Regine Kölpin las aus „Oma zeigt Flagge“
Countdown zum 60. mit Meilenstein und Enkelkindern

Gronau -

Günther Meilenstein hat etwas gutzumachen bei Jette Blümerant. Nichts und niemand kann ihn darin stoppen, seine Verflossene versöhnlich zu stimmen: Pablo nicht, der Kunstmaler, der die fast 60-Jährige als Akt porträtiert hat, Jettes pubertierende Enkelkinder, die „Omilein“ in ihrer selbst gewählten Einsamkeit auf Langeoog heimsuchen – und auch Jettes offenkundige Abwehr gegen die Annäherungsversuche des tierliebenden Verehrers.

Montag, 30.05.2016, 07:05 Uhr

Regine Kölpin ist der lebende Beweis dafür, dass eine vielköpfige Familie jung halten kann. Da verliert der anstehende 60. Geburtstag auch für ihre „Oma Jette“ seinen Schrecken.
Regine Kölpin ist der lebende Beweis dafür, dass eine vielköpfige Familie jung halten kann. Da verliert der anstehende 60. Geburtstag auch für ihre „Oma Jette“ seinen Schrecken. Foto: Christiane Nitsche

„Oma zeigt Flagge“ heißt der Familienroman von Regine Kölpin , der mit Augenzwinkern Fragen des Alterns und der Verwicklungen in einer modernen Familie aufs Korn nimmt. Kölpin, die am Freitag in der Stadtbücherei aus ihrem neuesten Werk las, kennt sich aus. Sie habe selbst fünf Kinder und zwei Enkel , erzählte die 52-Jährige. Bekannt wurde Kölpin als Kinderbuchautorin Regine Ziegler . Dann folgten Krimis, Thriller, Anthologien, und drei historische Romane um die Figur der Hebamme Hiske Aalken. Im August erscheint ihre literarische Adaption von Kaspar Hauser.

Jette Blümerant hat außer der vielköpfigen Familie und der Liebe zur Nordsee wenig mit Regine Kölpin gemein. Denn Jette will vor allem ihre Ruhe. „Günther Meilenstein : 18 Buchstaben, 18 negative Assoziationen“, so sieht das für Jette aus, die zudem ganz andere Sorgen hat, als er plötzlich mit Koffer und Käfig samt Hamster bei ihr vor der Tür steht. Ihr 60. Geburtstag steht ins Haus – ein Tag, den sie am liebsten ignorieren würde, was aber weder Tochter und Enkel noch Günther und sein im Kielwasser eintrudelnder Freund Horsti zulassen. „Wer weiß, wie oft du das noch feiern kannst?“, muss sich Jette von ihrer Tochter fragen lassen. Kurz bevor diese ihr wegen einer Dienstreise die Enkel ins Haus schickt. Die zu hüten, treibt Jette den sprichwörtlichen Schweiß auf die Stirn, denn der elfährige Kilian macht sich auf, die Insel zu erkunden – als „Stufenforscher“, Marie ist auf dem Modetrip und doziert über „Sockenlocken“, während Fenna nichts weniger als die Welt retten will.

Günther in der Abstellkammer, der Hamster in der Küche, die Enkel unterm Dach: Jette weiß nicht mehr wohin mit sich. Dabei „wollte sie keine Menschenansammlungen um sich – weder tot noch lebendig.“ Doch sterben muss niemand, außer einer der Laufenten in Günthers heimischem Garten. „Das ist die einzige Leiche in der Geschichte, das kann ich Ihnen versprechen“, schmunzelte Kölpin. Aber der Countdown bis zum 60. Geburtstag läuft unerbittlich weiter, während Günther Maulwurfschreckanlagen für Jettes Garten baut, die Abstellkammer renoviert und sich neu einkleiden lässt – in einen Albtraum aus neongrünen Shorts mit gelbem Hawaii-Hemd.

Kölpin las lebendig, gestenreich und mit wechselnden Stimmen, so dass die Lesung für die leider nur spärlich erschienenen Gäste zu einem echten Ereignis wurde. Der nächste „Oma“-Roman soll 2017 erscheinen. Bleibt zu hoffen, dass dann mehr zur Lesung kommen.

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