Altweiber übernehmen die Macht im Rathaus
Mausefalle ist zugeschnappt

Gronau -

Der stellvertretende Bürgermeister zeigte sich bockig. Nee, sagte Rainer Doet­kotte, er denke gar nicht daran, den Rathausschlüssel abzugeben. Das käme überhaupt nicht in Frage. Diese Aussage brachte ihm zwar ein wenig Beifall der anwesenden Männer ein – von den Frauen jedoch kräftige Buhrufe. Auf Ihre Lieblichkeit Samantha I. machte die Ziererei des städtischen Würdenträgers überhaupt keinen Eindruck: Resolut forderte sie den überdimensionalen Schlüssel ein. Der war – wie man der Inschrift entnehmen konnte – ja sowieso eine Sonderanfertigung für sie und ihren Prinzen Marco. Ruckzuck überwand sie mit Charme, Küsschen und Karnevalsorden den Widerstand Rainers, der sich letztendlich in sein Schicksal ergab. Und sich sogar seine schicke Krawatte abschnippeln ließ. „Kann ich mir endlich eine neue kaufen. . .“, gewann er dem Akt noch was Positives ab.

Freitag, 13.02.2015, 09:02 Uhr

Die Würdenträger der Karnevalsvereine, das närrische Dreigestirn und stellvertretender Bürgermeister Rainer Doetkotte mit dem Rathausschlüssel in der Hand. Wenig später musste er ihn an Stadtprinzessin Samantha I. übergeben. Da half kein Widerspruch
Die Würdenträger der Karnevalsvereine, das närrische Dreigestirn und stellvertretender Bürgermeister Rainer Doetkotte mit dem Rathausschlüssel in der Hand. Wenig später musste er ihn an Stadtprinzessin Samantha I. übergeben. Da half kein Widerspruch Foto: Martin Borck

Die Szenen, die sich am Altweiber-Donnerstag im bunt geschmückten Rathaus abspielten, ließen an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: Der Karneval hat Einzug gehalten in Gronau. Aber sowas von!

„Ja, heute ist es soweit, endlich gekommen ist die Zeit, in der wir, damit meine ich uns Frauen, einmal richtig auf den Putz können hauen,“ dichtete Samantha .

Das Rathaus fungierte als überdimensionale Mausefalle , in dem es sich die Mäuse jedoch sehr gut gehen ließen. „Luftanlage grundsaniert, alle Mängel repariert, fehlt nur noch der Frühjahrsputz, kommen kann der Denkmalschutz“, spotteten Mitarbeiterinnen über die Pläne, das Gebäude unter Denkmalschutz zu stellen.

Auch der stellvertretende Bürgermeister konstatierte: „Die Mäuse tanzen schon mit tierisch guter Kondition auf Tischen und auf Bänken, abgeschaltet ist das Denken. Das Narrenvolk kann‘s nicht erwarten, bis wir die Tollen Tage starten.“

Aber dieser Satz war da schon überholt: Schließlich waren die „Tollen Tage“ längst Fakt und die Mausefall‘ schon zugeschnappt. Die Garden und Tänzerinnen der Narrengilde sowie der Karnevalsfreunde Grün-Weiß wirbelten durch das Rathaus-Foyer, ließen die Beine fliegen und machten den Offiziellen der Vereine unter ihren Präsidenten Gustav Salomon (GNG) und Werner Nürnberger (KFG) alle Ehre. Auch die Eper Bachusjünger mit ihrem Präsidenten Rainer Reimer sowie „Hinnerk“ Denis Kollbach hatten offensichtlich Spass. Und zwar mit Doppel-S.

Werner Bajorath, Vorsitzender des Bürgerausschusses Karneval, dankte schließlich allen, die zum Gelingen der närrischen Aktion im Rathaus beigetragen hatten.

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