„Kulturen-Express Gronau“: Ein Plädoyer für Toleranz
Wie sieht ein Deutscher aus?

Gronau -

Ein starkes Plädoyer für Toleranz und Freundschaft: Mit der Premiere eines Musicals endete das Projekt des „Kulturen-Express Gronau“ am Sonntagabend im Rock’n’Pop-Museum. Die jungen Akteure zwischen zehn und 18 Jahren hatten nicht nur eine Botschaft im Gepäck, sondern erstaunten mit ungeahnten Talenten ihr Publikum.

Dienstag, 17.03.2015, 08:03 Uhr

Die Mitwirkenden am „Kulturen-Express“ verbreiteten eine Botschaft für Toleranz und Freundschaft.
Die Mitwirkenden am „Kulturen-Express“ verbreiteten eine Botschaft für Toleranz und Freundschaft. Foto: Sabine Sitte

„Noch kurz vor dem Auftritt wollten einige alles hinschmeißen“, lächelt Ghandi Chahine. „Aber sie haben ihre Ängste überwunden und sind auf diese Bühne gestiegen“. Der künstlerische Leiter des Projektes ist erleichtert und stolz: Vier Monate haben er und seine Teamkollegen mit 30 Jugendlichen der Anne-Frank- Schule und der Fridtjof-Nansen-Realschule auf diese Aufführung hingearbeitet. „Migration und Herkunftskultur“ - der rote Faden des Musicals findet sich in Rap-Songs, Sketchen und Tänzen wieder.

„Ich muss was tun“, schallt lauter Hip-Hop durch den Saal: „. . . ich weiß was ich kann, das Schicksal in der Hand . . .“ Die Songs und Texte haben die Jugendlichen in den Workshops Musik, Tanz und Schauspiel selbst entwickelt. Sie erzählen von Klischees und Ängsten, die Menschen aus anderen Kulturen, aus anderen Ländern hier in Deutschland entgegenschlägt.

„Wie sieht ein Deutscher aus?“, fragen sich vier Jungen am Tisch auf der Bühne. Geboren sind sie alle in diesem Land, doch ihre Eltern stammen aus Kasachstan, der Türkei, aus Tunesien und den Niederlanden. Die Jugendlichen sind tief eingetaucht in die Geschichten ihrer Familien und stehen nun im Rampenlicht, um davon zu erzählen: Vom Vater, der in Tunesien promoviert hat und in Deutschland ein erfolgreicher Musiker ist – „Ich bin stolz auf meinen Vater und ich liebe ihn!“

Von den Urgroßvätern, die im Zweiten Weltkrieg bei den Alliierten mitgekämpft haben. Von Müttern, die in der alten Heimat mit 13 die Schule verlassen mussten, um die Familie mitzuernähren.

Doch nicht nur die familiäre Sprachlosigkeit über Herkunft und Kultur des Heimatlandes der Eltern ist durch das Projekt ein Stück weit aufgehoben. Viele Angehörige im Saal staunen über den Mut ihrer Kinder, sich öffentlich zu präsentieren: Der Sohn, der laut aus einem Buch vorliest oder die Tochter, die in einem schnellen Tanz über die Bühne wirbelt. „Wir sehen unsere Kinder nun mit ganz anderen Augen“, sagen sie nach der Aufführung zu Ghandi Chahine und drücken ihm dankbar die Hände.

Ebenso hat das Projekt erstaunliche Talente hervorgebracht: Mit kraftvollen Stimmen singen zwei 14-jährige Mädchen eine Ballade von John Legend , und als wahre Comedians entpuppen sich Katja Diel und Ebru Özdemir. „Auch das ist Anliegen des Konzeptes“, sagt Projektleiter Dirk Schubert. „Wir erkennen das künstlerische Potenzial in den Jugendlichen.“ Nun müsse es weiter gefördert werden, ergänzt Teamkollege Chahine und hofft: „Vielleicht ergibt sich in Zukunft ein weiterführendes Projekt in Gronau.“

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