Gewebe der Floating Piers von Christo werden bei Altex in Epe recyclet
Der Kreislauf ist vollendet

Epe -

Das Münsterland hat den Stoff wieder, aus dem die Träume eines Sommers gewebt waren: die Floating Piers von Christo. Am italienischen Iseo-See wanderten über 1,2 Millionen Menschen über die schwimmenden Stege des Künstlers. Der auffällige, gelb-orangefarbene Oberstoff wurde bei Setex in Greven hergestellt. Den speziellen Vliesstoff, der für den Trittkomfort sorgte, produzierte die Firma Altex Gronauer Filz GmbH & Co. KG. Und bei Altex – genauer: der Firma Altex Textil-Recycling in Epe – endet auch das Dasein der Stoffe in ihrer bisherigen Form. Seit Freitag werden dort die ersten der insgesamt rund 100 000 Quadratmeter Stoff gehäckselt, geschnitten und gerissen – um als neuer Rohstoff wiederverwertet zu werden.

Freitag, 22.07.2016, 16:07 Uhr

Berühmtes Stöffchen: Das Floating-Piers-Gewebe wird bei Altex angeliefert.
Berühmtes Stöffchen: Das Floating-Piers-Gewebe wird bei Altex angeliefert. Foto: Martin Borck

Für die Firma an der Gronauer Straße in Epe ist Textilrecycling Alltagsgeschäft – doch die Verwertung des berühmten Stoffs ist etwas Besonderes. Was man auch an dem Umstand bemerkt, dass am Freitag mehrere Medienteams am Eingangstor des Unternehmens auf den ersten mit Stoff beladenen Lkw warten. Der Transport wird übrigens – das Münsterland ist bei Christo-Projekten sehr gut vertreten – vom Grevener Logistik-Unternehmen Fiege organisiert.

Das Material, sagt der Geschäftsführer der Altex Gronauer Filz, Dirk Tunney , ist vom Garn her ähnlich wie das von Industriegurten oder Autogurten. „Und davon verabreiten wir über 1000 Tonnen im Jahr.“ Dennoch: „Es ist ein Projekt mit großer Strahlkraft über die Grenzen des Münsterlands hinaus.“ Auch wenn es nicht das erste Mal ist, dass von Christo verwendetes Material bei Altex endet: Auch der Stoff, mit dem das Reichstagsgebäude in Berlin verpackt war, und das Gewebe, mit dem in Riehen in der Schweiz Bäume verhüllt wurden, sind hier aufbereitet worden. Christo und sein Team waren von der Verlässlichkeit und der Nachhaltigkeit des Konzepts überzeugt.

„Die Zusammenarbeit mit Christo ist nicht alltäglich“, gibt Tunney zu. Er selbst war von den Floating Piers begeistert und hat vor Ort mitbekommen, wie groß der Andrang war. Doch nun ist das Projekt beendet – und zu Christos künstlerischem Selbstverständnis gehört, dass von den Materialien seiner Projekte nichts übrig bleibt. Nichts Erkennbares zumindest. Und darum landet es in Epe.

Am späten Vormittag biegt der Lastwagen mit dem Gewebe auf das Betriebsgelände ein. Insgesamt sollen es acht Lkw-Gespanne werden, die das Gewebe anliefern, das in Containern zunächst per Zug von Verona nach Köln und dann per Lkw weitertransportiert wurde. In einer der großen Hallen wird entladen: Riesige Stoffbahnen, zusammengeknüllt, teils nass und verschmutzt, kommen zum Vorschein.

„Wir achten darauf, dass wir die unterschiedlichen Gewebe separat wiederverwerten,“ erläutert Tunney und zeigt auf eine Kante, die aus einem festeren Material hergestellt worden ist als das gelbe Polyamid-Gewebe. Die Kante wird abgeschnitten und gesondert verarbeitet werden. Die Endprodukte sollen so rein wie möglich sein.

Achten müssen die Mitarbeiter auf Verschmutzungen, Steine oder Holzstücke, Die könnten die Schneidemaschine beschädigen. Die eingearbeiteten Metallösen müssen per Hand ausgeschnitten werden.

