Bauausschuss-Entscheidung:
„Juwel“ ist „kein Denkmal“

Gronau -

Das Votum des Ausschusses für Planen, Bauen und Denkmalschutz war eindeutig: Einstimmig lehnten die Mitglieder am Mittwochabend einen Antrag von „Pro Bürgerschaft/Piraten“ auf vorläufige Unterschutzstellung des Rathauses mit dem Ziel der Eintragung in die Denkmalliste der Stadt ab.

Freitag, 06.02.2015, 07:02 Uhr

Wenn der Schnee gnädig einige „Macken“ verdeckt, liegt es fast idyllisch da: das Gronauer Rathaus. Ein Denkmal ist es nach Auffassung der Politiker trotzdem nicht.
Wenn der Schnee gnädig einige „Macken“ verdeckt, liegt es fast idyllisch da: das Gronauer Rathaus. Ein Denkmal ist es nach Auffassung der Politiker trotzdem nicht. Foto: Klaus Wiedau

Das Votum des Ausschusses für Planen, Bauen und Denkmalschutz war eindeutig: Einstimmig lehnten die Mitglieder am Mittwochabend einen Antrag von „Pro Bürgerschaft/Piraten“ auf vorläufige Unterschutzstellung des Rathauses mit dem Ziel der Eintragung in die Denkmalliste der Stadt ab. Auch die Variante, den Antrag zurückzustellen, bis eine gutachterliche Stellungnahme des Landschaftsverbandes über die Denkmaleigenschaften des Rathauses vorliegt, wurde abgeschmettert.

Herbert Krause („Pro Bürgerschaft/Piraten“) hatte zuvor seinen Antrag begründet. Gronau habe architektonisch wenig, was das Auge auf sich ziehe. Das 1976 bezogene Rathaus sei, „dank besonderer Formgebung, gelungener Harmonie und gelungener Sprache der Architektur“ ein solches Objekt. „Ein Juwel und der Bürgerstolz der damaligen Zeit“, wie Krause es nannte. „Das Rathaus ist – wie der Wasserturm – identitätsstiftend.“ „Denkmalschutz“, bediente sich Krause eines Zitates des renommierten Denkmalschützers und langjährigen Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, Gottfried Kiesow , „ist der Dank an die Vergangenheit, die Freude an der Gegenwart und unser Geschenk an die Zukunft.“

Für die von der Verwaltung empfohlene Ablehnung einer vorläufigen Unterschutzstellung „fehlt uns das Verständnis“, so Krause, schließlich sei die Stadt untere Denkmalbehörde. Bei einer Ablehnung bleibe die kommunale Selbstverwaltung auf der Strecke.

„Das Rathaus ist aus unserer Sicht kein Denkmal“, so Jörg von Borczyskowski. Und: „Wenn wir der Auffassung wären, es sei ein Denkmal, hätten wir die Pflicht, es in die Denkmalliste einzutragen“, argumentierte der UWG-Sprecher wie zuvor bereits Stadtbaurat Frank Vetter. Dann gehe es nicht mehr um eine vorläufige Unterschutzstellung. Im Übrigen, so von Borczyskowski, sei es ein Anachronismus, einen Rathaus-Neubau zu beschließen, damit den Leerstand des Altbaus in Kauf zu nehmen und es gleichzeitig zum Denkmal zu machen. „Wir waren nie euphorisch, was das Wort Denkmal für dieses Haus betrifft“, sprach sich Wilhelm Schultewolter (CDU) ebenfalls gegen eine vorläufige Unterschutzstellung aus. Die würde im Übrigen die Stadt bei allen weiteren Planungen und selbst bei möglichen Überlegungen für einen Umbau oder Ausbau „extrem einengen“.

Als „kontraproduktiv“ sah auch Ulrich Brügger (SPD) den Krause-Antrag an. Das Rathaus sei in der jetzigen Form nicht tragbar, eine vorläufige Unterschutzstellung jede weitere Planung hemmen, zumal das Rathaus auch bei der Innenstadt-Entwicklung eine Rolle spiele. Am Ende wurde der Krause-Antrag abgelehnt. Wie es in der Sache weitergeht, hängt jetzt von einer denkmalfachlichen Bewertung des Rathauses ab. Diese Expertise des Landschaftsverbandes (LWL) ist in Arbeit und soll im April/Mai vorliegen.

Vertritt der LWL die Auffassung, dass es sich um ein Denkmal handelt, muss die Stadt über eine Eintragung in die Denkmalliste entscheiden – hat dabei aber keinen Spielraum, weil es sich um eine sogenannte gebundene Entscheidung handelt, da den Denkmalbehörden vom Land in dieser Frage kein Spielraum eingeräumt wird. Bestreitet die Stadt, dass das Rathaus ein Denkmal ist, muss diese Ansicht dem LWL gegenüber fachlich begründet werden. Fachleute sehen darin eine nur schwer zu nehmende Hürde. Gibt sich der LWL mit der ablehnenden Begründung der Stadt nicht zufrieden, trifft als letzte Instanz die oberste Denkmalbehörde – das NRW-Bauministerium – die endgültige Entscheidung. 

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3051076?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F103%2F150%2F4848763%2F4848774%2F
Tipps für den stressfreien Weihnachtsmarkt-Besuch
Die Linien 11, 12, 13 und 22 fahren direkt zum Weihnachtsmarkt am Aegidiimarkt, von wo aus auch die Einkaufsstraßen der Innenstadt gut erreichbar sind.
Nachrichten-Ticker