotransport über Schiene und Straße
Präzisionsarbeit nach Mitternacht

Gronau-Epe -

Als die entscheidenden Momente des Projektes beginnen, stehen die Zeiger der Uhren auf weit nach Mitternacht: Bei klirrender Kälte wird am Bahnübergang Vennstraße ein 280 Tonnen schwerer Transformator von einem Zug für den weiteren Transport auf der Straße auf Schwerlastwagen umgeladen.

Montag, 19.01.2015, 07:01 Uhr

Präzisionsarbeit im Übergang zwischen Schiene und Straße: In einer nächtlichen Großaktion wurde ein 280 Tonnen schwerer Trafo am Bahnübergang Vennstraße von der Schiene auf die Straße umgeladen.
Präzisionsarbeit im Übergang zwischen Schiene und Straße: In einer nächtlichen Großaktion wurde ein 280 Tonnen schwerer Trafo am Bahnübergang Vennstraße von der Schiene auf die Straße umgeladen. Foto: Eckhard Bohn

Als die entscheidenden Momente des Projektes beginnen, stehen die Zeiger der Uhren auf weit nach Mitternacht: Bei klirrender Kälte wird am Bahnübergang Vennstraße ein 280 Tonnen schwerer Transformator von einem Zug für den weiteren Transport auf der Straße auf Schwerlastwagen umgeladen. Eine logistische Herausforderung. Für die Experten der Amprion GmbH und ihre Partner aber Tagesgeschäft – auch wenn es in der Nacht stattfindet.

600 Schienenkilometer hat der Groß-Transformator vorher auf seinem Weg von der Siemens AG in Nürnberg bis Gronau bereits zurückgelegt – auf einem Schienentiefladewagen mit Sondereinrichtungen und 32 Radsätzen. Verantwortlich für den kombinierten Schiene-Straße-Transport ist unter der Regie der Amprion GmbH das Hanauer Spezialunternehmen Daher-HCS.

Der letzte und schwierigste Teil der Reise – die Umsetzung des Transformators von der Schiene auf die Straße – beginnt bereits um 19 Uhr mit vorbereitenden Arbeiten am Bahnübergang Vennstraße: Fahrzeuge, Geräte und Hilfsmittel werden ablaufgerecht beiderseitig der Gleise positioniert, Markierungen für den Umladevorgang aufgetragen. Soweit schon möglich, wird mit Füllsand ein ebener Untergrund für stählernen Tragplatten geschaffen. Mit halbstündiger Verspätung rollt dann der rund 120 Meter lange Trafo-Zug aus Gronau an.

Millimetergenau wird das Schienenfahrzeug auf der markierten Position am Bahnübergang abgestellt – mit kritischen Blicken verfolgen Amprion-Bereichsleiter Dipl.-Ing. Ludger Meier und Leitender Ingenieur Gerd . J. Pröpper die einzelnen Schritte des Manövers.

Die Arbeiten zur Errichtung der rechteckigen Drehscheibe unterhalb des Trafos zeigen schnell, dass hier ein eingespieltes Team zu Werke geht: Der konstruktive Aufbau der Drehscheibe ergibt sich aus mehreren Schichten, wobei zwei polierte Stahlflächen mit Teflonöl die eigentlichen Drehfläche bilden. Mit dem Lot wird exakt die Trafo-Mitte als Drehpunkt ermittelt. Für das Daher-Team alles „kein Problem“: Aufgrund der über 30-jährigen Erfahrung und bei jährlich 30 bis 40 Trafo-Transporten unter unterschiedlichen Voraussetzungen eher eine Routine-Arbeit.

Trotz der Kälte der Nacht verfolgen rund 50 Zaungäste – zum Teil mit Thermoskannen und Kaffeebechern ausgerüstet – das Schauspiel aus der Nähe. Aber auch etliche Eisenbahn-Fans, erkennbar an der professionellen Kameraausrüstung, lassen sich die Aktion nicht entgehen.

Nach Fertigstellung der Drehscheibe – inzwischen ist es 0.30 Uhr – wird der Trafo über die beiden Tragschnäbel des Tiefladewagens hydraulisch abgesenkt. Das nachfolgende „Ausbolzen“, das Lösen der vier Befestigungen, trennt die Verbindung zu den beiden symmetrischen Wagenteilen des Zuges. Jetzt beginnen die Vorbereitungen für die Drehung. Mit Hilfe eines Stahlseiles bewegt ein Lkw den 280-Tonnen-Koloss mühelos Zentimeter um Zentimeter in die für den Weitertransport richtige Position – in einen Winkel von 75 Grad zum Gleis. Um 1.45 Uhr schließlich ist es vollbracht.

Das Anflanschen des Trafos an die beiden bereitgestellten Schwerlast-Lkw geht routiniert vonstatten, am Bahnübergang beginnen die Aufräumarbeiten. Gegen 6.30 Uhr hat der rund 65 Meter lange Tausendfüßler mit seiner kostbaren Fracht bereits die einen Kilometer entfernt liegende Umspannanlage Kottiger Hook erreicht. Eine teure Nacht geht zu Ende. Konkrete Zahlen zu den Kosten der Aktion nennen die Amprion-Vertreter nicht – aber von rund 250 000 Euro Transportkosten könne man ausgehen, so Gerd Pröpper

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