Umrüstung der Kavernen im Amtsvenn beginnt
Operation „Doppelrohr“ beginnt

Epe -

Das schwere Gerät für die technisch anspruchsvolle „Operation“ rollt bereits an. Unweit des Standortes der Salzgewinnungsgesellschaft Westfalen (SGW) haben an der Ölkaverne S 1 die Vorbereitungen für die Umrüstung des Rohrsystems begonnen, über das die Sole-/Ölspeicherung in der unterirdischen Lagerstätte erfolgt. Nach der Leckage an der Verrohrung der Kaverne S 5 hat die SGW in Abstimmung mit dem Erdölbevorratungsverband (EBV) und dem BP-Konzern entschieden, dass sie weiter im Amtsvenn Öl als Teil der nationalen Energiereserve speichern will. Die zuständige Bergbehörde (Bezirksregierung Arnsberg) hatte dies nach der Havarie an der S 5 jedoch an die Umstellung der Kavernen-Verrohrung auf ein sogenanntes Doppelrohrsystem mit Kontrollraum gekoppelt.

Samstag, 24.09.2016, 08:09 Uhr

Auf dem Kavernenplatz der S 1 haben die ersten Vorbereitungen für die Umrüstung der Kavernenverrohrung auf das neue Doppelrohrsystem begonnen. Die Umrüstung von insgesamt vier Untergrundspeichern wird bis 2017 dauern.
Auf dem Kavernenplatz der S 1 haben die ersten Vorbereitungen für die Umrüstung der Kavernenverrohrung auf das neue Doppelrohrsystem begonnen. Die Umrüstung von insgesamt vier Untergrundspeichern wird bis 2017 dauern. Foto: Klaus Wiedau

Für diese Umrüstung wurden inzwischen genehmigungstechnisch die Weichen gestellt, wie Peter Dörne, Dezernent der Bezirksregierung Arnsberg , im Gespräch mit den WN darlegte: „Der dafür erforderliche Sonderbetriebsplan wurde abschließend besprochen und mit den Landschaftsbehörden vorabgestimmt. Jetzt folgt das bergrechtlich vorgeschriebene Beteiligungsverfahren.“ Dörne geht davon aus, dass der Plan Mitte Oktober genehmigt und dann auch vor Ort mit den Arbeiten begonnen werden kann.

Und die sind durchaus komplex, obwohl nach Dörnes Aussagen „bewährte Technik“ zum Einsatz kommt. Im Fall der S 1 muss zunächst der Kavernenhals in der Tiefe bereinigt (erweitert) werden, um für künftige Kontrollen eine bessere Durchgängigkeit für technisches Gerät sicherzustellen.

Die Umstellung auf die Doppelverrohrung sieht nach Dörnes Schilderung folgende Schritte vor: In das heutige Rohrsystem (11 ¾ Zoll) wird ein neues Rohr (9  5/8 Zoll) eingeführt. In dieses Rohr wird ein weiteres Sieben-Zoll-Rohr eingeführt und darin schließlich ein 4 ½-Zoll-Rohr. Das 4 ½-Zoll-Rohr enthält später Sole, über die die Ein- und Ausspeicherung des Öls im Sieben-Zoll-Rohr gesteuert werden kann. Die Zwischenräume zwischen dem Sieben-Zoll- und dem 9  5/8 -Zoll-Rohr sowie zwischen diesem Rohr und der alten 11 ¾-Verrohrung dienen als sogenannte Ringräume der Kontrolle. Sie werden tief unten zur Kaverne hin abgedichtet (mit sogenannten Packern), mit Kontrollflüssigkeit gefüllt und drucküberwacht. Ebenso wird der Öldruck am Sieben-Zollrohr sowie der Soledruck an der 4 ½-Zoll-Leitung gemessen. Angeschlossen an die Fernwartung der Kaverne lässt sich so künftig die Dichtigkeit der Kavernen-Verrohrung sowohl über die Ringräume als auch über die Drucküberwachungen kontrollieren.

Die Arbeiten zur Umstellung der Verrohrung werden an der S 1 rund 30 Tage dauern. Danach zieht das erforderliche technische Equipment zur Kaverne S 6 um, die als nächste umgerüstet wird. Es folgt – vermutlich erst 2017 – entweder die havarierte Kaverne S 5 oder die S 3. Die S 3 (heute mit Sole gefüllt) wird (vor­aussichtlich) als vierte Kaverne für die Ölspeicherung im Amtsvenn hergerichtet. Der Grund: Durch die neue Doppelverrohrung verlängert sich die Zeit für die Ein- und Ausspeisung des Öls. Um diesen Zeitverlust zu kompensieren, soll eine vierte Kaverne als zusätzlicher Untergrundspeicher dienen. Neben der S 3 kämen dafür auch die bisher mit Sole gefüllten S 2 oder die S 14 infrage, für die bereits die grundsätzliche Genehmigung zur Öllagerung vorliegt, so Dörne. Nach seinen Worten steht allerdings die S 3 wegen ihrer Lage und der Größe des Kavernenplatzes gegenwärtig im Fokus für eine Öllagerung.

Wenn die Arbeiten zur Umstellung auf die Doppelverrohrung abgeschlossen sind, verfügen die Öl-Untergrundspeicher im Amtsvenn über den gegenwärtig sichersten Stand der Technik für derartige Anlagen. Dörne: „Das ist dann schon High-End.“

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