Stolpersteine für Carl Schmerzenreich-Domke, Elli Domke und Grete Kusber verlegt
Würdigung mutiger Bürger

Gronau -

Mit einem Tuch reibt Günter Demnig über die frisch verlegten Stolpersteine, dann ist seine Arbeit beendet. Die Messingoberfläche der Steine glänzt in der Sonne, die Namen der Geehrten – Carl Schmerzenreich-Domke, Elli Domke und Grete Kusber – sind deutlich zu lesen. Der Künstler tritt in die zweite Reihe, überlässt anderen das Reden.

Donnerstag, 30.04.2015, 08:04 Uhr

Sahin Aydin (l.) und Bürgermeisterin Sonja Jürgens sprachen vor den rund 40 Teilnehmern über die Bedeutung der Stolpersteine. Diese liegen nun im Bürgersteig vor dem Haus Piepenpohlstraße 22.
Sahin Aydin (l.) und Bürgermeisterin Sonja Jürgens sprachen vor den rund 40 Teilnehmern über die Bedeutung der Stolpersteine. Diese liegen nun im Bürgersteig vor dem Haus Piepenpohlstraße 22. Foto: Frank Zimmermann

Diese Gelegenheit ergreift zunächst Sahin Aydin, ehemaliger Gronauer und unter anderem Vorsitzender des deutsch-kurdischen Freundeskreises und ehemaliger Ratsherr in Bottrop. Es ist bereits die zweite Stolperstein-Verlegung, die Aydin in Gronau initiiert hat – und auch diesmal habe er die Initiative mit Freuden übernommen, so Aydin. Dann kommt er auf die Geehrten und ihre Lebensläufe zu sprechen. „Nie wieder Faschismus – nie wieder Krieg“, schließt Aydin seine kurze Rede ab und übergibt dann das Wort an Bürgermeisterin Sonja Jürgens.

Unter den rund 40 Teilnehmern der Veranstaltung begrüßt Jürgens auch Angehörige der drei Geehrten. Carl Domke , seine Frau Elli Domke und Margarethe Kusber seien mutige Widerständler gegen das System der Nationalsozialisten gewesen, betont die Bürgermeisterin. Und am Ende verbeugt sie sich tatsächlich vor den Stolpersteinen und wörtlich vor den Geehrten: „Wir verbeugen uns heute vor Elli und Carl Domke und vor Margarethe Kusber. Es ist wichtig, und ich bin stolz darauf, solch mutige Bürgerinnen und Bürger in unserer Stadt gehabt zu haben.“

Zahlreiche Teilnehmer legten an den Stolpersteinen vor dem Haus Nummer 22 an der Piepenpohlstraße Blumen ab. Mit den drei frisch verlegten gibt es nun insgesamt 46 Stolpersteine in der Stadt, die an Opfer des Nationalsozialismus erinnern. Gelegt wurden sie alle vom Kölner Bildhauer Günter Demnig, der seit den 1990er-Jahren „Stolpersteine – ein Kunstprojekt für Europa“ verlegt.

Zu den geehrten Personen hat der Initiator der Aktion folgende Informationen zusammengetragen: Carl Schmerzenreich-Domke wurde im Jahr 1889 in Lanken (Kreis Flatov) geboren. Seine Frau, Elli Emma Franziska Domke, geborene Dehnecke, wurde im Jahr 1888 in Magdeburg-Neustadt geboren. Ihre Tochter, Grete Kusber (geborene Dehnecke, Jahrgang 1904) erblickte in Berlin das Licht der Welt und kam mit ihrer Familie 1922 nach Gronau. Zunächst arbeitet sie bei Gerrit van Delden als Hausmädchen, später, ab dem Jahre 1924, als Textilarbeiterin. Sie trat im Jahre 1928 in die Kommunistische Partei Deutschlands ( KPD ) ein.

Die Eheleute Domke waren ebenfalls Mitglieder der KPD und der „Rote Hilfe Gronau“. Carl Domke war außerdem Leiter des „Roten Frontkämpfer-Bunds RFB)  Gronau“. Gemeinsam mit seiner Tochter brachte das Paar während der Zeit des Nationalsozialismus etwa acht bis zehn politische Flüchtlinge von Wuppertal nach Holland. Dabei hatten sie den Flüchtlingen auch Unterschlupf gewährt.

Carl Domke wurde von den Nazis in sogenannte Schutzhaft genommen – von März 1933 bis Dezember 1933 in den Konzentrationslagern (KZ) Papenburg und Brauweiler sowie in den Gefängnissen in Gronau und Münster.

Elli Domke wurde von Nachbarn verraten. Festgenommen wurde sie am 17. August 1936 und zu vier Jahren Zuchthaus wegen Hochverrats verurteilt.

Grete Kusber verrichte zwischen 1933 und 1936 mehrmals monatlich Kuriergänge an und über die deutsch-niederländische Grenze. Sie beförderte Koffer mit ihr unbekanntem Inhalt mit der Bahn über die Strecke Gronau-Enschede nach Deutschland. Dieser Kurierdienst bedeutete ständige Lebensgefahr. Das Material aus den Niederlanden wurde an ihr unbekannte Personen im Ruhrgebiet weitergeleitet, hierbei war der Gronauer Rudi Steffens ihr Verbindungsmann. Am 7. Juli 1936 erfuhr Grete Kusber bei einer ihrer Aktionen in Enschede von der Verhaftung der Verbindungsleute im Ruhrgebiet und blieb zunächst in Enschede. Später floh sie nach Amsterdam, wo sie weiterhin politisch aktiv gegen die NS-Herrschaft arbeitete. Von 1936 bis 1940 war sie im niederländerischen Widerstand tätig. Während ihres Aufenthaltes in Amsterdam wohnte sie illegal bei der Familie Beelman. Ihr politischer Name war Marie Beelman.

Am 26. Juni 1940 wurde Kusber in Holland verhaftet, ausgewiesen und im Zuchthaus Hamm inhaftiert. Während der Inhaftierung soll ein Staatsanwalt als Priester verkleidet in Kusbers Zelle gekommen sein. Er habe versucht, sie mittels dieser Maskerade auszuhorchen, was aber nicht gelungen sei. Erst im späteren Prozess habe Kusber dieses perfide Possenspiel durchschaut. Am 9. Januar 1941 wurde sie aus der Haft entlassen.

In den 50er-Jahren waren die Eheleute Domke Mitglieder im Sozialausschuss der Stadt Gronau. Carl Domke starb 1962 in Gronau. Seine Frau Elli am 10. März 1975.

Grete Kusber war von 1941 bis zu ihrem Tod am 31. Oktober 1987 weiterhin in der Arbeiterbewegung und in antifaschistischen Organisationen aktiv.

 

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