Interview mit Gregor Meyle
„Musik ist ein Gefühl“

Gronau -

Gregor Meyle tritt am Samstag im Rahmen des 28. Gronauer Jazzfests auf. WN-Mitarbeiter Peter Kolb hat sich mit ihm über seinen Auftritt in der Bürgerhalle, Vorbilder, deutsche Texte und Gefühle unterhalten.

Donnerstag, 05.05.2016, 12:31 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 04.05.2016, 20:31 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Donnerstag, 05.05.2016, 12:31 Uhr
Der deutsche Sänger und Liedermacher Gregor Meyle tritt am Samstag im Rahmen des Gronauer Jazzfests in der Bürgerhalle auf.
Der deutsche Sänger und Liedermacher Gregor Meyle tritt am Samstag im Rahmen des Gronauer Jazzfests in der Bürgerhalle auf. Foto: kal

Gregor, wie geht es dir so kurz vor dem Auftritt in Gronau ?

Gregor Meyle : Ich freu mich riesig auf die Tour. Es ist so ein Geschenk, mit dieser Wahnsinnsband voller Champions-League-Musiker zu spielen. Zurzeit proben wir unter gigantischen Bedingungen. Es geht mir also gut. (lacht)

Was bedeutet es für dich, bei einem Jazzfest aufzutreten? Du bist ja ein echter Singer-Songwriter. Welche Rolle spielen für dich Genres?

Meyle: Vielen meiner Vorbilder wie Miles Davis , Gregory Porter oder Jamie Cullum waren Genres ziemlich egal. Mir geht’s da genauso. Ich finde es super, dass einige Festivals da flexibel sind, und es ist ein Ritterschlag, dass ich als Singer-Songwriter bei so einem Jazzfest wie in Gronau auftreten darf.

Wie siehst du die Entwicklung der ernst zu nehmenden deutschsprachigen Musik im allgemeinen und wie begann das bei dir? Wolltest du jemals auf Englisch singen?

Meyle: Ich denke, es gibt generell eine Entwicklung in Deutschland , dass die Leute Lust darauf haben, Texte und Musik gleichzeitig zu verstehen und nicht erst übersetzen müssen. Die Dramaturgie in der Muttersprache ist einfach eine andere. Früher war man schnell dabei, deutschsprachige Texte in die Schlagerecke zu schieben. Da hat sich in den letzten zehn Jahren viel getan in allen Genres. Mir persönlich sind die Texte gar nicht so wichtig. Wir machen ja Musik und keine Textkunst.

Empfindest du die deutsche Sprache als „Song-geeignet“?

Meyle: Deutsch ist eine super Sprache. Ich finde sie total geeignet. Wenn man nicht unbedingt als Germanistik-Student an die Sache rangeht, dann bietet unsere Sprache viel Spielraum. Hip-Hop hat da zum Beispiel viele Türen geöffnet, sodass wir auch in Slangs und Dialekten singen können. Man muss halt viele Vokale verwenden. Dann ist alles gut.

Wie schreibst du deine Lieder? Was ist zuerst da, der Text oder die Melodie? Sitzt du mit der Klampfe im Sessel und dann kommt der Text über dich oder hast du einen Text, den du dann in eine musikalische Form überträgst? Hast du Vorlieben für bestimmte Tonarten oder Akkorde?

Meyle: Musik ist ein Gefühl. Ich denke nicht so viel darüber nach, sondern mache sie einfach. Mein Publikum hört ja Musik auch nicht nach Akkorden und Takten. Wenn Sie im Restaurant ein tolles Gericht essen, geht’s ja auch in erster Linie darum, ob’s schmeckt.

Was bedeutet eine solide musikalische Ausbildung für jemanden, der mit Talent nach oben will? Ist die unverzichtbar oder geht es auch ohne?

Meyle: Je weniger Talent man hat, desto mehr Ausbildung braucht man (lacht). Zum Erfolg gehört jedoch mehr: Fleiß, Glück und Talent. Wenn du weniger Talent hast, musst du mehr üben. Erfolg in der Musik kann man aber nicht mit einem Taschenrechner ausrechnen.

Produzenten, Mentoren . . . wer hat dich wie gepusht beziehungsweise nach vorn gebracht? Und wird man auch durch solche Personen in gewisse musikalische Richtungen geschoben? Bist du als Künstler frei in deinen Entscheidungen, welche Musik du wie realisieren kannst?

Meyle: Je mehr Musik man macht, je mehr man sich damit beschäftigt und mit je mehr Menschen aus verschiedenen Richtungen man arbeitet, desto weiter kommt man. Ich verschließe mich nicht. Ich suche das Neue und freue mich über Einflüsse von außen.

Was hat die Entwicklung weg von kleinen Bühnen und hin zu großen Konzerten mit dir gemacht?

Meyle: Mich macht diese Entwicklung sehr stolz. Ich bin ja mittlerweile ein kleines Unternehmen geworden. Ganz viele Leute haben das ganze Jahr über zu tun. Und ich habe eine komplette Band auf der Bühne, bei der ich mich aufgehoben fühle und mich fallen lassen kann. Du weißt, dass du es richtig machst, wenn alle happy sind.

Geht es dir in erster Linie darum, Texte (Emotionen, Gedanken) einem Publikum mitzuteilen oder ist der musikalische Aspekt, diese in Harmonien und Melodien verpackt, als Lieder rüberzubringen wichtiger?

Meyle: Die Melodien sind mir eigentlich das Wichtigste. Aber sobald du auf deutsch singst, wirst du natürlich auch nach deinen Texten beurteilt. Der Text ist die Geschichte des Songs und jeder versteht da etwas anderes, je nachdem in welchem Lebensgefühl oder in welcher Lebensphase er steckt. Als Singer-Songwriter ist das Komplettpaket wichtig, aber der Text darf nicht von der Musik ablenken.

Was dürfen die Leute erwarten, die am Samstag den Weg in die Gronauer Bürgerhalle antreten?

Meyle: Wer Lust auf Musik hat und offen ist, wird einen runden, gelungenen Abend erleben. Ich stehe mit einer Jahrhundertband aus Deutschland auf der Bühne. Die besten Musiker, die wir bei uns haben, stehen da oben und haben einen Heidenspaß. Außerdem ist noch Sophie Hunger, diese tolle Künstlerin aus der Schweiz, da. Es wird ein tolles Festival mit Popmusik, aber nicht nach Schema F. 

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