Morgensternsiedlung Thema im Bauausschuss
Ratgeber lässt auf sich warten

Gronau -

Schnell „gestricktes“ Faltblatt oder aufwendiges Gestaltungshandbuch? Über Form und Inhalt eines Ratgebers, aus dem die Bewohner der Morgensternsiedlung entnehmen können, was in der denkmalgeschützten Siedlung zulässig ist und was nicht, gibt es offenbar unterschiedliche Vorstellungen. Das wurde jetzt im Bauausschuss deutlich.

Montag, 13.06.2016, 08:06 Uhr

Siegelbruch: Mehrfach sind die stillgelegten Baustellen in der Morgensternsiedlung betreten worden. Die Stadt hat Anzeige erstattet. Im Bauausschuss kam auch der schlechte Zustand der Fußwege zur Sprache (kleines Bild).
Siegelbruch: Mehrfach sind die stillgelegten Baustellen in der Morgensternsiedlung betreten worden. Die Stadt hat Anzeige erstattet. Im Bauausschuss kam auch der schlechte Zustand der Fußwege zur Sprache (kleines Bild). Foto: Klaus Wiedau

Herbert Krause (Pro Bürgerschaft/Piraten) hatte sich zuvor mit einer Anfrage an die Verwaltung gewandt. Ihm sei zu Ohren gekommen, dass es bisher einen von der Politik in Auftrag gegebenen Flyer nicht gebe, weil Geld dafür fehle. Eine Begründung, die auch Jörg von Borczyskowski (UWG) in der Ausschusssitzung nicht glauben wollte: „Sie haben doch Drucker, Papier und Toner, um 50 Faltblättchen fertig zu machen. Warum dauert das so lange?“, wollte er von der Verwaltung wissen.

„Es geht nicht um die Menge, sondern um den Inhalt“, machte Stadtbaurat Frank Vetter deutlich, der zugleich betonte: „Am Geld liegt es nicht. Das ist Quatsch.“ – „Wir reden nicht über einen Flyer, sondern über ein Gestaltungshandbuch “, ergänzte Joachim Krafzik , Leiter des Fachdienstes Stadtplanung. Und das zu erstellen, erweise sich als deutlich schwieriger als anfangs angenommen. Krafzik räumte in diesem Zusammenhang ein, dass die Verwaltung vielleicht auch mit einem zu hohen Anspruch an die Aufgabe herangegangen sei.

Um eine aussagekräftiges und verständliches Gestaltungshandbuch herauszugeben, sei es sinnvoll, dem Bürger konkrete Beispiele dafür an die Hand zu geben, was erlaubnisfähig ist und was nicht. Dafür sei es hilfreich, etwa von einem Fensterbauer oder einer Ziegelei eine Art Muster für Fenster oder Ziegel erstellen zu lassen. Krafzik: „Das sind Punkte, die wir zu Beginn des Projektes nicht bedacht haben und für die wir ein paar Euro in die Hand nehmen müssen.“

Er machte zudem deutlich, dass die Umsetzung des Handbuches auch ein personelles Problem sei, zumal die zuständige Mitarbeiterin in der Morgensternsiedlung derzeit „ganz erheblich mit anderen Dingen“ beschäftigt sei, „weil wir erhebliche Schwierigkeiten im Rahmen des Ordnungsrechts haben“, so Krafzik.

Aktuell seien in der Siedlung fünf Häuser versiegelt. Alle fünf Objekte sind nach Krafziks Worten in der Hand eines Eigentümers. Für alle diese Gebäude liegen nach Darstellung der Stadtverwaltung keine „erlaubnisfähigen Anträge“ für Baumaßnahmen vor. Die Baustellen seien stillgelegt worden. Bei den versiegelten Häusern habe es zudem Fälle von Siegelbruch gegeben, so Krafzik weiter: „Wir haben Anzeige erstattet, die Verfahren laufen.“ Inzwischen gebe es aber auch eine Klage des Eigentümers, der der Behörde Untätigkeit vorwirft. Krafzik zeigte sich darüber verwundert: „Wir versuchen sogar, alternative Lösung für die Probleme zu finden und man wirft uns Untätigkeit vor.“

Auch auf weitere Fragen, die Herbert Krause im Zusammenhang mit der Morgensternsiedlung gestellt hatte, gab es während der Bauausschuss-Sitzung Antworten der Verwaltung: Den Zustand der kleinen Fußwege, die die Siedlung durchziehen, bezeichnete Krafzik als „nicht gut“. Sie seien zum Teil zugewachsen. Die Unterhaltung sei indes nicht Aufgabe der Stadt, da die Wege privates Gemeinschaftseigentum der jeweils angrenzenden Grundstückseigentümer seien, denen damit auch die Pflege obliege.

Die Stadt konzentriere sich bei ihren Bemühungen um die Siedlung auf die Gebäude, so Krafzik. Es sei aber sicher sinnvoll und ratsam, in einem zu erstellenden Gestaltungshandbuch auch die Frage der Wege und ihres Unterhalts anzusprechen. Wann mit der Fertigstellung des Handbuches zu rechnen ist, blieb am Ende offen. Stadtbaurat Vetter machte nur eine Andeutung: „Ich glaube nicht, dass wir das in diesem Jahr noch schaffen.“

Günter Kendzierski ( CDU ) regte an, den Diplom-Restaurator Thomas Lehmkuhl (Steinfurt) in die Gestaltung des Handbuches einzubinden. Lehmkuhl ist gegenwärtig auch in den Sanierung des Wirtschaftszentrums eingebunden.

Am Rande der Sitzung gab es Hinweise darauf, dass in Sachen Bürgerinformation vielleicht ein zweistufiges Verfahren zum Tragen kommen könnte. Als erste Stufe wäre dabei ein knapp gehaltener Flyer mit Tipps und Hinweisen denkbar. Aus Sicht der Verwaltung ist es aber sinnvoll, daneben ein umfangreicheres Gestaltungshandbuch zu erarbeiten, das den künftigen Umgang mit der Denkmalsubstanz der Siedlung erleichtere und zugleich der Bedeutung dieser einzigartigen Siedlung gerecht werde.

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