Fischsterben in Teichen
Sediment raubt Sauerstoff

Gronau -

Uwe Feldhaus gebraucht ein sehr eindringliches Bild, um die Situation zu beschreiben: „Wenn Fische schreien, kann das leider kein Politiker und kein Verwaltungsangestellter hören. Auch wir nicht“, fügt der Gewässerwart der Fischereigemeinschaft Gronau und des SFV „Flossweg“ hinzu.

Dienstag, 26.07.2016, 07:07 Uhr

Aus der Luft sieht es fast idyllisch aus: Auch den BSG-Teich musste die Feuerwehr am Sonntag mit Wasser aus der Dinkel„belüften“, um die Sauerstoffsättigung zu erhöhen. Die Angler drängen bei der Stadt seit Jahren auf Entschlammung.
Aus der Luft sieht es fast idyllisch aus: Auch den BSG-Teich musste die Feuerwehr am Sonntag mit Wasser aus der Dinkel„belüften“, um die Sauerstoffsättigung zu erhöhen. Die Angler drängen bei der Stadt seit Jahren auf Entschlammung. Foto: Pascal Vlutters/privat

Uwe Feldhaus gebraucht ein sehr eindringliches Bild, um die Situation zu beschreiben: „Wenn Fische schreien, kann das leider kein Politiker und kein Verwaltungsangestellter hören. Auch wir nicht“, fügt der Gewässerwart der Fischereigemeinschaft Gronau und des SFV „Flossweg“ hinzu. Am Sonntag hätten die Fische im Fischteich in den Eper Bülten und im BSG-Teich an der Dinkel (beides städtische Gewässer) sicher gerne laut geschrien. Weil sie es nicht können, starben am Ende einige von ihnen leise: Ihnen ging der Sauerstoff aus.

Einen Sauerstoffgehalt von zwei Milligramm pro Liter Wasser ergaben – wie berichtet – am Sonntagmittag Messungen von Uwe Feldhaus am Teich in den Eper Bülten. Dazu eine Wassertemperatur von 26 Grad. Normal wäre für diese Temperatur ein Sauerstoffgehalt von acht Milligramm/Liter. Am BSG-Teich ergibt sich später ein ähnlich schlechter Wert: Hier misst Feldhaus 28 Grad Wassertemperatur und drei Milligramm Sauerstoff pro Liter. Einzelne tote Fischen zeigen an, dass das zu wenig ist. An beiden Teichen rückt daher am Sonntag in Absprache mit dem Ordnungsamt die Feuerwehr an, pumpt Wasser aus der Dinkel und lässt es im hohen Bogen in die Teiche „regnen“. Durch diese Verwirbelung kommt neuer Sauerstoff ins Wasser. Spätere Messungen beweisen das: Um kurz nach 17 Uhr ist der Sauerstoffgehalt im Eper Teich auf fünf Milligramm gestiegen. Feldhaus: „Die Maßnahme zeigt also Wirkung.“

Entschlammung scheitert derzeit an den Kosten

Entschlammung lautet das Zauberwort, mit dem die Misere nach Angaben von Gewässerwart Uwe Feldhaus zu lösen wäre. Bis zu 60 Zentimeter Sediment haben sich im Laufe der Jahre in den Teichen abgelagert. Die müssten dringend raus – doch es scheitert (wie berichtet) an den Kosten. 150 000 Euro soll alleine die Schlammbeseitigung im Eper Teich kosten. Die Maßnahme ist so teuer, weil der Schlamm entnommen, vor Ort entwässert und dann – stichfest gemacht – abtransportiert werden muss. Die Sediment-Abbau im BSG-Teil wird um ein Vielfaches teurer, weil dieser Schlamm einen erhöhten organischen TOC-Wert (total organic carbon – Summe der gesamten organisch gebundenen Kohlenstoffe) aufweist. Dieser Wert stelle, so die Stadt, grundsätzlich nicht das Problem dar, führe aber in erhöhter Konzentration zu einer höheren Zuordnungsklasse im Abfallbereich und bestimme daher unter anderem das Verfahren, mit dem der Schlamm zu entsorgen ist.

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Für die Angler ist der zu geringe Sauerstoffgehalt des Wassers nicht neu. „Seit sechs Jahren arbeiten wir an diesem Problem“, sagt Feldhaus. Und es schwingt Resignation mit, wenn er hinzufügt: „Aber all unsere Konzepte sind von der Verwaltung nicht ernst genommen worden.“

Vor Jahren, so Feldhaus, habe es kostengünstigere Angebote gegeben: Mit dem Saugbagger herausgeholt und in der Umgebung des Teiches verteilt, wäre der Schlamm – mit einer Bodenschicht bedeckt – direkt am Teich geblieben. Als Alternative sei auch eine Verkleinerung des BSG-Teiches mit Spundwänden diskutiert worden, hinter denen der Schlamm im Teich hätte gelagert werden können. „Die Variante scheiterte aber an den Kosten“, so Feldhaus.

Wie es jetzt weitergeht in den Bülten und am BSG-Teich, weiß er nicht. Die Verwaltung ist aus der jüngsten politischen Schlamm-Debatte ohne neuen Arbeitsauftrag herausgegangen.

Feldhaus mag nicht daran denken, was passiert, wenn eine Hitzeperiode vier Wochen anhält, der BSG-Teich zu einem Becken mit Saunatemperaturen wird „und ein wirklich derbes Fischsterben kommt“. Schlimmstenfalls könnte der Teich kippen, das wäre das Ende für den ohnehin geschwächten Fischbestand. Die Angler würde das ausgerechnet an diesem Teich treffen. Das trübe und unscheinbare Gewässer hat es nämlich in sich: Viele Fische schwimmen – etwa bei Hochwasser – über ein Verbindungsrohr von der Dinkel hinein, ruhen sich hier aus oder setzen den Nachwuchs ab. „Das ist die Kinderstube – für uns und für die Dinkel“, sagt Feldhaus.

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