200. Geburtstag von Werner von Siemens / Gymnasium plant Veranstaltungen
Ein Name mit Hand und Fuß

Gronau -

1953 feierte das Gronauer Gymnasium sein 50-jähriges Bestehen. Studienrat Dr. August Maaß fand, es sei an der Zeit, einen angemessenen Namensgeber auszuwählen. Er schlug Werner von Siemens vor. 2016 feiert der Siemens-Konzern den 200. Geburtstag seines Gründers, der am 12. Dezember 1816 geboren wurde. Das nimmt Helmut Seifen, Schulleiter des Gronauer Gymnasiums, zum Anlass, für das zweite Halbjahr des laufenden Schuljahrs einen Themenschwerpunkt „Werner von Siemens und seine Zeit“ zu planen. Die Projekte zu diesem Thema sollen zum Schuljahresende in geeigneter Weise präsentiert werden.

Dienstag, 13.12.2016, 09:12 Uhr

Das Porträt von Werner von Siemens wurde von Schülern gestaltet.
Das Porträt von Werner von Siemens wurde von Schülern gestaltet. Foto: Norbert Diekmann

Was hat damals August Maaß bewogen, für das Gronauer Gymnasium den Namen Siemens vorzuschlagen? Marion Achteresch hat sich in einem Beitrag zur Schulgeschichte 2003 mit der Namenswahl beschäftigt und die Argumente der Siemens-Befürworter herausgearbeitet. Maaß habe seinerzeit darauf verwiesen, dass das Gronauer Gymnasium seit 1950 einen mathematisch-naturwissenschaftlichen Schwerpunkt habe. Er hätte noch weiter zurückgehen und daran erinnern können, dass das Gymnasium als Real-Gymnasium – in Abgrenzung zu den traditionellen humanistischen Gymnasien – entstanden ist. Jedenfalls fand der Maaß-Vorschlag allgemeine Zustimmung. Siemens wurde von der Schulleitung als „Spitzenkandidat“ auf die Kandidatenliste für den Schulnamen gesetzt, wie die Gronauer Nachrichten am 1. September 1953 berichteten.

„Dieser Name hat ‚Hand und Fuß‘“ lautete das Urteil des Zeitungsschreibers mit dem Pseudonym „Umfluter“. Und heute, über 60 Jahre später, ist Schulleiter Seifen geneigt, ihm zuzustimmen. „Siemens ist nicht nur wichtig für die Technikgeschichte. Er steht für einen bedeutenden gesellschaftlichen Umbruch“. Der Bedeutung von Werner von Siemens sollen die Veranstaltungen nachspüren, die in den nächsten Monaten das Schulleben bereichern sollen.

Nach wie vor sind die Naturwissenschaften ein Schwerpunkt im Schulprofil des Gronauer Gymnasiums. Strebten viele Schüler in den 50er-Jahren „Berufe im technischen Bereich“ an, wie damals Dr. Maaß feststellte, so ist heute bei Fächerwahl und Berufsorientierung eine Orientierung auf die MINT-Fächer gewünscht. Deshalb wird an der Schule überlegt, ehemalige Schülerinnen und Schüler einzuladen, die von ihren beruflichen Erfahrungen als Mathematiker, Informatiker, Naturwissenschaftler und Techniker berichten können.

Werner Siemens, der wegen der wirtschaftlich schwierigen Lage seiner Eltern als Gutspächter vorzeitig die Schule verlassen musste, erhielt an der Berliner Artillerie- und Ingenieurschule seine Ausbildung als Elektrotechniker. Als 30-Jähriger gründete er gemeinsam mit Johann Georg Halske eine „Telegraphen-Bauanstalt“, um den von ihn konstruierten Zeiger-Telegrafen zu produzieren und zu vermarkten.

In den folgenden Jahrzehnten konnte Siemens mit seinen Forschungen wegweisende Produkte entwickeln: 1879 die erste elektrische Eisenbahn, 1881 die erste elektrische Straßenbahn und 1882 der erste Oberleitungsbus. Wenn heute von Elektromobilität die Rede ist, dann hat Siemens vor über 125 Jahren dafür wichtige Voraussetzungen geschaffen.

Siemens hat auch Verdienste als Wissenschaftsmanager: Wichtig ist sein Engagement für den deutschen Patentschutz. 1884 war er maßgeblich bei der Gründung der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt beteiligt.

Siemens hatte auch ein Gespür für die „soziale Frage“. Bereits 1872 initiierte er in seinem Unternehmen eine „Pensions-, Witwen- und Waisenkasse“, ein Jahrzehnt früher als die Einführung von Krankenversicherung, Berufsunfallversicherung und Rentenversicherung durch Otto von Bismarck. Werner von Siemens, heute vor 200 Jahren geboren, leistete einen maßgeblichen Beitrag zur technischen Entwicklung unserer Welt, wie das nach ihm benannte Unternehmen anlässlich des runden Geburtstags seines Gründers verlautbart. „Bis in die Gegenwart prägen seine Leidenschaft für Ingenieurskunst und sein Streben nach wegweisenden Erfindungen das von ihm gegründete Unternehmen. Heute beschäftigt die Siemens AG rund 351 000 Mitarbeiter in über 200 Ländern weltweit und ist ein führender Anbieter in den Wachstumsfeldern Elektrifizierung, Automatisierung und Digitalisierung.“

Als zu Ostern 1954 am Gronauer Gymnasium die Namensgebung gefeiert wurde, gab es ein Schriftband „Werner-von-Siemens-Gymnasium“ und eine Büste des Namensgebers. Das Schriftband ist am Schulgebäude durch ein modernes Logo ersetzt worden. Durch Plexiglas geschützt, hat das alte „Firmenschild“ im Foyer der Schule einen Ehrenplatz bekommen. Die Büste aus Gips hat vor einigen Jahren Ersatz aus Messing erhalten.

Das Porträt von Siemens schmückt weiterhin den Flur vor dem Schulleiterbüro. Und für das von Schülern der Klasse 7a im Schuljahr 2000/2001 mit Johanna Erdhütter gestaltete Siemens-Porträt wird sich nach Abschluss der Umbauarbeiten an der Schule sicher auch ein neues Plätzchen finden.

Dass die Verbindung zwischen Schule und Unternehmen auch einen ganz praktischen Nutzen haben sollte, verrät das Protokoll der Lehrerkonferenz aus dem Jahr 1954, in der der Ablauf der Enthüllung des Schriftbandes festgelegt wurde. „An die Firma v. Siemens können dann Wünsche für eine Neugestaltung des Physikraumes gerichtet werden.“

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