Flüchtlinge
Menschen mit viel Potenzial

Gronau -

Innerhalb von 48 Stunden musste die Kreissporthalle an der Brandströmstraße in eine Notunterkunft für rund 150 Flüchtlinge umgestaltet werden. In guter Zusammenarbeit haben das DRK (federführend), das THW, die Feuerwehr und die Stadtverwaltung diese Aufgabe bewältigt.

Freitag, 21.08.2015, 08:08 Uhr

In der Notunterkunft leben die Menschen in einem – den Umständen entsprechenden – normalen Miteinander.
In der Notunterkunft leben die Menschen in einem – den Umständen entsprechenden – normalen Miteinander. Foto: Feuerwehr

Auch aus der Bevölkerung habe es eine spontane Welle der Hilfsbereitschaft gegeben, berichtete Bürgermeisterin Sonja Jürgens in der jüngsten Ratssitzung. Dafür gab viel Lob aus allen Fraktionen. „So ist Gronau !“, brachte Herbert Krause (Pro Bürgerschaft/Piraten) dieses Lob auf eine griffige Formel.

Inzwischen haben sich 144 Menschen in der Notunterkunft eingerichtet und leben in einem – den Umständen entsprechenden – normalen Miteinander. „Sie halten zum Beispiel das Gelände rund um die Turnhalle sauber und packen mit an, wenn es etwas zu tun gibt“, schilderte Jürgens die Situation. Unter den Flüchtlingen befänden sich viele Menschen mit großem Potenzial, Akademiker zum Beispiel.

Wie bemüht diese Menschen seien, habe sich gezeigt, als der pensionierte Lehrer Rudi Nacke Deutschunterricht für sie angeboten habe. In der ersten Stunden habe Nacke vor einer „Klasse“ von über 100 „Schülern“ gesessen, berichtete Jürgens. Nun haben sich weitere pensionierte Lehrer bereiterklärt, Nacke zu unterstützen.

Der Deutschunterricht sei Teil der Bestrebungen, den Menschen in der Notunterkunft eine Tagesstruktur zu bieten und die Möglichkeit, die Wartezeit bis zu ihrer Registrierung sinnvoll zu nutzen, sagte Jürgens. Auch für die Kinder werde es über pensionierte Grundschullehrer eine informelle Beschulung geben. Denn die Schulpflicht greife für sie noch nicht, da sie noch nicht registriert sind.

Zwei Gronauer Ärzte haben sich spontan bereiterklärt, mittwochsnachmittags Sprechstunden für die Bewohner der Notunterkunft anzubieten. Für die Kommunikation zwischen den Flüchtlingen und Deutschen stehe ein Dolmetscher-Pool zur Verfügung, den der städtische Integrationsbeauftragte Ahmed Sezer aufgebaut hat.

Die Einrichtung freien W-Lans regte Marita Wagner (Linke) an, damit die Flüchtlinge übers Internet Kontakt zu Freunden und Verwandten in ihrer Heimat halten können. Auch daran habe man bei der Stadtverwaltung schon gedacht, so Jürgens. Die Verwaltung sei sowohl mit den Freifunkern als auch mit den Stadtwerken in Kontakt, um dieses Projekt zu realisieren.

Jürgens berichtete auch, dass es in der Notunterkunft bislang zwei Auseinandersetzungen unter Bewohnern gegeben habe. Für solche Fälle sei auch die Polizei in das Projekt involviert. In einem Fall sei der Konflikt durch einen Austausch von Flüchtlingen mit der Stadt Ahaus gelöst worden.

Zum Thema

Bürger, die sich in der Flüchtlingshilfe engagieren möchten, sollten sich beim „Team Westfalen“ des DRK im Kreis Borken registrieren.  

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