Ehepaar aus Gronau will Kinder selbst aufklären
Keine Befreiung von Sexualkunde

Gronau/Münster -

Löst der Sexualunterricht an der Grundschule bei einem Kind aufgrund seiner religiösen Einstellung einen unzumutbaren Gewissenskonflikt aus? Mit dieser grundlegenden Frage zum Spannungsverhältnis zwischen staatlichem Erziehungsauftrag und elterlichem Erziehungsrecht hat sich am Freitag das Verwaltungsgericht Münster befasst. Ein Gronauer Elternpaar möchte seine Kinder selbst aufklären und lehnt es ab, dass die Schule die Sexualerziehung im Rahmen des Unterrichts durchführt.

Freitag, 08.05.2015, 17:05 Uhr

Zum Unterricht in der Grundschule gehört auch Sexualerziehung. Ein Elternpaar aus Gronau wollte sein Kind davon befreien lassen. Das Verwaltungsgericht in Münster lehnte das aber ab.
Zum Unterricht in der Grundschule gehört auch Sexualerziehung. Ein Elternpaar aus Gronau wollte sein Kind davon befreien lassen. Das Verwaltungsgericht in Münster lehnte das aber ab. Foto: Colourbox

Die Gronauer hatten 2013 an der Viktoria-Gemeinschaftsgrundschule vergeblich versucht, ihre damals zehnjährige Tochter vom Sexualunterricht der vierten Klasse befreien zu lassen. Deshalb zogen die Eltern mit ihrer Tochter als Kläger vor Gericht, um die Ablehnung der Unterrichtsbefreiung nachträglich als rechtswidrig einstufen zu lassen. Da weitere jüngere Kinder zur Familie gehören, ist dieser Konflikt mit der Schule nämlich programmiert.

„Für uns ist das Wort Gottes und die biblischen Gebote verpflichtend“, erläuterte der Vater, der aus Kasachstan stammt, die religiöse Lebensgrundlage der Familie. Die Teilnahme am Sexualunterricht würde seinen Kindern „Gewissensqualen“ bereiten, da diese nach dem Keuschheitsgebot erzogen werden. So würde beispielsweise die Auseinandersetzung mit Fragen zum Thema Verhütung im Grundschulalter die Gewissensfreiheit ihrer Kinder verletzen. Weiter führten die Kläger aus, dass die schulische Sexualerziehung ihrer Kinder ein Verstoß gegen Glaubensgrundsätze und somit eine Sünde sei.

Die Eltern, die seit rund 20 Jahren in Deutschland leben, sehen daher Grundrechte verletzt: Ihr Erziehungsauftrag und ihre Glaubensfreiheit seien durch die vorgeschriebene Unterrichtsteilnahme gefährdet, beklagen sie. „Innerlich sind wir ganz zerschlagen“, beschrieb der Vater die familiäre Gemütslage nach der abgelehnten Unterrichtsbefreiung vor zwei Jahren.

Der Rechtsvertreter des beklagten Kreises Borken äußerte zwar viel Verständnis für die religiöse Lebenseinstellung der Familie, sieht hingegen aber keine biblischen Gebote, die gegen die Teilnahme am Sexualunterricht sprechen. „Die subjektiven Vorstellungen der Eltern gefährden stattdessen die Lebenssicht des Kindes schwer.“ Er betonte, dass sich das Schulamt in diesem Fall neutral verhalten habe und die Schule den Eltern bei der Gestaltung des Unterrichts – zum Beispiel bei der Auswahl von Abbildungen auf Arbeitsblättern – sehr entgegengekommen sei.

Die Klage wurde schließlich abgewiesen. So erläuterte der Vorsitzende Richter, dass in diesem Fall das Elternrecht keinen Vorrang vor dem staatlichen Bildungs- und Erziehungsauftrag habe. Da die Gestaltung des Sexualunterrichts an der Gronauer Grundschule den gesetzlichen Vorschriften entspricht, erkennt das Gericht keine unzumutbare Glaubens- und Gewissenskonflikte an.

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