30 Jugendliche verschiedener Herkunft entwickeln Musical-Projekt
Kulturen-Express Gronau

Gronau -

Andreas Sokira stammt aus Kasachstan. 1994 kam er nach Gronau – im Alter von neun Jahren. „Und die Geschichte vom gelobten, goldenen Land stimmte einfach nicht“, fasst er seine ersten Eindrücke zusammen. Heute sind das für den inzwischen in Münster lebenden Rotationsdrucker „wichtige Erinnerungen“. Im Jugendzentrum „Luise“ berichtete er von seinen Erfahrungen – und gut 20 weitere junge Leute hörten zu. „Genauso muss und sollte es sein“, freut sich Gandhi Chihane. Er ist Regisseur im Projekt „Kulturen-Express Gronau“ und hat die künstlerische Gesamtleitung.

Mittwoch, 04.03.2015, 17:03 Uhr

Erzählungen und Erlebnisse sind wichtiger Bestandteil im Projekt „Kulturen-Express“. Andreas Sokira (Mitte) berichtet von seinen ersten Eindrücken in einem neuen Land, Gandhi Chihane (vorne) moderierte die kurze „Talk-Runde“.
Erzählungen und Erlebnisse sind wichtiger Bestandteil im Projekt „Kulturen-Express“. Andreas Sokira (Mitte) berichtet von seinen ersten Eindrücken in einem neuen Land, Gandhi Chihane (vorne) moderierte die kurze „Talk-Runde“. Foto: Erhard Kurlemann

Sokira , Onkel eines der Projekt-Teilnehmer, hat seine Erlebnisse in einem Song „als eine Form der Verarbeitung“ aufgeschrieben. Weil das schon acht oder neun Jahre her ist, bekommt er das Lied nicht mehr komplett auf die Reihe. Trotzdem kommt die Botschaft an: „Man muss die Chancen in einem neuen Land ausloten und beim Schopfe greifen“, sagt er und bekennt, dass er dieses erst nach einigen Umwegen begriffen habe.

Ein erstes Ziel wird der Express am 15. März (Sonntag) erreichen. Um 18.30 Uhr wird das im Projekt entstandene Musical im Rock‘n Pop Museum aufgeführt.

Geschichten sollten erzählt werden – ob als Song, in einem Tanz, einer Theaterszene oder als Musical, entschieden die Jugendlichen. „Oft gibt es eine Sprachlosigkeit in den Familien“, hat Dirk Schubert festgestellt, der als Projektentwickler für das freie Institut „Heurekanet“ in Münster arbeitet. Gemeinsam mit dem für seine jugendkulturelle Arbeit ausgezeichneten Regisseur Chahine hat er in den vergangenen Jahren mehrere Modellprojekte entwickelt, die Integrationsthemen aufgreifen und die gesellschaftliche Teilhabe von jungen Menschen fördern. „Schauspiel, Musical oder Tanz eignen sich besonders als Transportmittel für schwierige Themen“, berichtet Schubert aus seinen Erfahrungen. Gleichzeitig geht ein Dank an die Stadt für die „tolle Unterstützung“.

Zwei Erkenntnisse hat das Projekt zudem gebracht, hebt Schubert hervor: „Die jeweilige Herkunftskultur ist weit weg, weil sie für die Alltagsrealität keine Rolle spielt“. Gleichwohl finde aber eine Auseinandersetzung damit statt, ausgelöst durch Erlebnisse und den Austausch darüber.

„Der Kulturen-Express ist somit auch ein Stück Forschung in der eigenen Familiengeschichte“, betont Chahine, der die Workshops zu den Themen Tanz, Schauspiel und Musik geleitet hat. Diese „kleinen privaten Geschichten, die jeweils das Leben schreibt“, empfinden viele Jugendliche als gegenseitige Bereicherung. „Das geht weiter: Auch für die Einwanderung in ein Land ist wichtig, welche Kompetenzen die Menschen für die neue Gesellschaft mitbringen“.

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