Charlotte Büscher nahm an Konzertreise teil
Mit dem Bass auf einer Wellenlänge

Gronau-Epe -

Würde man Charlotte Büscher fragen, ob sie gleich morgen wieder mit auf eine Konzertreise fahren möchte – man käme wahrscheinlich gar nicht bis zum Fragezeichen, so schnell wäre ihre Zustimmung da. Dabei ist die junge Eperanerin erst vor einigen Tagen von einer Tournee zurückgekehrt.

Freitag, 17.07.2015, 07:07 Uhr

Charlotte Büscher am Kontrabass.
Charlotte Büscher am Kontrabass. Foto: Martin Borck

Würde man Charlotte Büscher fragen, ob sie gleich morgen wieder mit auf eine Konzertreise fahren möchte – man käme wahrscheinlich gar nicht bis zum Fragezeichen, so schnell wäre ihre Zustimmung da. Dabei ist die junge Eperanerin erst vor einigen Tagen von einer Tournee zurückgekehrt. Sie war zusammen mit ihrem Kontrabass und dem Jugendsymphonieorchester „ Symfonia Jong Twente“ fast eine Woche in Tschechien unterwegs. Und sie ist immer noch erfüllt von den Eindrücken und von dem großartigen Gemeinschaftsgefühl.

Die 14-Jährige spielt seit zwei Jahren Bass. „Ich bin mit Klavier angefangen, weil meine große Schwester das auch spielt.“ Dann erlebte sie in Gronau ein Konzert eines semiprofessionellen Symphonieorchesters – in dem aber nur ein Bassist spielte. Etwa zur selben Zeit erhielt sie die Möglichkeit, einen Schnupperkursus an der Musikschule Gronau zu absolvieren. Sie wählte den Kontrabass. „Geige spielen so viele. Mir gefiel der Bass einfach.“ Die tiefen Töne, die den ganzen Korpus vibrieren lassen, das Klangvolumen – Bass und Charlotte waren quasi auf einer Wellenlänge. Im nachhinein – als sie schon im Orchester spielte, erhielt sie Bestätigung von ihren Mitmusikern: „Ohne Bass würde das Orchester nicht klingen“, sagten sie.

Ihr Bass-Lehrer Uli Wentzlaff-Eggebert vermittelte ihr den Kontakt zu Symfonia in Enschede. Seit gut zwei Monaten spielt sie nun dort. „Die Proben sind jeden Freitagabend. Beginn ist um 18.45 Uhr. „Fertig sind wir selten vor 21.30 Uhr. Aber die Zeit vergeht immer wie im Flug.“ Zum Glück für die junge Musikerin teilen ihre Eltern ihre Musikleidenschaft (Mutter Susanne unterrichtet u.a. Musik an der Hermann-Löns-Schule) und bringen sie und ihr Instrument zur Probe.

Schon beim ersten Vorspiel nahmen die Mitmusiker der Eperanerin die Befangenheit: „Sie haben applaudiert, als mich Dirigent Alexander vorstellte. Und als er am Schluss der Probe fragte, ob ich wiederkommen möchte, und ich ja sagte, haben sie noch mal geklatscht.“ Da fühlte sie sich gleich willkommen.

Die sprachliche Verständigung mit den anderen Orchestermitgliedern – bis auf zwei weitere Bassistinnen allesamt Niederländer – klappt gut. Charlotte, derzeit Schülerin an der Bardel, hat nämlich schon in der Löns-Schule Niederländisch gelernt. Was ihr nun gut zupass kommt.

Ihre musikalische Entwicklung macht derweil Riesensprünge, allein schon durch den motivierenden Austausch mit anderen Musikern. Der stachelt ihren Fleiß an, sich die notwendigen Fähigkeiten anzueignen. „Zum Beispiel gut vom Blatt spielen zu können.“

Das Repertoire des Orchesters in dieser Saison war nicht ohne: Die „Polowetzer Tänze“ von Borodin, der „Säbeltanz“ van Khatchaturian, eine Romanze von Svendson, aber auch Filmmusik wie „Indiana Jones“. „Und ,Fluch der Karibik‘ – so ein tolles Stück“, schwärmt sie. „So witzig und spannend.“

Etwa alle zwei Jahre unternimmt Symfonia eine Konzertreise. Anfang Juli ging es nach Prag – und Charlotte durfte mit. Auf der Fahrt vertiefte sie die Kontakte zu den Mitmusikern – „immerhin sind wir um die 70 Leute“. Alle­samt sind sie vom Musikvirus erfasst. Schon auf der Hinfahrt im Bus zeigte sich das: Ein Musiker hatte eine Gitarre dabei, die sich Charlotte auslieh und ein Lied anstimmte – in das der ganze Bus einfiel. Oder beim Karaoke-Abend im Hostel in Prag: Da wurde nicht nur gesungen: In Null komma nix hatten vier Bläser ihre Instrumente geholt und spielten die Melodien mit. Und bei John Miles‘ „Music“ wäre der Raum unter der geballten Stimmenwucht der Musiker fast zusammengebrochen . . .

Neben zwei Konzerten in Prag fand ein weiteres in Marienbad statt. „Eine tolle Kulisse, das war das beste Konzert“, meint die junge Bassistin. Auf dem Reiseprogramm stand zudem eine Stadtführung, eine Fahrt auf der Moldau und ein Besuch im ehemaligen Konzentrationslager Theresienstadt.

In ihrer Unterkunft wurde den drei Bässen des Orchesters ein besonderer Luxus zuteil: Sie hatten eigene Betten. „Eigentlich sollten wir unsere Instrumente auf unser Acht-Bett-Zimmer nehmen; aber eine unserer Begleiterinnen hatte allein ein Vier-Bett-Zimmer für sich. Da war also Platz . . .“, erzählt sie und zeigt entsprechende Fotos von den gut gebetteten Instrumenten. Übrigens: Trotz der unhandlichen Größe ihres Kontrabasses, schleppt Charlotte das Instrument immer selbst. Obwohl es bestimmt genügend bereitwillige Helfer gäbe, denn der Zusammenhalt im Orchester ist gewaltig. Davon schwärmt Charlotte in den höchsten Tönen: „Es gibt keine Grüppchenbildung, alle sind offen und freundlich zueinander.“ Musik verbindet – das wird bei „Symfonia“ gelebt.

Kann sie sich vorstellen, Musik professionell zu machen? „Ich denke jetzt tatsächlich darüber nach.“ Aber bis zu einem endgültigen Entschluss hat sie noch Zeit. Erst einmal freut sie sich auf den Wiederbeginn der Proben, wenn das neue Repertoire vorgestellt wird. „Außerdem wird ein Film von der Reise gezeigt. Ich glaub, das wird schlimm: Da bin ich nämlich beim Karaoke zu sehen . . .“

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3389411?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F103%2F150%2F4848763%2F4848769%2F
Nachrichten-Ticker