Aufsichtsratsvorsitzender und sein Vize wollen Gesellschaft zukunftsfähig ausbauen
Neue Chance für die „Chance“

Gronau -

Die Aufgabe, die Walter Arends und Erich Schwartze bewältigen möchten, klingt ambitioniert: „Wir wollen aus einer nicht zufriedenstellenden Situation eine zukunftsweisende Idee machen“. Der Aufsichtsratsvorsitzende der Beschäftigungsgesellschaft „Chance“ und sein Stellvertreter haben sich den Umbau der seit mehr als 20 Jahren bestehenden städtischen Tochtergesellschaft auf die Fahnen geschrieben. Das Ziel: das Profil des Unternehmens an die veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen anzupassen und die Gesellschaft nach zwei Jahren mit deutlich negativen Geschäftsergebnissen wieder zu betriebswirtschaftlich positiven Ergebnissen zu führen.

Dienstag, 03.02.2015, 09:02 Uhr

Wollen die städtische Beschäftigungsgesellschaft „Chance“ zukunftsweisend umbauen: Aufsichtsratsvorsitzender Walter Arends (l.) und sein Stellvertreter Erich Schwartze.
Wollen die städtische Beschäftigungsgesellschaft „Chance“ zukunftsweisend umbauen: Aufsichtsratsvorsitzender Walter Arends (l.) und sein Stellvertreter Erich Schwartze. Foto: Klaus Wiedau

Fakt ist, da sind sich Schwartze und Arends einig: „Heute kümmert sich die ,Chance‘ vornehmlich um Menschen, die ein persönliches Beschäftigungshandicap haben – die Bandbreite reicht von der psychischen Erkrankung bis zur Langzeitarbeitslosigkeit. Das erfordert einen hohen Beratungs-, Qualifizierungs- und Betreuungsaufwand, der in den zurückliegenden Jahren zu negativen Betriebsergebnissen geführt hat.“ Parallel dazu gibt es aus Kreisen der Wirtschaft und auch der Politik Kritik, weil die Arbeit als wettbewerbsverzerrender Eingriff in den ersten Arbeitsmarkt wahrgenommen wird. Die Folge ist die Forderung nach Abschaffung der „Chance“.

Genau dieser Forderung – die in der Konsequenz rund 300 sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer treffen würde – erteilen der Aufsichtsratsvorsitzende und sein Vize eine klare Absage. Sie wollen die „Chance“ umbauen: Weg von „Fördern und Fordern“ hin zu einem neuen Leitmotiv: „Wir geben Hilfe zur Selbsthilfe.“ Ihre Forderung: Die „Chance“ und ihre Geschäftszwecke öffnen sich für Menschen, die ein – wie Schwartze es formuliert – „sozusagen soziales Beschäftigungshandicap“ haben. Das sind voll qualifizierte und leistungsbereite Personen – etwa ältere Arbeitnehmer, Menschen mit Migrationshintergrund oder Alleinerziehende. Sie würden gern arbeiten und müssen dies aus wirtschaftlichen Gründen auch tun. Schwartze: „Ihre zeitlichen und persönlichen Rahmenbedingungen erlauben es ihnen aber nicht, sich in die oft engen und wenig flexiblen Wirtschaftsprozesse einzugliedern.“

Hier solle die „Chance“ mit speziellen Angeboten helfen, so Arends und Schwartze. Erfahrungen in diesem Bereich lägen vor, da die „Chance“ schon heute weitgehend auf die Bedürfnisse ihre Mitarbeiter eingehe. „Hier besteht die Gelegenheit, erneut einen visionären Ansatz in die Tat umzusetzen, wie das seinerzeit bei der Gründung der Gesellschaft gelang“, ist sich Schwartze mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden einig.

Konkret sehen der UWG-Politiker und der FDP-Fraktionschef die „Chance“ in ihren Überlegungen als „Konzernmutter“ von sozialen Unternehmen im privaten und im öffentlich/privaten Bereich, die in unterschiedlichen Sparten agieren könnten, sich durch ihr Tun am Ende selbst finanzieren auf lange Sicht sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze bieten können. In einer 13-seitigen Projektbeschreibung (www.chance-gronau.de) listen Arends und Schwartze Betätigungsfelder auf – von der Herstellung vertikaler Windanlagen bis zur (einfachen) Herstellung von LED-Beleuchtungskörpern für den öffentlichen Raum. Das Konzept soll jetzt im Aufsichtsrat weiter diskutiert werden.

Für die Realisierung ihrer Vision sehen die beiden Politiker eine Reihe von Voraussetzungen als unabdingbar an: mehr Transparenz und Controlling von Projekten bei der „Chance“, eine intensivere Zusammenarbeit von Geschäftsleitung und Aufsichtsrat, eine stärkere regionale Ausrichtung unter Einbeziehung des niederländischen Arbeitsmarktes und der wissenschaftlichen Kapazitäten bei den niederländischen Lehreinrichtungen der Region.

Schwartze: „Wir sollten die Chance ergreifen, ganz neue Wege zu gehen.“ Arends ergänzt: „Ich sehe die Möglichkeit, all das in Gronau umzusetzen, weil hier Potenzial brachliegt.“

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