Ein Teil der angelieferten Stoffe kann aber sofort bearbeitet werden. Alexander Kempf, Boris Schneidmüller und Winfried Schulz füttern die Schneidemaschine mit den ersten Bahnen. In Streifen fällt das Gewebe auf ein Förderband und landet in einem Schacht. Kurz darauf wird das gepresste Material nach oben gefahren und verpackt. Der erste Ballen ist fertig und wird in eine andere Halle gefahren – zur Weiterverarbeitung in der Reißmaschine. Die zerkleinert das Material weiter. Die Gewebefasern werden anschließend mit anderen Fasern gemischt. Dieses Gemisch steht am Beginn eines neuen textilen Fertigungszyklus. Die Fasern der Floating Piers werden sich zum Beispiel als Schutzvliese im Garten- und Landschaftsbau wiederfinden.

Wenn die erste 30-Tonnen-Charge nicht gesäubert und getrocknet werden müsste, wäre sie in gut zehn Stunden verarbeitet und somit bereit für die Fertigung von neuen Vliesstoffen. In einigen Wochen, schätzen die Altex-Leute, wird alles Material verarbeitet sein. Der Kreislauf ist vollendet.

Gewebe des Christo-Projekts Floating Piers wird in Epe recyclet

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  • Die erste Ladung mit Gewebe des Christo-Projekts kam am Freitag in Epe an. Bei Altex wird es wiederverwertet. Foto: Martin Borck
  • Die erste Ladung mit Gewebe des Christo-Projekts kam am Freitag in Epe an. Bei Altex wird es wiederverwertet. Foto: Martin Borck
  • Die erste Ladung mit Gewebe des Christo-Projekts kam am Freitag in Epe an. Bei Altex wird es wiederverwertet. Foto: Martin Borck
  • Die erste Ladung mit Gewebe des Christo-Projekts kam am Freitag in Epe an. Bei Altex wird es wiederverwertet. Foto: Martin Borck
  • Die erste Ladung mit Gewebe des Christo-Projekts kam am Freitag in Epe an. Bei Altex wird es wiederverwertet. Foto: Martin Borck
  • Die erste Ladung mit Gewebe des Christo-Projekts kam am Freitag in Epe an. Bei Altex wird es wiederverwertet. Foto: Martin Borck
  • Die erste Ladung mit Gewebe des Christo-Projekts kam am Freitag in Epe an. Bei Altex wird es wiederverwertet. Foto: Martin Borck
  • Die erste Ladung mit Gewebe des Christo-Projekts kam am Freitag in Epe an. Bei Altex wird es wiederverwertet. Foto: Martin Borck
  • Die erste Ladung mit Gewebe des Christo-Projekts kam am Freitag in Epe an. Bei Altex wird es wiederverwertet. Foto: Martin Borck
  • Die erste Ladung mit Gewebe des Christo-Projekts kam am Freitag in Epe an. Bei Altex wird es wiederverwertet. Foto: Martin Borck
  • Die erste Ladung mit Gewebe des Christo-Projekts kam am Freitag in Epe an. Bei Altex wird es wiederverwertet. Foto: Martin Borck
  • Die erste Ladung mit Gewebe des Christo-Projekts kam am Freitag in Epe an. Bei Altex wird es wiederverwertet. Foto: Martin Borck
  • Die erste Ladung mit Gewebe des Christo-Projekts kam am Freitag in Epe an. Bei Altex wird es wiederverwertet. Foto: Martin Borck
  • Die erste Ladung mit Gewebe des Christo-Projekts kam am Freitag in Epe an. Bei Altex wird es wiederverwertet. Foto: Martin Borck
  • Die erste Ladung mit Gewebe des Christo-Projekts kam am Freitag in Epe an. Bei Altex wird es wiederverwertet. Foto: Martin Borck
  • Die erste Ladung mit Gewebe des Christo-Projekts kam am Freitag in Epe an. Bei Altex wird es wiederverwertet. Foto: Martin Borck
  • Die erste Ladung mit Gewebe des Christo-Projekts kam am Freitag in Epe an. Bei Altex wird es wiederverwertet. Foto: Martin Borck
  • Die erste Ladung mit Gewebe des Christo-Projekts kam am Freitag in Epe an. Bei Altex wird es wiederverwertet. Foto: Martin Borck
  • Die erste Ladung mit Gewebe des Christo-Projekts kam am Freitag in Epe an. Bei Altex wird es wiederverwertet. Foto: Martin Borck
  • Die erste Ladung mit Gewebe des Christo-Projekts kam am Freitag in Epe an. Bei Altex wird es wiederverwertet. Foto: Martin Borck
  • Die erste Ladung mit Gewebe des Christo-Projekts kam am Freitag in Epe an. Bei Altex wird es wiederverwertet. Foto: Martin Borck
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