„Mendels Töchter“ in der Ev. Stadtkirche
Lohnender Musikgenuss

Gronau -

„Jüdische Kultur ist immer Erinnerungskultur“, erläuterte Dr. Manfred Keller am Sonntagnachmittag in der Evangelischen Stadtkirche. In der „Woche der Erinnerung“ gastierte dort das Musikensemble „Mendels Töchter“ aus Münster.

Dienstag, 15.11.2016, 08:11 Uhr

Mendels Töchter und Dr. Manfred Keller vermittelten einen interessanten Überblick über synagogale Musik
Mendels Töchter und Dr. Manfred Keller vermittelten einen interessanten Überblick über synagogale Musik Foto: Martin Fahlbusch

„Jüdische Kultur ist immer Erinnerungskultur “, erläuterte Dr. Manfred Keller am Sonntagnachmittag in der Evangelischen Stadtkirche . Im Rahmen der „Woche der Erinnerung“ gastierte dort das Musikensemble „ Mendels Töchter“ aus Münster mit einem interessanten Programm, das sich der so genannten synagogalen Musik widmete. Der langjährige Leiter der evangelischen Stadtakademie in Bochum hat sich lange Jahre mit jüdischem Leben auseinandergesetzt und konnte kenntnisreich die Brücke zwischen dieser speziellen Musikgattung von gottesdienstlichem Liedgutes und Erich Mendel schlagen, einem in Gronau im Jahr 1902 geborenen späteren jüdischen Kantor und Musikwissenschaftler.

Die vier Musiktherapeutinnen Vanessa Hövelmann, Barbara Keller, Cornelia Klären und Ulle Pfefferle hatten sich während ihres Studiums kennengelernt und haben über die Beschäftigung mit der Musik von Erich Mendel auch eigene Stücke – inspiriert von seinen Melodien – geschaffen. Dabei verbinden sie kultivierten und angenehm anzuhörenden Gesang mit vielfältigen Fähigkeiten auf ganz unterschiedlichen und oft wechselnden Instrumenten zwischen Klavier, Conga, Geige, Rhythmusinstrumente und Akkordeon.

Seit jeher haben Kantoren liturgische Texte vertont und sie für die gemeinsamen Gebete und Gottesdienste in der Synagoge verwendet. Die hebräisch gesungenen Lieder, die „Mendels Töchter“ in der Stadtkirche vorstellten, mögen in der Melodieführung klar und mitunter schlicht sein, aber die Art des Arrangements, des bedachten Einsatzes der vielen Instrumente und die Farbigkeit der Singstimmen der ruhig agierenden Musikerinnen machten das vorgestellte Programm zu einem überraschenden Hörerlebnis.

Die Familie Mendel war 1911 aus wirtschaftlichen Gründen ins Ruhrgebiet gezogen, wo der berufliche Weg Erich Mendels begann, der mit 20 Jahren Kantor in Bochum wurde. Entrechtung und Verfolgung der Juden in Deutschland in den späten 1930er-Jahren führte zu seiner Auswanderung über die Niederlande, wo er sein musikwissenschaftliches Archiv zurücklassen musste, zuerst nach England und später in die Vereinigten Staaten. Bis zu seinem Tod im Jahr 1988 hat er aber weiter Schätze der synagogalen Musik zusammengetragen und archiviert.

Neben dem Vortrag reiner Musikstücke, die Abendstimmungen und Lob des Schöpfers zum Thema hatten, war das Besondere des Programms von „Mendels Töchtern“, dass sie sich über die synagogale Musik lange kundig gemacht hatten und die von Erich Mendel komponierten Melodie-Stimmen mit Experimentierfreude und großer spielerischer Freiheit auskomponiert und interessant instrumentiert haben. Gut 35 Zuhörer erlebten einen lohnenden Musikgenuss von getragener Schönheit.

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