Dr. Luthe holt Interreg-Projekt nach Gronau und Enschede
Kampf gegen Krankenhauskeime

Gronau -

Wie eine Rakete soll das Projekt durchstarten. Deshalb heißt es auch Rocket (Regional Collaboration on Key Enabling Technologies – regionale Zusammenarbeit an Schlüsseltechnologien). Pilot der Rakete – um im Bild zu bleiben – ist Dr. Gregor Luthe.

Donnerstag, 07.07.2016, 06:07 Uhr

Vertreter der teilnehmenden Firmen und Institutionen trafen sich am Dienstag zu einer Auftaktveranstaltung im Wirtschaftszentrum Gronau. Gastgeber war Dr. Gregor Luthe (5.v.r.).
Vertreter der teilnehmenden Firmen und Institutionen trafen sich am Dienstag zu einer Auftaktveranstaltung im Wirtschaftszentrum Gronau. Gastgeber war Dr. Gregor Luthe (5.v.r.). Foto: Frank Zimmermann

Der Chemiker und Toxikologe Luthe aus Epe ist mit zwei Firmen am Projekt beteiligt. Die eine, Smart Material Printing (SMP), entwickelt Produktideen und hat ihren Sitz in Enschede . Die andere, Nanobay, ist ein digitaler Marktplatz für den Bereich Nanotechnologie, auf dem Investoren und „Erfinder“ zueinanderfinden sollen. Nanobay firmiert im Wirtschaftszentrum Gronau (WZG).

Dass Luthe bei dem Projekt treibende Kraft ist, hängt wesentlich damit zusammen, dass er eine bahnbrechende Erfindung gemacht hat: ein Material, das einen vollkommen neuen Wirkmechanismus hat, der allein Bakterien angreift. Eine Art Keramik, die permanent antibakteriell wirkt und mit der viele Stoffe beschichtet werden können: Türklinken oder Schutzanzüge zum Beispiel.

Luthe, der mehrere Professuren inne hatte, ehe er in die freie Wirtschaft wechselte, steht im Ruf, auch komplexe Zusammenhänge leicht verständlich zu erklären. Die Wirkung seiner Keramik erklärt er mit einem Keks (antibakterielle Beschichtung) und einem Wasserglas (Bakterium): „Eine Million Mal pro Sekunde ändert die Keramikoberfläche ihre Ladung – von positiv zu negativ zu positiv . . .“ Bei einem Kontakt (er stößt Keks und Wasserglas aneinander) werde so beim Bakterium eine Art Kurzschluss ausgelöst. Der Clou: Weil bei menschlichen und tierischen Zellen der Energieträger im Inneren produziert wird – bei Bakterien aber auf der Membran – wird nur Bakterien die Energie entzogen und sie sterben ab.

Bei Rocket geht es nun darum, konkrete Produkte mit antibakterieller Oberfläche zu entwickeln – vor allem Kunststoffe. „Türklinken“, nennt Gregor Luthe als Beispiel. Besonders für solche Gegenstände, die durch viele Hände gehen und über die somit Krankheitserreger verbreitet werden, wäre eine solche Beschichtung sinnvoll. Damit könnten Firmen aus der Region in einen Markt vorstoßen, „der aktuell ein Volumen von rund 37 Milliarden US Dollar hat“, sagt Luthe. Angesichts von rund 15 000 Menschen, die alljährlich an einer Infektion mit Krankenhauskeimen sterben, glaubt Luthe an das große Potenzial, das in seiner Entwicklung steckt.

Rocket (Regional Collaboration on Key Enabling Technologies)

Rocket fördert die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Wissenschaft im deutsch-niederländischen Grenzgebiet zur Stärkung von Forschung, technologischer Entwicklung und Innovation. Denn, so begründet es die Interreg: Schlüsseltechnologien (Key Enabling Technologies) wie Nanotechnologie, Mikrosystemtechnik, Mikro- und Nanoelektronik, innovative Materialien und Werkstoffe sowie Photonik bilden die technologische Grundlage für die Antworten auf die globalen Herausforderungen. Deshalb wird Rocket im Rahmen des Interreg-Programms von der EU und den Interreg-Partnern finanziell unterstützt (mit 900 000 Euro). Am Projekt beteiligte Firmen sind unter anderem die Applied Polymer Innovations B.V. (API, Emmen), K. L. Kaschier- und Laminier GmbH (Bad Bentheim), SVD Verpackungen GmbH (Ahaus), Technik und Recht (Gronau), Nanobay (Gronau) und Cel (von der FH Zuyd aus Heerlen). Aufseiten der Wissenschaft sind unter anderem vertreten: das Biomedizinische Technologiezentrum der Westfälischen Wilhelms-Universität (Münster), das Mikrobiologische Labor Dr. Michael Lohmeyer GmbH (Münster) und der Zellbiologe Prof. Dr. Paul Borm von der Hochschule Zuyd in Heerlen. Projektleiter sind die Entwicklungsgesellschaft Oost NV und das Netzwerk Nano-Mikro-Werkstoffe-Photonik NRW.

...

Bei einer Auftaktveranstaltung am Dienstag haben sich Vertreter der teilnehmenden Firmen und Institutionen im WZG getroffen, um in diese Zukunft aufzubrechen. Dass dieses Treffen in Gronau stattfand und nicht in den USA, sei im wesentlichen Bürgermeisterin Sonja Jürgens und Ulrich Helmich, dem städtischen Wirtschaftsförderer, zu verdanken, betont Gregor Luthe. „Wenn die beiden nicht auf mich zugekommen wären und aktiv um mich geworben hätten, wäre ich in die USA gegangen“, sagt Luthe, der dort immer noch eine Professur für Humantoxikologie inne hat. Nachdem er seine Professur an der Saxion-Hochschule in Enschede aufgegeben habe, um in die Wirtschaft zu wechseln, habe er sich erstmal umorientieren müssen. „Ulrich Helmich hat sich dabei als echter Türöffner erwiesen. Das ist gelebte Wirtschaftsförderung“, lobt der Eperaner.

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