Mit Blitzen und Vibration
Rauchmelder für Hörgeschädigte

Gronau -

Der infernalische Piepton von Rauchmeldern reißt jeden aus dem Schlaf. Sollte man meinen. Es gibt allerdings Ausnahmen: Schwerhörige oder taube Menschen bekommen von dem Alarmsignal naturgemäß nichts mit.

Freitag, 07.08.2015, 11:08 Uhr

Mit einem Aerosol testet Oliver Wichert die Funktionsfähigkeit der Rauchmelder. Das kleine Foto zeigt eines der Vibrationskissen.
Mit einem Aerosol testet Oliver Wichert die Funktionsfähigkeit der Rauchmelder. Das kleine Foto zeigt eines der Vibrationskissen. Foto: Martin Borck

Doch es gibt auch für Hörgeschädigte Lösungen, wie Martin Bültmann von der Gronauer Feuerwehr weiß. Bültmann setzt sich seit Jahren für die Ausstattung jeder Wohnung in Gronau und Epe mit Rauchmeldern ein. Mittlerweile ist der Einbau der Apparate gesetzlich in Neubauwohnungen und nach Umbauten vorgeschrieben. Für Altbauten gibt es jedoch Übergangsfristen. In NRW müssen bis spätestens Ende 2016 Rauchmelder nachgerüstet sein. Doch unabhängig von der Pflicht sollten die Melder in jedem Haus angebracht sein, ganz einfach, weil sie Leben retten können, findet Bültmann.

„Als wir vor einigen Jahren eine große Rauchmelderaktion organisiert haben, hatte ich das Problem mit Schwerhörigen gar nicht auf dem Schirm“, gibt Bültmann zu. Doch damals wurde er schnell mit dem Thema konfrontiert. „Es hat mich überrascht, wie viele Hörbehinderte es in Gronau und Epe gibt.“

Wie ein Rauchmelder funktioniert, erläutert Oliver Wichert von der Elanko Medien- und Sicherheitstechnik in Heek: Im Innern der meisten Rauchmeldermodelle wird permanent ein Lichtstrahl ausgestrahlt. Wird dieser – etwa durch Rauch – unterbrochen, schlägt das Gerät Alarm. Im Normalfall akustisch; im speziellen Fall durch extrem helle Blitze. Sie machen auch Gehörlose darauf aufmerksam, dass etwas nicht stimmt. Nur: Auch Blitze können unter Umständen – zum Beispiel wenn der Gehörlose tief schläft – ihre Wirkung verfehlen. Darum sind an die Anlage, die Wichert gerade bei einer Familie in Epe installiert hat, sogenannte Vibrationskissen angeschlossen. Die kräftigen Rüttler wecken Schlafende auf. Die Rauchmelder sind über Funk mit den Modulen verbunden, die den optischen und den Vibrationsalarm auslösen. Die modernen Geräte haben einen leistungsfähigen Akku, der zehn Jahre hält.

Bei der Eper Familie sind gleich drei Vibrationskissen installiert. In den Betten und unterm Kissen des Sofas vorm TV-Gerät (– falls das Fernsehprogramm zum Einschlafen war . . .).

Relativ neu ist der Umstand, dass die Kosten für die Rauchwarnmelder für Hörgeschädigte von den Krankenkassen übernommen werden. Wenn der Arzt eine entsprechende Verordnung ausstellt, ist die Krankenkasse dazu verpflichtet. Das hat das Bundessozialgericht im vergangenen Jahr entschieden. Das gilt unabhängig davon, ob auch Nicht-Hörbehinderte mit in der Wohnung leben.

Wie umfangreich die Anlage sein muss, hat im konkreten Eper Fall Oliver Wichert mit der Krankenkasse abgesprochen, nachdem der HNO-Arzt eine Bescheinigung über die Notwendigkeit des Alarmsystems ausgestellt hatte. „Das ist alles optimal gelaufen“, zieht die Ehefrau des hörbehinderten Senioren zufrieden Bilanz.

Bültmann wird unterdessen nicht müde, die Rauchmelder als potenzielle Lebensretter anzupreisen. Info-Broschüren hält er auch auf Englisch, Türkisch, Polnisch und Russisch vor.

  Foto: Martin Borck

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