AKTUALISIERT (13:57 Uhr): Schützenverein Kloster Epe
Dramatische Wendung beim Königsschießen

Epe -

Erst nach einer Pinkelpause fällt die Entscheidung. Um 21.58 Uhr verlassen die beiden Königsanwärter Andreas Perrevort und Bernhard Bloom den Schießstand und verdrücken sich ganz kurz auf die Toilette. Schon seit rund einer Stunde bieten sich die beiden ein packendes Duell um die Königswürde des Schützenvereins Kloster Epe. Ein paar Schüsse später, um 22.03 Uhr, holt Bernhard Bloom die Reste des ehemals stolzen Vogels mit dem 352. Schuss von der Stange. Zur Königin wählt er sich Ulrike Kerkeling.

Sonntag, 10.07.2016, 14:07 Uhr

Präsident Franz-Josef Verst (l.) hängt dem neuen König Bernhard Bloom die Königskette um.
Präsident Franz-Josef Verst (l.) hängt dem neuen König Bernhard Bloom die Königskette um. Foto: Rupert Joemann

Für einen Augenblick sieht sogar Andreas Perrevort wie der neue König aus. Viele Besucher des sehr gut besuchten Schießens schreien schon ein langgedehntes „Jaaa“, Perrevort reißt die Arme hoch, um sie Sekundenbruchteile später hinter dem Kopf entsetzt zusammenzuschlagen. Ein kümmerlicher Rest ist an der Stange hängen geblieben.

Doch Bloom nutzt den nächsten Schuss nicht. Wieder hat Perrevort die Chance, sich die Königswürde zu holen. Es ist ihm anzumerken: Er will es unbedingt, war sein Vater Egon doch vor 40 Jahren bereits König der Kloster-Schützen. Die Zuschauer bekommen ein packendes Schießen geboten. Aber der 2. Kassierer patzt. Es ist sein letzter Schuss. Hauptmann Bernhard Bloom macht mit dem hölzernen Rest den Garaus.

„Es ist egal, wer es wird. Beide sind in Ordnung“, sagt einer der zuschauenden Grünröcke. Es ist ein ernst gemeintes Kompliment. Lautstärker machen sich die Anhänger von Bernhard Bloom bemerkbar. Mit rhythmischem Klatschen wie die isländischen Fans bei der Fußball-Europameisterschaft feuern sie ihren Hauptmann an.

Das Duell findet unter erschwerten Bedingungen statt. Nachdem sich die anderen Schützen zurückgezogen haben, reißt um 21.06 Uhr an der Schießanlage ein kleines Seil. Das sorgt nur dafür, dass der Rückschlag beim Schuss nicht so kräftig ausfällt. Das Gewehr ist weiter in seinem mit zwei Schrauben gesicherten Lauf. Die beiden Schießmeister Rainer Sokolowsky und Rob ter Horst sowie General Bernd Burike geben grünes Licht: Es geht weiter.

„Du musst das Gewehr sauber in die Schulter drücken“, ruft ein Schütze Andreas Perrevort zu. Die Kameraden sind mit guten Tipps schnell zur Stelle. Während Perrevort zunächst die rechte Seite anvisiert, versucht es Bloom mal von unten, mal von oben. Die Späne fliegen bis in die ersten Reihen. Der Korpus wird immer kleiner. Um 21.25 Uhr zieht General Bernd Burike schon mal seine Handschuhe an und hält den Hut mit den roten Federn griffbereit. Auch die anderen Offiziere machen sich fertig. Die Reihen vor dem Schießstand füllen sich, die Spannung steigt. Die Schützen stehen parat, um ihrem neuen König zuzujubeln. Doch soweit ist es noch lange nicht.

„Er ist ganz schön hartnäckig“, ruft Bernhard Bloom über die Absperrung rüber. „Sollen wir einen Eimer Wasser zum Kühlen holen?“, fragt Andreas Perrevort die Schießmeister mit einem Lächeln im Gesicht. Nach jeweils 25 bis 30 Schüssen wechseln Sokolowsky und ter Horst das Gewehr. Drei Gewehre haben sie mitgebracht. Und der Eimer für die leeren Patronen füllt sich bedenklich.

Doch dann fällt der Vogel doch noch und Präsident Franz-Josef Verst hängt dem neuen König Bernhard Bloom die Königskette um.

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