Blickpunkt: Lokaljournalismus im Zeitalter der digitalen Medien
Wir suchen das Gespräch

Vereinsjubiläen und Verbrechen, Kanalbaumaßnahmen und Katastrophen, Grundsteinlegungen und Gerichtsprozesse: Die Themen, über die Lokalredakteure informieren, sind breit gefächert - von A wie Altenheim bis Z wie Zollfahndung wird in der Zeitung über alles berichtet. Nur über eines schreiben Zeitungsmacher fast nie: über sich und ihre Arbeit.

Sonntag, 10.04.2016, 16:11 Uhr
Veröffentlicht: Samstag, 09.04.2016, 06:30 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Sonntag, 10.04.2016, 16:11 Uhr
Ob es so auch in der Gronauer WN-Redaktion aussieht? Kommen Sie vorbei und sehen Sie selbst . . .
Ob es so auch in der Gronauer WN-Redaktion aussieht? Kommen Sie vorbei und sehen Sie selbst . . .

Dabei sind die Vorwürfe, mit denen sich landesweit publizierende Medien konfrontiert sehen – gipfelnd in der Schmähung als „Lügenpresse“ – längst auch im Lokalen angekommen. In sozialen Netzwerken wird die Lokalzeitung schnell in die eine oder andere politische Ecke gestellt. Ihr wird vorgehalten, mit ihrer Unabhängigkeit sei es nicht weit her. Von wüsten Beschimpfungen und böswilligen Unterstellungen, mit denen wir Redakteure in den sozialen Netzwerken behelligt werden, sei an dieser Stelle gar nicht die Rede. Mancher Kritiker verwechselt in der aktuellen Diskussion über die Rolle der Medien auch Neutralität mit Wertneutralität und Meinungslosigkeit.

Zwei weitere Erfahrungen haben wir in der Lokalredaktion in Gronau in jüngster Zeit mehrfach gemacht: Eine Reihe von Lesern – offenbar mehr als wir dachten – nehmen die Lokalzeitung als eine Art Sprachrohr der Obrigkeit wahr und vermuten daher, dass die Entscheidung darüber, was und wie geschrieben wird, in Rathäusern, Vereinsheimen oder Firmenzentralen getroffen wird. Und: Wieder andere Leser diskutieren mit uns über Recherche, Kürzungen oder die redaktionelle Bearbeitung von eingereichten Texten. Manche gehen gar so weit, das Schreiben von Kommentaren in sozialen Netzwerken mit professioneller Arbeit von Redakteuren gleichzusetzen. Das wirft bei uns Fragen auf: Würden Sie auch Ihrem Zahnarzt erklären, wie er die Wurzel Ihres Backenzahns behandeln soll? Oder anders formuliert: Nicht jeder, der sich ein Skalpell kaufen kann, ist damit auch automatisch ein Chirurg.

Sie merken: Die Diskussion treibt uns um, und wir nehmen sie durchaus ernst. Auch das ist ein Grund, warum sich dieser „Blickpunkt“ um unsere Arbeit dreht und warum die Westfälischen Nachrichten heute in Gronau zum Tag der offenen Tür einladen.

Wir möchten mit Ihnen ins Gespräch kommen. Nicht am Telefon, sondern ganz persönlich: Besuchen Sie uns am heutigen Samstag in der Redaktion. Von 11 bis 14 Uhr stehen Ihnen das Team der Redaktion, die Kollegen der Logistik (Zeitungszustellung) und der Medienberatung für den Dialog zur Verfügung.

Sie wollten immer schon wissen, wie eine Tageszeitung entsteht? Nach welchen Kriterien Informationen zu „Aufmachern“ oder vielleicht nur zu einer kurzen Meldung werden? Nach welchen Gesichtspunkten Bilder und Titel für Berichte ausgewählt werden und welche technischen Schritte für die Herstellung einer Tageszeitung erforderlich sind? Wir informieren Sie darüber, wenn Sie sich am Rande des Marktbesuches oder des Einkaufsbummels eine halbe Stunde Zeit nehmen.

Sie bestimmen dabei die Themen: Wie erfährt die Redaktion eigentlich von Unfällen oder Bränden? Wer entscheidet, über welches Thema einer Ratssitzung in der Zeitung berichtet wird? Kontrolliert jemand die Berichte? Hat etwa „die Politik“ Einfluss auf die Berichterstattung? Was ist der Unterschied zwischen einem Leserbrief und einer Gegendarstellung? Und warum haben Redakteure ein gesetzlich verankertes Zeugnisverweigerungsrecht?

Gerne geben wir Ihnen bei der Gelegenheit auch ein paar Tipps mit auf den Weg, wie Sie Ihre Arbeit als Pressereferent Ihres Vereins oder Ihrer Organisation noch effektiver gestalten können. Und natürlich stellen wir uns auch Ihrer Kritik: Sei es, dass Sie sich über Fehler in der Zeitung ärgern (wobei Sie uns glauben können, dass sich niemand über einen Fehler im Blatt mehr ärgert, als der Redakteur, der ihn gemacht hat). Oder sei es, dass Sie bestimmte Themen als nicht ausreichend - oder zu intensiv - in der Berichterstattung vertreten sehen. Lassen Sie uns darüber sprechen!

Wir freuen uns auf Ihren Besuch. Sie finden uns zwischen 11 und 14 Uhr in der WN-Geschäftsstelle, Pumpenstraße 3, erstes Obergeschoss (Eingang gegenüber der Stadtbücherei, rote Haustür mit großer „3“). Und mit etwas Glück können Sie auch noch eine kleine Überraschung mit nach Hause nehmen. In diesem Sinne: Bis gleich!

Anne Alichmann

Martin Borck

Stefan Hoof

Rupert Joemann

Klaus Wiedau

Frank Zimmermann

 

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