Urenco-Blockade
„Das ist doch kein Ausstieg“

Gronau -

Eigentlich ist ihr Gegner die Atomkraft. An diesem Montagmorgen aber haben sie noch einen anderen: Mücken. Die gibt es an der rückwärtigen Feuerwehrzufahrt zum Urenco-Gelände reichlich.

Montag, 11.07.2016, 12:07 Uhr

Zufahrten dicht: Vor dem Haupttor haben sich Demonstranten in Stellung gebracht. Und auch über einer Rettungszufahrt an rückwärtigen Teil des Urenco-Geländes „schweben“ Aktivisten in der Luft.
Zufahrten dicht: Vor dem Haupttor haben sich Demonstranten in Stellung gebracht. Und auch über einer Rettungszufahrt an rückwärtigen Teil des Urenco-Geländes „schweben“ Aktivisten in der Luft. Foto: Klaus Wiedau

Aber davon lassen sich die Kernkraftgegner nicht abschrecken: Irene aus Kiel und Johannes aus Münster haben sich an der Zufahrt in Stellung gebracht. „Seit fünf Uhr“, sagt Irene auf die Frage, seit wann sie dort oben – ein paar Meter über dem Boden – in einem Klettergurt hängt.

Im Baum gegenüber sitzt Johannes und berichtet, dass sie ursprünglich zu viert waren. Die beiden Aktivisten, die auf dem Boden saßen sind allerdings jetzt – es ist 7.40 Uhr – nicht mehr da. „Dass Leute von uns in Gewahrsam genommen werden, haben wir noch nicht erlebt“, sagt Johannes, der nicht zum ersten Mal bei einer Blockade dabei ist,

Atomkraftgegner versperren Urenco-Zufahrt

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  • Mehrere Atomkraftgegner haben am Montagmorgen (11.7.2016) die Zugang zur Urananreicherungsanlage Urenco in Gronau blockiert.

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  • Die Demonstranten protestieren dagegen, dass die Urananreicherungsanlage trotz des Atomausstiegs weiterbetrieben werden soll.

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  • Die Polizei zählte rund 15 Teilnehmer der Blockade-Aktion.

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  • NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) hatte in einem Brief an die Bundesregierung ebenfalls die Stilllegung der Anlage gefordert.

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  • Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) lehnt bislang die Stilllegung der Urananreicherungsanlage ab.

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Aus Sicht der Polizei ist die Darstellung eine andere: „Wir haben diese Demonstranten mehrfach aufgefordert, den Rettungsweg freizumachen. Letztlich sind sie dem nicht nachgekommen, so dass wir sie wegtragen mussten“, so Pressesprecher Frank Rentmeister .

Irene aus Kile schwebt über der Urenco-.Rettungszufahrt.

Irene aus Kile schwebt über der Urenco-.Rettungszufahrt. Foto: Klaus Wiedau

Wegtragen lassen würde vermutlich am liebsten ein Lkw-Fahrer auch die rund ein Dutzend Demonstranten, die vor dem Urenco-Haupttor in Stellung gegangen sind – darunter auch die französische Aktivistin Cécile Lecomte. Der Lkw bringt Ladung für Urenco , aufs Gelände kommt er nicht. „Mach doch einen freien Tag“, rufen ihm zwei Mädchen aus der Kernkraftgegner-Truppe zu. Der Lkw-Fahrer nimmt es gelassen, fährt wenig später ab, ebenso wie der Handwerker, der eigentlich offenbar ein Ersatzteil liefern wollte, das auf seinem Anhänger liegt.

Andere reagieren weniger sportlich: Ein Volvo-Fahrer gestikuliert hinter der Windschutzscheibe. Was er sagt, ist nicht zu verstehen. Seine Haltung aber macht deutlich: Er ist sauer.

Die Demonstranten ficht das das nicht an. Mit zwei Dreibeinen, Transparten und Strohlballen haben sie die Urenco-Zufahrt dicht gemacht. Karsten aus Lüneburg und Georg – auch aus Norddeutschland – stehen vor Urenco, weil sie die Stilllegung wollen: „Das ist doch kein Ausstieg“, sagt Karsten und meint damit den Weiterbetrieb von Urenco trotz des Atom-Ausstiegsbeschlusses der Bundesregierung. „Es gilt, den Atommüll von morgen zu vermeiden.“ Müll, für den es bisher kein Endlager gebe, wie er in Erinnerung ruft.

Polizeibeamte und Urenco-Mitarbeiter beobachten die Blockade.

Polizeibeamte und Urenco-Mitarbeiter beobachten die Blockade. Foto: Klaus Wiedau

Und wie bewertet er den Vorstoß von NRW-Umweltminister Remmel zur Stilllegung der Anlage? Karsten sagt „begrüßenswert“. Georg ist deutlich anderer Meinung: „Das ist doch Verarschung!“ Die SPD-Bundesumweltministerin habe gesagt, dass die die Anlage nicht stilllegen werde. „Ich glaube nicht, das jemand ernsthaft daran dankt, auszusteigen“, ist sich Georg sicher. Insofern ist den beiden auch bewusst, dass ihr Widerstand eher symbolischen Charakter hat.

Und was sagen die beiden zu den drastischen Einschnitten, die eine UAA-Stilllegung für die Stadt Gronau bedeuten würde, die jährlich mehr als 30 Millionen Euro Gewerbesteuer von Urenco erhält? Karsten hält dagegen: „Und wie viele Tote gibt es durch Kernkraft?“ Georg gibt ihm recht: „Sollen sie doch in Solarenergie machen.“

Inzwischen ist es kurz nach neun Uhr: Urenco-Mitarbeiter erreichten die Anlage zu Fuß, haben ihre Autos weiter weggeparkt, weil sie auch nicht auf den firmeneigenen Parkplatz kommen. Pech auch für die Mitarbeiterin einer Zulieferfirma, die ihren Wagen dort stehen hat. Sie muss zu ihrem nächsten Job, wie sie der Polizei erklärt, kommt aber nicht weg.

Karsten, Georg und die anderen machen derweil nicht den Eindruck, als wollten sie in nächster Zeit die Blockade abbrechen. „Wir sind gekommen, um zu bleiben“, steht auf einem der Transparente. Georg wandelt den Spruch für sich noch etwas ab: „Ich bin gekommen, um zu verhindern“, sagt er.

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