Angreifer von zwei Schüssen getroffen
Kritik an „leichtfertigem Gebrauch der Dienstwaffe“

Gronau -

(Aktualisiert um 19.50 Uhr) Nach dem tödlichen Schuss aus einer Polizeiwaffe auf einen türkischstämmigen Angreifer in Gronau am Montag sind weitere Einzelheiten zu dem tragischen Vorfall bekannt geworden. Die türkisch-islamische Gemeinde Gronau kritisiert unterdessen den „leichtfertigem Gebrauch der Dienstwaffe“.

Dienstag, 03.11.2015, 19:11 Uhr

Angreifer von zwei Schüssen getroffen : Kritik an „leichtfertigem Gebrauch der Dienstwaffe“
Bis in den späten Abend waren Polizeimitarbeiter auf der Neustraße in Gronau beschäftigt. Foto: Klaus Wiedau

Ein Streit zwischen einer 45-jährigen Frau und ihrem 46-jähriger Ex-Mann ist der tödlichen verlaufenen Auseinandersetzung am Montagnachmittag in Gronau vorausgegangen. Wie die Staatsanwaltschaft und die Polizei Münster am Dienstagmittag mitteilten, stritten sich die beiden gegen 15.30 Uhr derart laut und intensiv, dass Unbeteiligte die Polizei riefen. Die Beamten hätten den Streit zunächst geschlichtet und die Streitenden verwarnt. Doch eine Stunde später informierten Passanten eine Polizeistreife über eine Bedrohung mit einem Messer in der Innenstadt.

Schuss von hinten durch die Schulter

In dem Moment, in dem die Streife eintrat, sei der Ex-Mann mit einem Messer auf seinen 41-jährigen Cousin und einen daneben stehenden, 38-jährigen Polizisten losgegangen. Der Aufforderung des Beamten, stehenzubleiben, sei der Täter nicht gefolgt und weiter mit dem Messer auf den Cousin und den Beamten zugerannt. Daraufhin schoss der Polizist zwei Mal. Der erste Schuss durchschlug den rechten Oberarm des Täters. Dieser bewegte sich, mit dem Messer noch in der Hand, weiter auf den Beamten zu. Der zweite Schuss drang von hinten in die linke Schulter ein. Danach sei der Getroffene zusammengesackt.

Tödliche Schüsse in der Gronauer Innenstadt

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Danach habe ein 26-jähriger Mann gegen den Kopf des auf dem am Boden liegenden Manners getreten. Dabei handelt sich bei um den ehemaligen Schwiegersohn. Der durch Schüsse und Tritte getroffene Gronauer türkischer Abstammung starb noch vor Ort. Der Streit zwischen den beiden Familien drohte weiter zu eskalieren, beide beleidigten und bedrohten sich so laut, dass ein 46-jähriger Polizist die Situation zu beruhigen versuchte, indem er zwei Mal in die Luft schoss.

Der Durchschuss verletzte als Querschläger einen 17-jährigen Pakistaner, der sich nur zufällig in der Fußgängerzone aufhielt und nicht zu einer der streitenden Gruppen gehörte. Das Projektil verursachte eine oberflächliche Verletzung am linken Schienenbein. Der 17 jährige konnte nach einer ambulanten Versorgung das Krankenhaus noch am Abend verlassen.

Schießerei in Gronau

Ballistisches Gutachten und weitere Zeugenaussagen

Die Zeugenaussagen nannte Oberstaatsanwalt Heribert Beck am Dienstag „widersprüchlich“. Darum sollte der Verstorbene zur Klärung der Todesursache im Institut für Rechtsmedizin der Universitätsklinik Münster obduziert werden. Den Tod des 46-Jährigen habe der Schuss in die Schulter verursacht. „Es ist denkbar, dass der Getötete durch den ersten Treffer in eine Drehbewegung geriet, die die unterschiedlichen Einschusspositionen erklärt“, erläuterte der Oberstaatsanwalt. „Ein ballistisches Gutachten und die Aussagen noch nicht vernommener Zeugen können für mehr Klarheit sorgen.“

Nach den ersten Ermittlungen vor Ort gab es widersprüchliche Zeugenaussagen zum genauen Geschehensablauf. Zur Klärung der Todesursache erfolgte daher heute auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Münster die Obduktion des Verstorbenen im Institut für Rechtsmedizin der Universitätsklinik Münster.

Oberstaatsanwalt Heribert Beck

Die eingesetzte Mordkommission des Polizeipräsidiums Münster hatte noch am Abend Zeugen befragt und die Spuren am Tatort gesichert und analysiert. „Wir konzentrieren uns nun auf die Befragung weiterer Zeugen“, sagte der Leiter der Mordkommission, Kriminalhauptkommissar Ulrich Bux. Hinweise bitte an die Polizei Münster ( ✆  0251 275-0).

Polizei-Erklärung zur Schießerei in Gronau

Kritik an „leichtfertigem Gebrauch der Dienstwaffe“

Bis etwa 22.30 Uhr am Montagabend hatten Beamte einer Mordkommission am Tatort Spuren gesichert. Das Flutlicht eines Feuerwehrfahrzeuges und Nebel in der Neustraße verliehen der Szene eine fast unwirkliche Atmosphäre. Gelbe Aufsteller markieren die Fundorte von Patronenhülsen und anderen Gegenständen.

An den Absperrungen stehen um diese Zeit nur noch einzelne Schaulustige, die das Ereignis vom Nachmittag diskutieren. „Warum hat der Polizist nicht auf die Beine geschossen?“, fragt ein Mann. Ein anderer widerspricht: „In der Situation bleibt für so was wahrscheinlich keine Zeit.“

Wir, die türkische Gemeinde, sind von diesem tragischen Vorfall zutiefst erschüttert, irritiert und sind von dem leichtfertigen Gebrauch der Dienstwaffe zutiefst schockiert.

Türkische Gemeinde Gronau

Die türkisch-islamische Gemeinde Gronau und der türkische Arbeitnehmer-Kulturverein Gronau baten gegenüber unserer Zeitung „um eine sachliche Aufklärung der tödlichen Vorfälle“. Denn: „Wir, die türkische Gemeinde, sind von diesem tragischen Vorfall zutiefst erschüttert, irritiert und sind von dem leichtfertigen Gebrauch der Dienstwaffe zutiefst schockiert.“ Unter anderem fragen sie, ob es nicht andere Möglichkeiten gegeben habe, „diesen aufgewühlten Familienvater unter Kontrolle zu bringen“.

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